Ein Jahr vermisst Vermisste Yolanda aus Leipzig: Jetzt spricht ihr Vater

Vor einem Jahr verschwand die damals 23-jährige Studentin Yolanda Klug. Ihr Vater, Peter Klug, hat mit Kripo live über seine Tochter, ihr Verschwinden und über die Arbeit der Leipziger Polizei gesprochen.

Peter Klug kurze Zeit nach Yolandas Verschwinden zu Gast bei Kripo Live.
Peter Klug kurze Zeit nach Yolandas Verschwinden zu Gast bei Kripo Live. Bildrechte: MDR

Welche Interessen haben in Yolandas Leben eine besondere Rolle gespielt?

In ihr steckte schon ein kleines künstlerisches Genie. Sie hat sehr schöne Skizzen gemacht und nach der Realschule dann entschieden, dass sie an das Berufsgymnasium gehen will mit dem Schwerpunkt „Grafik und Medien“. Das war hervorragend für sie. Sie hatte da viel Spaß dran und als sie sich dann irgendwann für das Architektur-Studium entschieden hat, habe ich nur gedacht: das passt zu ihr. So ist sie dann auch nach Leipzig gekommen.

Wie hat sie in Leipzig gelebt und wie kann man sich Yolandas Alltag vorstellen?

Ihr Alltag war immer aktiv. Einerseits war sie viel draußen und war auch in ihrer Freizeit bei einem ökologischen Landwirtschafts-Projekt tätig. Sie war viel klettern und konnte das auch sehr gut. Außerdem war sie hier in Leipzig in einer religiösen Gruppe aktiv und hatte da auch viele Freunde und Bekannte. Insgesamt hat es ihr auch in Leipzig gut gefallen, aber sie hatte auch ein paar Jahre lang körperliche Probleme und hat sich dann dafür entschieden, ins Ausland zu gehen. Ich war da zögerlich, weil sie dann nach Jordanien wollte und da fragt man sich natürlich auch, was passiert, wenn meine Tochter im Ausland einfach ohnmächtig wird, kann ihr da überhaupt jemand helfen? Aber das hat sich gut entwickelt, sie hat sich in Jordanien sehr wohl gefühlt.

Sie waren ja auch im September des letzten Jahres in Leipzig und haben Yolanda besucht. Wie war der Besuch und wie war Yolandas Stimmung?

Es war sehr schön. Ich bin am Sonntag hergekommen, weil ich hier für die Arbeit etwas zu erledigen hatte und bin dann direkt zu ihr gefahren.

Sie hat Pizza gemacht. Wir hatten uns eigentlich auch erst vor zwei Wochen verabschiedet am Frankfurter Flughafen, weil wir ja auch zusammen in die USA geflogen sind. In Leipzig sind wir dann Essen gegangen und sie hat mir und ein paar Kollegen dann auch eine kleine Stadtführung gegeben. Beim Essen haben wir auch nochmal über diese Ohnmachtsanfälle gesprochen und überlegt, was man da vielleicht noch machen oder untersuchen lassen könnte.

Wie haben Sie in den folgenden Tagen erfahren, dass Yolanda vermisst wird?

Das passierte sehr schnell. Eine WG-Mitbewohnerin hat angerufen und kurz danach auch die Polizei. Die Polizei hat auch direkt gefragt, ob sie Fotos veröffentlichen darf und ich war da auch einfach erstmal perplex und wusste gar nicht, was passiert. Ich habe zu dem Zeitpunkt auch gedacht, dass sich das bis zum nächsten Tag auflöst. Einen ähnlichen Fall hatten wir einige Monate vorher, wo sie ohnmächtig geworden ist und das hat sich dann am nächsten Tag wieder gelöst. Ich habe mich dann auch kurzfristig dazu entschieden, nach Leipzig zu fahren. Vor Ort war es schwierig an Informationen zu kommen, denn da hat oft die Zuständigkeit zwischen den Polizisten gewechselt.

