Wassermangel Hafen Magdeburg trotz Niedrigwasser gut ausgelastet

28. August 2022, 18:30 Uhr

Auf der Elbe ist derzeit nur eingeschränkt Schifffahrt möglich, auch der Rhein lässt derzeit kaum Gütertransport zu. Am Magdeburger Hafen drehen sich dennoch die Kräne, denn das Niedrigwasser beeinträchtigt die Geschäfte kaum.

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Von der Fläche her dürfte der Magdeburger Hafen zu den größten Unternehmen in Ostdeutschland zählen. Mit 700 Hektar Betriebsgelände ist er mehr als doppelt so groß wie die Raffinerie in Leuna und auch die Intel-Ansiedlung fällt mit geplanten 400 Hektar deutlich kleiner aus.

Auch wenn seit Jahrzehnten das Ende der Güterschifffahrt immer wieder verkündet wird, so könne davon keine Rede sein, sagt Heiko Maly, Geschäftsführer der Magdeburger Hafen GmbH. Trotz des aktuellen Elbpegels hätten die Schiffe genügend Wasser unterm Kiel: "Wir haben einen Riesenvorteil durch die Niedrigwasserschleuse, die 2013 in Betrieb ging.  So können wir unseren Hafen gegenüber der Elbe bei Niedrigwasser absperren und holen unsere Transporte über die Kanäle in den Hafen." 

Fracht binnen drei Tagen in Hamburg

Während in natürlichen Flüssen bei Dürreperioden die Pegel sinken, selbst wenn sie stark ausgebaut sind wie etwa der Rhein, trifft das auf Kanäle nicht zu. Das habe einen einfachen Grund, so der Magdeburger Hafenchef. Kanäle seien eine Art lang gestreckte Badewanne. Während das Flusswasser letztendlich immer in einem Meer münde, sei das bei einem Kanal nicht der Fall. Hier müsse allenfalls die Verdunstung berücksichtigt werden.

Und deshalb ist am Rhein derzeit kaum ein Schiff unterwegs, während die Fracht von Magdeburg über den Mittelland- sowie den Elbeseitenkanal innerhalb von drei Tagen Hamburg erreicht, und zwar mit Schiffen, die bis zu 2.000 Tonnen transportieren können. Die Voraussetzungen dazu wurden allerdings im letzten Jahrhundert gelegt.

 Milliarden für Verkehrsprojekt deutsche Einheit

Seit dem Jahr 2003 können Güterschiffe auf der Kanalbrücke bei Magdeburg die Elbe Richtung Osten überqueren, eine Idee, die bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde. Wegen Krieg und Geldmangel wurde das Vorhaben aber nicht vollendet. Nach der Wende griff man die Idee als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit wieder auf. Seitdem flossen rund zwei Milliarden Euro in den Ausbau des Wasserstraßenkreuzes.

Mittellandkanal beim Ortsteil Hohenwarthe der Gemeinde Möser nahe Magdeburg.
Der Mittellandkanal erlaubt, Güter unabhängig vom Wasserstand der Flüsse zu transportieren. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Wer jetzt im Rothenseer Hafengelände sowie im angrenzenden Industriegebiet unterwegs ist, der kann die Folgen dieser Entwicklung kaum übersehen – rund 5.000 Arbeitsplätze entstanden hier in den letzten zwei Jahrzehnten, Tendenz steigend. Das war laut Hafenchef Maly auch klar das Ziel. Schließlich sei man ein "wichtiger Bestandteil der Ansiedlungspolitik in der Region".

Wir sind ein wichtiger Bestandteil der Ansiedlungspolitik hier in der Region.

Heiko Maly Chef des Magdeburger Hafens

Deshalb sei der Hafen nicht nur auf die Schifffahrt eingestellt, sondern verbinde verschiedene Verkehrsträger, führe also die Wasserstraße mit Schiene und Straße zusammen. Riesige Lagerhallen im Norden Magdeburgs zeigen, dass diese Möglichkeit immer häufiger von Unternehmen genutzt wird.

In den letzten Tagen gab es Meldungen über vergleichsweise hohe Spritpreise in Bayern – nach Angaben des Bundeskartellamtes eine Folge des Niedrigwassers am Rhein, was zu einer zusätzlichen Verknappung geführt habe. Der Magdeburger Hafen ist auch in diesem Bereich gut aufgestellt, denn dort werden pro Jahr über eine Million Tonnen Ölprodukte umgeschlagen.

