
Tipps für Architektur-Fans Von Bauhaus bis Mittelalter: 15 architektonische Highlights in Sachsen-Anhalt
Hauptinhalt
22. Januar 2025, 10:25 Uhr
Sachsen-Anhalt bietet eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Architektur – vom Mittelalter bis zur Moderne. Besonders hervorstechende Bauwerke, wie die Grüne Zitadelle in Magdeburg, die Bauhaus-Siedlung in Dessau-Törten oder das Besucherzentrum 'Arche Nebra', sind ganzjährig einen Besuch wert. In dieser Übersicht präsentieren wir Ihnen 15 architektonische Highlights von Halle bis Tangermünde, inklusive praktischer Infos zu Öffnungszeiten und Adressen.
Inhalt des Artikels:
- Planetarium Halle: Blick in die Sterne
- Arche Nebra in Walternienburg: Auf Noahs Spuren
- Grüne Zitadelle Magdeburg: Der letzte Hundertwasser
- Experimentelle Fabril Magdeburg: Nachhaltige Architektur
- Bauhaus-Siedlung Dessau-Törten: Wohnungen mit Geschichte
- Umweltbundesamt Dessau: Für Mensch und Umwelt
- Die Piesteritzer Werkssiedlung bei Wittenberg
- Schöner lernen in der Hundertwasserschule Wittenberg
- Josephskreuz bei Stolberg: Der kleine Bruder des Eiffelturms
- Rathaus Tangermünde: Zeichen des Wohlstands
- Naumburger Dom: Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft
- Bitterfelder Bogen: Zwischen Kunst und Bau
- Dom zu Halberstadt: Prächtige Gotik
- Arche Nebra: Architektonische Innovation
- Ringheiligtum Pömmelte: erster zeitgemäßer Lehmbau Mitteldeutschlands
Planetarium Halle: Blick in die Sterne
Das neue Planetarium ersetzt das beim Hochwasser 2013 massiv geschädigte alte Planetarium von Halle. Dafür wurde das alte Gasometer am Holzplatz in Halle umgebaut. Der runde Bau mit seiner markanten, denkmalgeschützten Ziegelfassade wurde umfassend saniert. Er beherbergt nun modernste Projektionstechnik, die einlädt zu Reisen in das Universum, Wissensvermittlung zu Dunkler Materie, immersiven Musikkonzerten oder Kinderfilmen.
Außerdem können Besucherinnen und Besucher von den Dachterrassen aus mit dem Teleskop auch live in den realen Sternenhimmel schauen. Mit seiner technischen Ausstattung gilt das Planetarium Halle als das modernste seiner Art in Europa.
Arche Nebra in Walternienburg: Auf Noahs Spuren
Walternienburg ist ein Ortsteil der Stadt Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. In seiner Mitte befand sich bis zu ihrem Abriss im Jahr 1976 die romanische Kirche St. Bartholomaei. Ab 2014 wurde der Neubau eines kirchlichen Gemeindehauses angestrebt und mit der Arche Walternienburg im Zeitraum zwischen 2018 und 2020 verwirklicht.
Die Architektur des Gebäudes spielt mit biblischen Bezügen: Um auf die Verbindung Wasser – Kirche aufmerksam zu machen, wurde etwa die historische Bauform einer Arche als Holzständerbau gewählt, aber in moderner Formensprache. Das große, nach Südwesten ausgerichtete Fenster erinnert an einen Schiffsbug. Ein architektonischer Hingucker und ein Ort der Begegnung – auch für Nichtchristen.
Grüne Zitadelle Magdeburg: Der letzte Hundertwasser
Unübersehbar steht die Grüne Zitadelle in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Das Gebäude wurde von Friedensreich Hundertwasser entworfen. Es war das letzte Projekt des Künstlers, an dem er noch bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 gearbeitet hat. Da alle Planungen vorlagen, konnte das Architekturprojekt postum fertiggestellt werden.
Die Grüne Zitadelle ist geprägt vom typischen Hundertwasser-Stil: Gerade Linien und Ecken sucht man vergebens, stattdessen hat sie "tanzende" Fenster, leuchtend goldene Kugeln auf den Türmen, Blumenwiesen auf den Dächern und wellenförmige Böden. Alles wirkt wie im Fluss.
Experimentelle Fabril Magdeburg: Nachhaltige Architektur
Wie in bunte Schleifen eingewickelt sieht sie aus, die experimentelle Fabrik in Magdeburg. Die knalligen Farben in orange, pink und silbergrau sind aus gestreiftem Aluminiumblech, welches die drei darunter liegenden, unterschiedlich großen Glasflächen miteinander verbindet. Ein weiterer bunter Hingucker im Gebäude ist das zweigeschossige Foyer mit seiner offenen Treppenanlage. Es lohnt sich also der Blick von außen und innen.
