Baustart für zwei Abschnitte Bis 2025 freie Fahrt auf der Autobahn 14 bis nach Stendal

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Der Bau der A14 in der Altmark macht einen wesentlichen Schritt nach vorn. Zwei weitere Bauabschnitte sollen von Donnerstag an gebaut werden, die von Lüderitz bis nach Osterburg reichen. Für eine Baumpflanzung zum Start des Projektes wird Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in die Altmark kommen. In vier Jahren soll die Autobahn dann direkt von Magdeburg bis nach Stendal führen.

Ein Baustellenschild
Am Donnerstag soll in Rochau die offizielle Baustellenfreigabe für zwei A14-Teilstücke erfolgen. Bisher ist dort außer ein bisschen Schlacke auf einem Feld noch nicht viel zu erkennen.  Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Für Andreas Scheuer (CSU) ist es fast schon zur Tradition geworden, zu den besonderen Anlässen beim Bau der Autobahn 14 persönlich zu erscheinen. Beim ersten Spatenstich in Lüderitz im Landkreis Stendal vor drei Jahren war der Minister aus Bayern genauso dabei wie vor einem Jahr, als bei Wittenberge erneut Sand mit Spaten durch die Gegend geschleudert und damit der Bau des Abschnittes zwischen Seehausen und Wittenberge, also bis nach Brandenburg, eingeläutet wurde – inklusive neuer Brücke über die Elbe.  

In vier Jahren: Freie Fahrt auf A14 vom Süden bis nach Stendal

Am Donnerstag gehen zwei weitere Abschnitte in den Bau. Wenn der Bau losgeht und alles nach Plan läuft, könnte es dann in vier Jahren vom Süden her bis nach Stendal freie Fahrt auf der A14 geben. Zu dem Zeitpunkt soll der Abschnitt zwischen Lüderitz und dem Anschluss an die B188 bei Stendal erfolgt sein. Und: Das vorgelagerte 15 Kilometer lange Teilstück zwischen Tangerhütte und Lüderitz, an dem derzeit mit Hochdruck gebaut wird, soll laut Plan schon ein Jahr zuvor, also 2023, fertig sein, wie Tino Möhring, Sprecher der Autobahn GmbH, sagt.

Von Donnerstag an werden sich damit vier Teilabschnitte gleichzeitig im Bau befinden. Das Mammutprojekt "Nordverlängerung A14" ist dann in der Altmark an mehreren Stellen gleichzeitig im Gange.

Zwei A14-Abschnitte werden durch Klagen gebremst

Doch noch immer fehlen zwei Bauabschnitte, die am Ende für eine durchgehende Fahrt von Magdeburg bis nach Schwerin notwendig sind. Die Planungen sind fast beendet, alles könnte starten.

Das betrifft die Abschnitte Dahlenwarsleben bis Wolmirstedt (Landkreis Börde) sowie Osterburg bis Seehausen (Landkreis Stendal). Doch ist kaum zu kalkulieren, wann diese auch tatsächlich gebaut werden können. Für beide Abschnitte liegen Klagen vor. Diese sind mittlerweile beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig, wie Sprecherin Ina Oertel MDR SACHSEN-ANHALT mitteilt.

Der südliche Abschnitt bei Wolmirstedt wird von einem Landwirt beklagt. Hier könnte es laut Oertel bereits eine Entscheidung am Ende des Jahres geben. Zum nördlichen Abschnitt bei Seehausen ist derzeit kein Termin des Gerichtes in Aussicht. Hintergrund: Hier wurde das Planfeststellungsverfahren im März im allerletzten Moment noch juristisch angegriffen. Der Landesverband Naturfreunde hatte eine Klage eingereicht.

Es werde mit dem Bau gegen das Klimaschutzgesetz sowie das europäische Artenschutzgesetz verstoßen, sagt der Verbandsvorsitzende Oliver Wendenkampf auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Die A14-Nordverlängerung

  • Die A14-Nordverlängerung hat in Sachsen-Anhalt eine Länge von 97 Kilometern, darunter führen rund 70 Kilometer allein durch den Landkreis Stendal.
  • Insgesamt ist der A14-Lückenschluss zwischen den Autobahnkreuzen Magdeburg und Schwerin 155 Kilometer lang.
  • Die Gesamtkosten werden auf 1,7 Milliarden Euro veranschlagt.

Im Losser Forst protestieren Baumbesetzer gegen den Weiterbau

Außerdem besetzten parallel zur Klageeinreichung zahlreiche junge Leute den Losser Forst bei Seehausen – und machten damit Schlagzeilen. Sie protestieren als Baumbesetzer auf der künftigen A14-Trasse für Klimaschutz. Der Landkreis Stendal hat bisher vergeblich versucht, die Baumbesetzer aus dem Wald zu holen.

