Am Prämonstratenserberg Neues Bauprojekt in der Magdeburger Altstadt geplant

Leonard Schubert
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Ein Bauvorhaben sorgt in Magdeburg für Aufsehen. Am Prämonstratenserberg sollen Gebäude mit historischen Fassaden entstehen und alte Straßenzüge wiederhergestellt werden. Über die Bebauung der Grünfläche war jahrelang ohne Einigung diskutiert worden. Doch der neue Vorschlag könnte sich durchsetzen. Donnerstag entscheidet der Stadtrat.

Animierte Sicht auf geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt. Ansicht von oben, aus Richtung "WoBau-Welle"
In der Magdeburger Altstadt, am Prämonstratenserberg, wird ein neues Bauprojekt geplant. Bildrechte: Duong Schrader Architektur/Vui Duong

"Wo geht es denn hier zur Innenstadt?" – diese Frage hört man immer wieder von Touristen, die Magdeburg bereisen und eigentlich schon mittendrin stehen. Die Magdeburger Altstadt ist als Folge der heftigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht für jeden als solche erkennbar. Doch schon bald könnte sie einen Teil ihrer historischen Fassaden und Straßenzüge zurückbekommen. Entsprechende Entwürfe für das Gelände des Prämonstratenserberges liegen im Rathaus vor.

Konkret vorgesehen ist eine Bebauung des Geländes hinter dem Alleecenter, zwischen der "Wobau-Welle" und dem Schleinufer. Die beiden Bauherren, Wobau Magdeburg und Upwind Holding, möchten dort Häuser als Wohnraum und zur gewerblichen Nutzung entstehen lassen. Das Besondere an dem Vorschlag: Statt großer Häuserblöcke sollen kleinteilige Gebäude mit historischen Zügen entstehen, die der Altstadt eine besondere Note geben könnten.

Animierte Sicht auf Straßenhöhe auf geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt. Die alte Stadtmauer soll in die Straßenzüge integriert werden. 1 min
Bildrechte: Duong Schrader Architektur/Vui Duong

MDR FERNSEHEN Di 13.07.2021 09:57Uhr 00:37 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/audiobeitrag-vorab-bauvorhaben-magdeburg-altstadt100.html

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Historische Fassaden, alte Straßenzüge und Erhalt der alten Stadtmauer geplant

Magdeburg Innenstadt Die Entwürfe beinhalten die Integration historischer Fassaden

Am Prämonstratenserberg in der Magdeburger Altstadt soll gebaut werden. Dabei sollen historische Fassaden und Straßenzüge intergiert werden.

Ein Entwurf mit Gebäuden, die auf dem Gelände des Prämonstratenserberges gebaut werden sollen. Darauf auch zu sehen: Die Fotos von alten Magdeburger Häusern, deren Fassaden rejonstruiert werden sollen.
Die Entwürfe sehen vor, dass für das Bauprojekt Fassaden alter Magdeburger Gebäude rekonstruiert und an die Häuser angebracht werden sollen. Darunter sind unter anderem das Geburtshaus Otto von Guerickes oder das Haus des heiligen Georgi. Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Ein Entwurf mit Gebäuden, die auf dem Gelände des Prämonstratenserberges gebaut werden sollen. Darauf auch zu sehen: Die Fotos von alten Magdeburger Häusern, deren Fassaden rejonstruiert werden sollen.
Die Entwürfe sehen vor, dass für das Bauprojekt Fassaden alter Magdeburger Gebäude rekonstruiert und an die Häuser angebracht werden sollen. Darunter sind unter anderem das Geburtshaus Otto von Guerickes oder das Haus des heiligen Georgi. Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Ein Lageplan der geplanten Neubauten am Prämonstratenserberg, in denen verzeichnet ist, welche Gebäude als Wohnfläche und welche als Gewerbefläche ausgewiesen werden könnten.
Das Bauland liegt zwischen der Wobauwelle und dem Schleinufer und soll sowohl für Wohnraum als auch gewerblich genutzt werden. Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Eine Luftaufnahme in schwarz-weiß, auf der man die Magdeburger Altstadt vor der Zerstörung sehen kann. Darauf eine Markierung des Geländes, das nun neu bebaut werden soll.
Für die Entwürfe wurden auch Aufnahmen der Altstadt vor ihrer Zerstörung herangezogen. Es ist geplant, Straßenzüge zu rekonstruieren. Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Überreste der alten Stadtmauer vor dem Kloster "Unser Lieben Frauen". Drumherum ein Bauzaun.
Auch Fragmente der alten Stadtmauer, die überall zu finden sind (wie hier vor dem Kloster "Unser Lieben Frauen"), sollen laut Entwürfen in die Straßenzüge integriert werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Animierte Sicht auf Straßenhöhe auf geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt. Die alte Stadtmauer soll in die Straßenzüge integriert werden.
Die Mischung aus historischen Fassaden, alter Stadtmauer und Neubauten könnte dann ungefähr so aussehen. Bildrechte: Duong Schrader Architektur/Vui Duong
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Die geplanten Bauwerke sollen an das alte Magdeburger Stadtbild angepasst werden. So sollen einige Häuser die Fassaden wichtiger Magdeburger Gebäude, wie etwa dem Geburtshaus von Otto von Guericke, bekommen und die alten Straßenzüge in dem Areal rekonstruiert werden. Auch die Reste der alten Stadtmauer sollen laut ersten Entwürfen in die neue Bebauung integriert werden.