Für Flüssiggas fehlen Anlagen

Diese Erfahrungen könnten auch genutzt werden, um LNG, also Flüssiggas, in die Produktpalette des Hafens einzugliedern. Der Hafenchef zeigt sich bei dieser Frage allerdings zurückhaltend: "Dafür muss es die technischen Möglichkeiten geben, die derzeit noch nicht vorhanden sind." Maly bezweifelt auch, "ob LNG die einzige Lösung" für die momentanen Probleme sei.

Ob LNG die einzige Lösung für unsere energetischen Probleme ist, das mag dahingestellt sein.

Heiko Maly Chef des Magdeburger Hafens

Die Zukunft sieht Maly eher in einem Energiemix. Sollten sich allerdings Partner mit einem interessanten Angebot melden, sei er für eine Kooperation offen.

Industriehafen soll auch unabhängig vom Elbpegel werden

Eigentlich besteht der Magdeburger Hafen aus drei Teilen: dem Hansehafen, dem Kanalhafen und dem Industriehafen. Bis zum Kanalhafen mit seinem Trenndamm ist der Hafen unabhängig vom Wasserstand der Elbe nutzbar, doch der Industriehafen ist noch direkt mit der Elbe verbunden und abhängig vom Wasserstand.

Dies zu ändern, ist das Ziel einer weiteren Großinvestition. Ein sogenannter Fangedamm soll den Industriehafen von der Elbe entkoppeln, so dass der Güterumschlag in Magdeburg komplett unabhängig vom Wasserstand des Flusses möglich ist.

Dies könne die Attraktivität des Standortes für Industrieansiedlungen deutlich steigern, so Heiko Maly: „Das ist ein schönes und sehr sinnfälliges Projekt, weil damit auch das letzte Drittel des Hafens wasserstandsunabhängig ist und dort die Ansiedlung neuer Firmen möglich wird."

Rund 45 Millionen Euro waren für das Projekt geplant – allerdings dürfte es mit Blick auf die allgemein steigenden Baukosten wohl um einiges teurer werden. In drei Jahren könnte der neue Damm fertig sein, hofft der Hafenchef.

Die Zukunft – weniger LKW, mehr Schiff?

Vom Hansehafen aus lässt sich die A2 überblicken, die in unmittelbarer Nähe die Elbe quert. Mitunter werden zwei der drei Fahrspuren von Lkw genutzt. Die Strecke gehört zu den vielbefahrenen Ost-West-Verbindungen mit einem hohen Unfallrisiko. Ein "Lkw-Bashing" hält Heiko Maly allerdings für unangebracht, denn allein schon für die letzte Meile der Transportkette gäbe es zum Laster keine Alternative.

Er glaubt dennoch an eine Änderung der Verkehrsströme, zumal sich bereits jetzt ein deutlicher Mangel an Fahrern abzeichne und auch das Thema Klimaschutz das Transportgewerbe nunmehr erreicht hat.

Es wird eine Verschiebung geben, hin zu mehr Schiene und zu mehr Binnenschiff. Die Frage muss also sein, ob der Lkw in Zukunft noch so lange Strecken zurücklegt.

Heiko Maly Chef des Magdeburger Hafens

Dass Magdeburg auch eine Hafenstadt ist, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung bislang kaum eine Rolle. Das mag aber auch daran liegen, dass sich das Betriebsgelände nicht unbedingt zu einer romantischen Hafenfahrt eignet. Die Bedeutung schmälert das allerdings nicht.

MDR (Uli Wittstock, Daniel Salpius, Alisa Sonntag)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. August 2022 | 15:30 Uhr

1 Kommentar

Harka2 am 29.08.2022

Das klingt sehr gut, aber sieht die Realität aus? Auf der Elbe fährt kein Frachtschiff mehr gen Hamburg oder gar gen Süden. Dort sind nur Fähren und Ausflugsdampfer unterwegs. Einzig der Mittellandkanal und der Elbe-Seitenkanal ist gut mit Frachtern besucht und das sollte man ausbauen. Über den Mittellandkanal kann man Polen erreichen.

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