Landkreis Stendal will Protest beenden

Sowohl das Verwaltungsgericht Magdeburg als auch das Oberverwaltungsgericht hatten entsprechende Allgemeinverfügungen des Landkreises kassiert. Trotz widerrechtlicher Waldbesetzung räumten die Richter den Protestierern ein, ihre Meinung in dieser Form kundtun zu dürfen. Der Landkreis Stendal arbeitet weiter daran, rechtliche Mittel zu finden, um den Protest zu unterbinden, wie eine Sprecherin der Behörde MDR SACHSEN-ANHALT auf Anfrage mitteilt.        

Untersuchungen wegen "relativ weichem Baugrund"

Laut Möhring warten noch einige Herausforderungen beim Bau der Teilstücke westlich von Stendal. Es gebe "relativ weichen Baugrund", daher seien die Erkundungen in dieser Hinsicht intensiviert worden. Dies sei jedoch, so Möhring, ein normaler Vorgang, der keine Auswirkungen auf den Zeitplan habe und ausschließlich der Risikominimierung diene.

Andernorts sind gerade die Archäologen am Werk

Für den südlichen Abschnitt zwischen Lüderitz und Stendal laufen darüber hinaus bereits die archäologischen Untersuchungen, die jedem Bauabschnitt vorgelagert sind. Im Abschnitt bis Osterburg wird zunächst noch ein Flurbereinigungsverfahren beendet, ehe im Herbst dort auch die Archäologen anrücken. Die Bauarbeiten bis nach Osterburg sind bis 2027 geplant.

Diese Brückenbauten sind Teil der A14-Planung für die Nordverlängerung:

Baukosten für die neuen Abschnitte um 50 Millionen Euro gestiegen

Bei den Baukosten sind die Planer mittlerweile sehr vorsichtig geworden. Für die beiden Abschnitte, deren offizieller Start am Donnerstag ansteht, sind insgesamt 334 Millionen Euro geplant. Vor vier Jahren lag diese Summe noch bei 50 Millionen Euro weniger.

Und auch die jetzt genannte Summe wird wohl nicht das letzte Wort sein. Laut Pressesprecher Tino Möhring handelt es sich "um eine Momentaufnahme". Bisher gebe es nur bis 2025 belastbare Zahlen. Die Folgejahre seien noch nicht kalkuliert und würden regelmäßigen Anpassungen unterliegen.

Im Übrigen wird die Autobahn, die durch den Landkreis Stendal führt, sage und schreibe 70 Kilometer lang sein. Wenn sie einmal fertig ist ...

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

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MDR/Bernd-Volker Brahms, Mandy Ganske-Zapf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. September 2021 | 19:00 Uhr

25 Kommentare

esSKaa vor 11 Wochen

Auf der Homepage der Bundesanstalt für Straßenwesen kann man sich die Werte der Kfz-Frequenzen der Bundesstraßen und -autobahnen anschauen. Eine durchschnittliche BAB in Westdeutschland hat so zwischen 40.000 und 50.000 KFZ pro Tag. Die A38, die immerhin Leipzig mit Kassel/Göttingen und im weiteren Sinne das wirtschaftlich starke Südpolen mit Rotterdam/Antwerpen verbindet kommt so auf um die 25.000 (bei Halle/ Leipzig natürlich mehr). Was verbindet doch gleich die Nord-A14? Wenn da im Endstadium durchschnittlich 20.000 Kfz pro Tag fahren, ist das viel. Ich rechne eher mit unter 15k. Das Projekt ist ebenso Steuerverschwendung wie die A73 in Franken. Die A14 Nord ist m.E. nur da, weil politisch gegen jede wirtschaftliche Vernunft durchgeboxt. Ein Ausbau bestehender Straßen hätte wohl genügt (siehe Bevölkerungsanteile Gegenden in Niedersachsen). Na hoffentlich führt die nächste Regierung kein allg. Tempolimit ein. Dann kann man da wenigstens ordentlich heizen. Nieder mit dem Tempolimit!

Harka2 vor 11 Wochen

Ja, in Kenia oder Tansania bauen die Chinesen jeden Tag einen Kilometer Straße. Genehmigungen braucht es keine und auf die Umwelt wird keine Rücksicht genommen. Das würde ich jetzt auch nicht gerade als erstrebenswert ansehen.

Harka2 vor 11 Wochen

@Stefan Der
Nun, mein Schwager gewinnt durch diese Autobahn eine Stunde Leben pro Tag zurück. Der Freistaat hat seine Behörde in Suhl konzentriert und er lebt auf der anderen Seite des Rennsteigs. Entlang der Autobahn gibt es jede Menge gut laufender Industriegebiete, abseits gibt es nur Wald und keine Jobs. Entlang der ehemaligen B4 ist jedes Haus gerissen vom Keller bis zum Giebel, der massenhafte Schwerlastverkehr verstopfte die Straße und schädigte die Häuser. Heute kann man wieder locker die Straße überqueren. Ich frage mich, welche Statistiken sie heran ziehen. Würde sie diese bitte benennen?

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