Rettungsschirm für Krankenhäuser Experten: Bundesmittel werden für Kliniken nicht reichen

Nach der Ankündigung Lauterbachs, den Krankenhäusern einen Betrag in Milliardenhöhe zur Verfügung stellen zu wollen, wurde in der Sendung "Fakt ist!" über Krankenhäuser diskutiert. Die Gesundheitsexperten forderten eine grundlegende Reform des Krankenhaussystems in Deutschland. Das sei bereits geplant, sagte die Bundestagsageordnete Tina Rudolph (SPD). Es werde aber noch Monate dauern, bis ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet sei.

Patienten warten im Unfall-Krankenhaus auf ihre Behandlung.
Es braucht nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem ein anderes System, sagen Gesundheitsexperten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Mit bis zu 8 Milliarden Euro will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Krankenhäuser entlasten. Damit sollen steigende Energiekosten und Inflation abgefangen werden. Das reicht nicht, sagten Gesundheitsexperten am Montag in der Sendung "Fakt ist!". Nach Aussage des Vorsitzenden der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Schütte, könne der geplante Rettungsschirm sicherlich verhindern, dass Kliniken schließen, die Situation in den Krankenhäusern sei aber trotzdem schlecht.

Reform des Fallpauschalensystem gefordert

Der ehemalige Facharzt für Innere Medizin, Dr. Arndt Dohmen, fordert deshalb eine grundlegende Veränderung des Systems. Steigende Energiepreise und Inflation seien eigentlich nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Die Lage in den Krankenhäuser habe sich seit der Einführung der Fallpauschale Anfang der 2000er-Jahre zunehmend verschlechtert. Die Kliniken seien ökonomisiert worden und das beeinflusse auch ärztliche Entscheidungen. Diese "Kollateralschäden" würden im Klinikalltag immer drängender und existenzbedrohender.

Das Fallpauschalensystem kurz erklärt Im Fallpauschalen-System werden Behandlungen nach Aufwand bezahlt. Das bedeutet: Je höher der Aufwand ist, desto mehr Geld gibt es. Die Diagnosen werden nach sogenannten "Fallgruppen“ sortiert und pauschal vergütet. Dabei spielen neben der "Hauptdiagnose“ zum Beispiel auch Begleiterkrankungen eine Rolle. Jeder einzelne medizinische Eingriff fließt in die Vergütung ein.

Auch die anderen Gäste der Sendung sprechen sich gegen das Fallpauschalensystem aus. Der gelernte Krankenpfleger, Markus Schulze aus dem Personalrat der Universitätsklinik Magdeburg, sagte dazu: „Das Schlimme ist, dass Krankenhäuser durch das Fallpauschalensystem wie Wirtschaftsbetriebe betrieben werden, wie Autowerkstätten – rein, rauf, runter, weg. Es geht ständig um Prozessoptimierung, Prozesssteuerung. Und das Problem Fürsorge für den Patienten, kommt eigentlich viel zu kurz."

Das Schlimme ist, dass Krankenhäuser durch das Fallpauschalensystem wie Wirtschaftsbetriebe betrieben werden...

Markus Schulze, Personalrat Universitätsklinik Magdeburg

Schulze sagte, dass die Lage in den Krankenhäusern früher deutlich besser gewesen sei, als noch danach abgerechnet wurde, wie lange ein Patient ein Krankenhaus-Bett benötigte. Er kritisiert, dass es seitens der Politik bislang nur "halbherzige Versuche" gegeben habe, das Fallpauschalensystem zu reformieren.

Reformen geplant

Die Bundestagsabgeordnete Tina Rudolph (SPD) erklärt, man habe mittlerweile erkannt, dass man mit der Fallpauschale langfristig kein gutes, funktionierendes und vor allem arbeitsfreundliches Gesundheitsumfeld schaffen könne. Deshalb erarbeite die Regierungskommission Krankenhaus aktuell Alternativvorschläge. Bis diese aber so konkret seien, dass sie ins parlamentarische Verfahren kämen, werde es noch Monate dauern.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Tina Rudolph bei "Fakt ist!" am 26.09.2022
Die Bundestagsabgeordnete Tina Rudolph (SPD) erklärte bei "Fakt ist!", man arbeite bereits an einer langfristigen Lösung. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Fakt ist

Nach Aussage von Rudolph ist geplant, das gesamte System zu reformieren, so dass die Fallpauschalen und die finanzielle Belastung nicht mehr bei den Krankenhäusern liegen. Auf diese Weise sollen auch die Arbeitsbedingungen verbessert und zum Beispiel Pflegeberufe attraktiver gemacht werden.

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | 07. November 2022 | 22:10 Uhr

6 Kommentare

hilflos vor 3 Wochen

Shantuma y- und genau aus diesen Gründen werde ich sicher als rechts außen gebrandmarkt und ausgegrenzt.... Wohin Ausgrenzung und Lüge führt kennt die deutsche Geschichte

Shantuma vor 3 Wochen

Jupp wir müssen unsere Anstrengungen mindestens verdoppeln, besser verbaerbocken oder verhabecken.

Neben frieren und nicht erkranken schlage ich somit auch noch hungern vor.

hilflos vor 4 Wochen

Shantuma, der deutsche Steuerzahler muß, wie wir schon mitbekamen, für viele Probleme der Welt zahlen und aufkommen. Welche Dinge Priorität besitzen kommt laufend in den Medien. Also frieren allein reicht nicht

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