Bauvorhaben Magdeburg Vorher/Nachher: Blick von der Wobau-Welle über das Gelände

Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges von der "Welle" aus. Man sieht über eine abfallende Parklandschaft. Im Hintergrund das Demenzzentrum, das dort steht.
Das Areal von der Wobau-Welle aus Richtung Schleinufer... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges von der "Welle" aus. Man sieht über eine abfallende Parklandschaft. Im Hintergrund das Demenzzentrum, das dort steht.
Das Areal von der Wobau-Welle aus Richtung Schleinufer... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Animierter 3-D-Plan, der geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt aus Sicht der "WoBau-Welle" zeigt.
... könnte bald so aussehen. Bildrechte: Duong Schrader Architektur/Vui Duong
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Angeschoben wurde die Idee unter anderem vom ehemaligen Magdeburger Oberbürgermeister Willi Polte. Nach dem Krieg sei die Priorität gewesen, Wohnraum zu schaffen und später den politischen Bauidealen der Sowjetunion zu entsprechen. Doch heute gäbe es tolle neue Möglichkeiten zur Stadtgestaltung, so Polte.

Willi Polte, steht mit einem weißen Anorak und einem karierten Hemd vor der Magdeburger Hubbrücke. 1 min
Der ehemalige Oberbürgermeister von Magdeburg Willi Polte bei einem Spaziergang durch die Altstadt. Bildrechte: MDR/Guido Hensch

MDR FERNSEHEN Di 13.07.2021 09:57Uhr 00:30 min

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Die Idee ist es, die Fläche einerseits nutzbar zu machen, andererseits Magdeburg einen Teil seines ursprünglichen Gesichtes wiederzugeben und so Elemente des modernen Magdeburgs mit seinen geschichtlichen Facetten zu verbinden. Die Hoffnung ist, dass die Innenstadt so lebenswert gestaltet werden kann und gleichzeitig ein Stück Magdeburger Identität ausdrückt.

Bauvorhaben Altstadt Vorher/Nachher: Die Altstadt von Magdeburg vor 1945 und nach den neuen Bauentwürfen

Eine Luftaufnahme in schwarz-weiß, auf der man die Magdeburger Altstadt vor der Zerstörung sehen kann.
Die Magdeburger Altstadt vor der Zerstörung 1945... Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Eine Luftaufnahme in schwarz-weiß, auf der man die Magdeburger Altstadt vor der Zerstörung sehen kann.
Die Magdeburger Altstadt vor der Zerstörung 1945... Bildrechte: Schrader + Duong Architektur, Vui Duong
Animierte Sicht auf geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt. Ansicht von oben, aus Richtung Elbe.
... und laut Entwürfen des Architekten Vui Duong. Bildrechte: Duong Schrader Architektur/Vui Duong
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Entscheidung im Stadtrat steht an

Am Donnerstag wird der Stadtrat entscheiden, wie es mit den Entwürfen weitergehen soll. Die Entscheidung ist ein sogenannter "Fortführungsbeschluss", in dem entschieden wird, ob die Bauherren aus den ersten Entwürfen einen konkreten Bebauungsplan entwickeln sollen. Dieser würde dann unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und anderen Interessenten diskutiert und entwickelt und später noch einmal dem Stadtrat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt.

Was halten Sie von dem geplanten Bauprojekt am Prämonstratenserberg – würden sie im Stadtrat dafür stimmen?

Die Abstimmung ist beendet.

Die Chancen, dass der Fortführungsbeschluss zugunsten der Entwürfe entschieden wird, stehen gut. Sie haben schon positive Bewertungen vom Umwelt- und Bauausschuss erhalten und auch die Stadtratsfraktionen äußerten sich im Vorfeld vermehrt positiv.

Stimmen der Fraktionen

CDU, SPD und AfD äußerten sich im Vorfeld zustimmend zu den Entwürfen. Sie begrüßten das Entstehen eines "lebendigen Wohnkomplexes", die "Wiederherstellung alter Gebäude" und äußerten, dass die vorgeschlagene Bebauung gut zur Innenstadt und zu Dom und Johanniskirche passe. Die SPD unterstrich, dass eine "möglichst grüne" Ausführung der Pläne wünschenswert sei.