Was haben Sie denn über den Tag des Verschwindens von Yolanda erfahren können? Wussten Sie was ihre Tochter an dem 25. September vorhatte?

Durch Gespräche mit ihren Freundinnen habe ich erfahren, dass sie an dem Tag zu Ikea wollte und mein erster Gedanke war ja auch, dass sie wegen des schönen Wetters auch vielleicht einfach draußen übernachten wollte. Man überlegt dann alles Mögliche. Deswegen sind wir auch zu den Leipziger Seen gefahren, weil ich mir dachte, dass sie vielleicht gar nicht zu Ikea gefahren ist, sondern ihren Tag dann anders verbringen wollte. Man hat ja auch einen Einkaufszettel mit Möbelstücken gefunden, die sie sich dann auch besorgen wollte, aber es gibt keinen eindeutigen Beweis, dass sie wirklich vor Ort gewesen ist. Ich habe auch bei der Polizei nachgefragt, ob sie sich bei Ikea nach dem Kauf dieser Möbelstücke erkundigt haben, aber eine richtige Antwort habe ich darauf nicht bekommen.

Wie hat sich im Laufe der Zeit Ihre Sicht auf die Dinge geändert? Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?

Am Anfang dachte ich noch, dass sich das wahrscheinlich alles schnell wieder auflöst. Mit der Zeit wurde es schwieriger. Dann war Yolanda zwei Tage lang verschwunden, dann drei Tage lang und für mich macht das alles keinen Sinn. Ich glaube nicht, dass sie sich einfach auf und davon gemacht hat. Sie hat einen Tag vor ihrem Verschwinden noch ein Flugticket nach Jordanien gekauft. Da wollte sie mit Freunden wieder hinfliegen.  Ich kann das nicht verstehen, aber ich weiß eben auch nicht genau was in ihr vorging.

Wie lange litt Yolanda schon an den Ohnmachtsanfällen?

Das hat angefangen als sie ungefähr 16 oder 17 Jahre alt war. Da ist sie manchmal einfach umgekippt. Vor ein paar Jahren wollten wir im Sommer gemeinsam etwas essen gehen und ich habe dann einen Anruf bekommen. Sie lag auf der Straße und hatte einen Unfall. Ich gehe davon aus, dass das so ein Aussetzer war. Ansonsten war sie immer sportlich aktiv und körperlich fit. Diese Ohnmachtsanfälle haben bei uns allen Fragezeichen hinterlassen, aber wenn man das bei ihr ansprechen wollte, ist sie immer irgendwie ausgewichen. Es gab schon medizinische Untersuchungen, aber es wurde nichts gefunden. Unsere Abmachung war trotzdem, dass sie das nochmal abklären lässt.

Wie ist denn Ihre Kommunikation mit der Polizei? Werden Sie über die Ermittlungsergebnisse informiert?

Wenn wir Fragen haben, können wir bei der Polizei in Leipzig anrufen und die erteilen uns dann auch eine Auskunft und geben uns Informationen. Also es ist schon eine Kommunikation da. Aber letztendlich gibt es ja auch Auskünfte, die die Polizei uns nicht geben kann, weil es dann um aktuelle Ermittlungen geht. Wir wissen nur, dass es eigentlich fast keine Spuren oder Hinweise gibt.

Es folgten ja mehrere Suchaktionen, bei denen der Erfolg ausblieb. Wie ging es für Sie  und Ihre Familie danach Zeit weiter?

Das war wirklich alles sehr schwierig. Man hat Momente, in denen sich das alles wie ein absoluter Albtraum anfühlt. Dann möchte man einfach nur heulen und macht das dann auch. Aber man kann eben auch nicht einfach abschalten und sich seiner Verantwortung entziehen. Wir machen alle irgendwie weiter. So lange wir nichts anderes wissen, gehen wir immer davon aus, dass sie irgendwo ist, aber natürlich ist da auch die Ungewissheit. Das ist das Schwierigste daran.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live | 20. September 2020 | 19:50 Uhr