1996 wurde am Standort die "Zentrum für Produkt-, Verfahrens- und Prozeßinnovation GmbH", kurz ZPVP, gegründet. Sie entstand aus dem Wunsch der Stadt Magdeburg und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg heraus, auf dem Gelände der Universität ein Forschungs- und Transferzentrum zu errichten. Seit 2001 betreibt die ZPVP in der "Experimentellen Fabrik Magdeburg" anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung. Das Haus bietet Labor,- Versuchs- und Büroflächen, Coworking-Spaces und Tagungsräumen in einem modernen Umfeld.
Bauhaus-Siedlung Dessau-Törten: Wohnungen mit Geschichte
Während der Weimarer Republik gab es enormen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Hieraus entstand im Auftrag der Stadt Dessau die Siedlung Törten – eine Versuchssiedlung von Walter Gropius, die beispielhaft für kostensparendes und funktionelles Bauen war. Zwischen 1926 und 1928 realisierte der Bauhaus-Direktor mit seinem Architekturbüro 314 Reihenhäuser. Es gibt drei unterschiedliche Gebäudetypen mit Wohnflächen zwischen 57 und 75 Quadratmetern. Jedes Haus verfügt über einen kleinen Garten zur Selbstversorgung.
Die zweigeschossigen, hellen Kuben fasste Gropius zu Doppelhäusern und zu Gruppen von vier bis zwölf Einheiten zusammen. Bei der äußeren Gestaltung setzte er auf Sichtbeton und weiß verputzte Fassaden mit schwarzen Metallfensterrahmen. Das einheitliche Erscheinungsbild ist nach Umbauten und Renovierungen heute nicht mehr gegeben. Einige Häuser wurden aber originalgetreu wiederhergestellt. Zudem ist das Haus Anton als einziges in der Siedlung weitgehend im Originalzustand erhalten und kann besichtigt werden.
Umweltbundesamt Dessau: Für Mensch und Umwelt
Das Umweltbundesamt in Dessau ist direkt am historischen Wörlitzer Bahnhof angesiedelt. Dieser ist quasi Bestandteil des Dienstgebäudes. Das Haus ist als lange, viergeschossige, fließende "Büroschlange" konzipiert, die sich zu einer lang gestreckten Schlaufe ausformt. Im Hof befindet sich ein frei stehender Hörsaal, in einem integrierten alten Fabrikgebäude ist eine Bibliothek eingerichtet.
Der Eingang des Umweltbundesamtes bildet den Übergang zwischen geschlossenem Baukörper und Stadt und ist daher für die Öffentlichkeit zugänglich. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekturbüro Sauerbruch & Hutton aus Berlin, 2005 wurde es fertiggestellt.
Die Piesteritzer Werkssiedlung bei Wittenberg
Anfang des 20. Jahrhunderts hinterließ das Neue Bauen steinerne Spuren in Piesteritz bei Wittenberg. Die Piesteritzer Werkssiedlung diente den mehr als tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ehemaligen Reichsstickstoffwerkes einst als Zuhause.
Der Stadtplaner Georg Haberland und der Architekt Otto Rudolf Salvisberg hatten sie von 1916 bis 1919 mit dem Ziel gebaut, eine schöne einheitliche Arbeitersiedlung mit gleichbleibender baulicher Qualität zu realisieren. Entstanden sind kräftige, moderne Innenräume mit Liebe zum Detail. Mit der Siedlung haben Haberland und Salvisberg ein zu Stein gewordenes Lehrbuch des Städtebaus und seiner Neuen Sachlichkeit geschaffen. Im Jahr der Expo 2000 wurde Priesteritz originalgetreu saniert und so zur ersten autofreien Siedlung in Deutschland.
Schöner lernen in der Hundertwasserschule Wittenberg
Das Haus Hundertwasser des Luther-Melanchthon-Gymnasiums in Wittenberg besticht mit vielen bunten Farben und einem begrünten Dach. In den 90er-Jahren wurde es nach Plänen des Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser umgebaut.
Im Original bot der 1975 errichtete Plattenbau einen eher tristen Anblick. Nach der Wende schließlich überlegten die Schülerinnen und Schüler im Kunstunterricht, wie sie dem Abhilfe schaffen könnten. Viele ihrer Entwürfe nahmen Bezug auf den Hundertwasser-Stil. Letztendlich wurde ein Brief an den Künstler verfasst, der sich der Sache annahm. Seit Mai 1999 steht das Hundertwasserhaus in der Lutherstadt.
Josephskreuz bei Stolberg: Der kleine Bruder des Eiffelturms
Im Südharz, an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt, ist der kleine Bruder des Pariser Eiffelturms zu bewundern: das Josephskreuz auf dem 580 Meter hohen Auerberg bei Stolberg. Es ist mit 38 Metern Höhe das größte eiserne Doppelkreuz der Welt. Namensgeber war sein Auftraggeber Graf Joseph von Stolberg.
Das Josephskreuz wurde 1896 durch die Braunschweiger Dampfkessel- und Gasometerfabrik nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms gebaut. Die Konstruktion wird von 100.000 Nieten zusammengehalten. Über 200 Stufen kann man die Spitze erklimmen. Von hier aus hat man einen einzigartigen Blick zum Brocken, zum Inselsberg und zum Kyffhäuser. Bei gutem Wetter sind selbst die Turmspitzen des Magdeburger Domes zu sehen.