Bauvorhaben Altstadt Vorher/Nachher: Blick vor der Wobau-Welle schräg Richtung Johanniskirche

Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges von der "Welle" aus. Blickrichtung leicht nach links. Man sieht eine Parklandschaft, im Hintergrund den Turm der Johanniskirche.
Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges von der "Welle" aus. Blickrichtung leicht nach links. Man sieht eine Parklandschaft, im Hintergrund den Turm der Johanniskirche.
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Animierter 3-D-Plan, der geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt. Gut zu sehen: Die historischen Fassaden einiger Häuser, die nach Vorbild wichtiger, zerstörter Magdeburger Häuser gestaltet werden sollen.
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Mirko Stage (Future, die Grünen) der als Ausschussvorsitzender für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr tätig ist, sieht in dem Bauprojekt eine "Chance, die Brüche und Risse in der Gestaltung der Magdeburger Innenstadt, die sich durch Krieg und Zerstörung einerseits und durch Wiederaufbau andererseits ergeben haben, zusammenzuführen."

Bauvorhaben Altstadt Magdeburg Vorher/Nachher: Blick von Tiefgarage aus; Wobauwelle rechts, Schleinufer links.

Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges vom Rand der Tiefgarage des Alleecenters aus. Man sieht Wiese, Bäume und hinten rechts die "Welle".
Aktuell ist das Gelände am Prämonstratenserberg größtenteils Grünfläche. Rechts sieht man die "Wobau-Welle", geradeaus die Parkanlage. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges vom Rand der Tiefgarage des Alleecenters aus. Man sieht Wiese, Bäume und hinten rechts die "Welle".
Aktuell ist das Gelände am Prämonstratenserberg größtenteils Grünfläche. Rechts sieht man die "Wobau-Welle", geradeaus die Parkanlage. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Animierter 3-D-Plan, der geplante Gebäude auf dem Gelände des Prämonstratenserbergs in der Magdeburger Altstadt aus Blickwinkel des Parkhauses am Alleecenter zeigt.
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Blick auf das Gelände des Prämonstratenserberges vom Rand der Tiefgarage des Alleecenters aus. Man sieht Wiese, Bäume und hinten rechts die "Welle".
Aktuell ist das Gelände am Prämonstratenserberg größtenteils Grünfläche. Rechts sieht man die "Wobau-Welle", geradeaus die Parkanlage. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Kritik kam vor allem von den Fraktionen "Grüne/Future" und "Die Linke". Während die Grünen sich wünschen, dass das Bauprojekt noch stärker begrünt und noch etwas innenstadtdienlicher werden soll, sprachen Anke Jäger und René Hempel aus der Fraktion Die Linke sogar davon, dass sie die Entstehung eines "barocken Disneylands" ablehnten. Sie kritisierten, dass die Pläne zu wenig niedrigpreisigen Wohnraum enthielten. Teile der Fraktion sind dafür, die Fläche als Grünfläche zu belassen.

Positive Signale aus der Bevölkerung

Peter Lackner, Geschäftsführer der Wobau, berichtet, dass bereits Interesse von Gewerbetreibenden und Bürgerinnen und Bürgern für das Projekt bekundet worden sei. Bei früheren Plänen, die eine Bebauung mit höheren Häusern und Wohnblöcken vorgesehen hatten, sei eine starke Ablehnung von vielen Seiten spürbar gewesen, an der diese letztlich auch scheiterten. Jetzt blickt er hoffnungsvoll auf die Entscheidung im Stadtrat und hofft auf schnelle Verfahren, sodass eventuell schon in vier Jahren mit dem Bau begonnen werden könne.

Leonard Schubert
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Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

MDR/Leonard Schubert

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Juli 2021 | 15:00 Uhr

12 Kommentare

A.d.R. is Back vor 9 Wochen

Hinterhausflair mit hoffentlich Plumpsklo und Wasserpumpe auf dem Hof das wäre originel. Mal sehn wie viel dann für Wohnungen Interesse zeigen, so eine Substanz wurde damals abgerissen um Platz zu schaffen für modernen Wohnungsbau. Es wird auch sicherlich nicht mehr Stein auf Stein gebaut, zu teuer, nein Beton geht schnell und man kann bald Miete oder andere Gelder einstreichen. Der noch! OB soll Mal einigen Leuten den Phantasie Staub aus den Hirnen pusten, aber was kommt nach ihm??

Kritiker vor 9 Wochen

+...Peter Lackner, Geschäftsführer der Wobau, berichtet, dass bereits Interesse von Gewerbetreibenden und Bürgerinnen und Bürgern für das Projekt bekundet worden sei....+
Und wie hoch sind dann die Wohnraumkosten für Mieter (sprich Mieten)?
Wenn auch hier ggf. viel Zustimmung aus der Bevölkerung kam, spätestens bei den Wohnraumkosten, falls diese mal geschätzt werden (aber nicht nach unten gerundet), wird sich entsprechendes Interessen schnell in Grenzen halten!

Kritiker vor 9 Wochen

In Magdeburg gibt es doch weis Gott schon genügend Baustellen (!) Soll man doch diese erst einmal abschließen als das noch weitere neue Baustellen dazu kommen müssen/sollen/können!!!!

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