Rathaus Tangermünde: Zeichen des Wohlstands
Das Tangermünder Rathaus im Kreis Stendal zählt zu den bekanntesten Profanbauten norddeutscher Backsteingotik. Der Ostflügel mit seiner 24 Meter hohen spätgotischen Schauwand und einem prächtigen Festsaal wurde um 1430 errichtet. In den 50 Jahren danach wurde der quergerichtete Baukörper mit der Gerichtslaube und darüber befindlicher Ratsstube angebaut, die heute als Trauzimmer dient. Das Gebäude verdeutlicht den einstigen Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Im Erdgeschoss und in den Kellerräumen befindet sich heute das Stadtgeschichtliche Museum.
Naumburger Dom: Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft
Der Dom St. Peter und Paul in Naumburg ist ein einzigartiges Zeugnis der Architektur und Kunst im europäischen Hochmittelalter. Auch für das Unesco-Welterbe-Komitee stellt der Dom ein "Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft" dar. Als solches wurde er am 1. Juli 2018 in die Liste des Welterbes aufgenommen.
Stilistisch ist der Dom eine Mischung aus spätromanischen und gotischen Elementen. Begonnen wurde der Bau des Gotteshauses um 1210 als Bündelpfeiler-Basilika im romanischen Stil. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der gotische Westchor errichtet. Er übt die größte Anziehungskraft des Doms aus: Dort befinden sich die zwölf Stifterfiguren – geschaffen von der Hand des Naumburger Meisters. Vor allem die Stifterfigur Uta als Sinnbild für die "schönste Frau des Mittelalters" zieht Besucherinnen und Besucher in ihren Bann.
Wer nach dem Naumburger Dom noch ein weiteres Meisterwerk besuchen möchte, kann gleich noch ins 34 Kilometer entfernte Merseburg fahren und dort den Dom und seinen Domschatz mit den Merseburger Zaubersprüchen besichtigen.
Bitterfelder Bogen: Zwischen Kunst und Bau
Auf dem Bitterfelder Berg erhebt sich seit 2006 der Bitterfelder Bogen – eine schwungvolle stählerne Konstruktion, die aus der Ferne an eine Brücke erinnert. Verantwortlich für die 28 Meter hohe und 81 Meter lange begehbare Konstruktion ist der Frankfurter Künstler Claus Bury. Es ist seine bisher größte architektonische Skulptur. Die Form entlehnte er der Bewegung einer Baggerschaufel. Symbolisch soll das Kunstwerk die Brücke von den Altindustrieanlagen zum modernen Chemie-Park, vom Braunkohletagebau zur gestalteten Landschaft schlagen.
Dom zu Halberstadt: Prächtige Gotik
Der Halberstädter Dom St. Stephanus und St. Sixtus wurde zwischen 1236 und 1486 nach dem Vorbild französischer Kathedralen und in reinster Gotik errichtet. Durch Planänderung während der Bauzeit erhielt er seine steilen Proportionen. In seinen Fenstern leuchten 290 mittelalterliche Glasmalereien. Als Meisterwerk mittelalterlicher Bildschnitzer gilt die um 1210 entstandene riesige Triumphkreuzgruppe. Jede Menge mittelalterlicher Kunstwerke sind im Dom und auch im Domschatz zu finden – einer der kostbarsten Kirchenschätze der Welt. Der Halberstädter Dom mit seiner beeindruckenden Architektur zählt zu den bedeutendsten Bauwerken an der Straße der Romanik.
Arche Nebra: Architektonische Innovation
Am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra befindet sich das Besucherzentrum Arche Nebra. Seit 2007 ermöglicht es, die faszinierende Welt der berühmten Bronzescheibe zu erkunden. Dabei ist allein das Bauwerk einen Besuch wert. Die architektonische Innovation greift das Motiv der goldenen Sonnenbarke der Himmelsscheibe von Nebra auf: Glänzend scheint sie über dem Unstruttal am Fuß des Mittelbergers zu schweben.
Das große Panoramafenster des Besucherzentrums Arche Nebra ist übrigens exakt auf den Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe ausgerichtet. Diesen sollten Sie bei Ihrem Ausflug auch noch besuchen.
Ringheiligtum Pömmelte: erster zeitgemäßer Lehmbau Mitteldeutschlands
Das neue Besucherzentrum des Ringheiligtums Pömmelte hat eine besondere Eigenart: Für das Haus sind in Handarbeit 130 Tonnen Lehm verbaut worden. So wie vor vier- bis fünftausend Jahren auch schon. Das Gebäude, welches auf dem Grundriss eines vorgeschichtlichen Langhauses steht, soll eine Bauwende einläuten - indem durch die Gewinnung des Rohstoffs vor Ort energieintensive Herstellungsprozesse und Transportwege wegfallen.
Das Ringheiligtum gilt auch als das "deutsche Stonehenge". Es wurde 1991 durch Luftbildaufnahmen entdeckt. Von 2005 bis 2008 führten die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Ausgrabungen durch.
Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 04. Dezember 2024 | 19:31 Uhr