Umfrage Kosten für Gas enorm gestiegen: Ostdeutsche dringen auf bezahlbare Energie

Die Sorgen um die Kosten für die Energieversorgung sind derzeit in ganz Deutschland das Top-Thema. Das bestätigt eine Umfrage des regionalen ostdeutschen Energieversorgers enviaM, obwohl diese im Juli 2022 erfolgte, noch vor der Veröffentlichung der sogenannten Gasumlage.

Heizungsthermostat, Symbolfoto steigende Heizkosten
Die Energiepreise steigen: Die meisten Ostdeutschen sehen dringenden Handlungsbedarf der Bundesregierung zur Entlastung der Bevölkerung bei der Energiepolitik, wie die Umfrage ergab. Bildrechte: IMAGO/Christian Ohde

"Sorgen um die Bezahlung der Energiekosten gibt es seit dem Ukraine-Krieg. Und sie haben sich in den letzten Tagen noch deutlich weiter verschärft“, sagte der enviaM-Vorstandsvorsitzende Stephan Lowis. "Die Beschaffungspreise bei Gas und Strom sind an der Börse im Vergleich zum Vorjahr auf mehr als 1.500 bzw. 1.000 Prozent gestiegen." So kostete nach Angaben des Energieversorgers beispielsweise eine Megawattstunde Gas im Januar 2021 rund zehn Euro. Derzeit liegt sie bei 251 Euro.

Ein Mann mit Brille und im schwarzen Polohemd blickt lachend in die Kamera.
Bildrechte: enviaM-Gruppe

Es gibt im Moment keine Hoffnung darauf, dass sich die Hochpreissituation positiv ändern könnte.

Stephan Lowis Vorstandsvorsitzender enviaM

Tendenz geht weiter nach oben

Lowis machte drauf aufmerksam, dass die Tendenz auch für 2023 weiter nach oben zeige. "Es gibt im Moment keine Hoffnung darauf, dass sich die Hochpreissituation positiv ändern könnte." Er verlangte von der Politik deshalb konkrete finanzielle Entlastungen. Das betreffe sowohl die Wirtschaft als auch Privathaushalte. "Im Moment wird vor allem über die Gasumlagen gesprochen. Aber die weit größeren Preissprünge drohen Kunden im kommenden Jahr bei Strom und bei Gas. Dann werden die Marktkosten auch an jene weiter gegeben, die jetzt noch Festpreisverträge haben."

Vor Zahlungsunfähigkeit an Versorger wenden

Über die Höhe der drohenden weiteren Preissprünge wollte sich der Finanzvorstand Andreas Auerbach nicht äußern. "Kunden, die dann Sorge haben, nicht mehr zahlen zu könne, sollten sich so schnell wie möglich an den Energieversorger wenden." EnviaM habe derzeit die Gasumlagen noch nicht preismäßig weitergegeben, der Termin stehe noch nicht fest. Noch werde von der Gas-Tochter Mitnetz gerechnet.
Als mögliche Entlastungsmaßnahmen nannte Auerbach die angekündigte Mehrwertsteuersenkung für Gas auch auf Strom und Fernwärme auszudehnen. Zugleich könnte die Bundesregierung auch Stromsteuer bzw. andere Umlagen senken.

Ein Mann in weißem Hemnd und blauem Anzug steht an einem Geländer und blickt in die Kamera.
Wie hoch die Preise für enviaM-Kunden steigen werden, wollte Finanzvorstand Andreas Auerbach noch nicht sagen. Bildrechte: enviaM-Gruppe

Umfrage: Politik muss schnell handeln

Ähnliche Forderungen an die Politik hatte auch schon eine enviaM-Umfrage ergeben. So sehen die meisten Ostdeutschen dringenden Handlungsbedarf der Bundesregierung zur Entlastung der Menschen. "Wir befinden uns aktuell in einer fossilen Energiekrise noch nie erlebten Ausmaßes", meinte Lowis. "Neben den aktuellen Herausforderungen der Versorgungssicherheit dürfen wir aber auch Energiewende und Klimaschutz nicht aus den Augen verlieren. Das schaffen wir nur mit einem noch schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien, Innovationen und Wasserstoff. So entstehen auch neue Arbeitsplätze."

Grafik, die zeigt, dass die Energieversorgung den Befragten am wichtigsten ist.
Bildrechte: MDR

Gleichzeitig appellierte er, Planungs- und Genehmigungsverfahren schnellstmöglich massiv zu beschleunigen und zu digitalisieren, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben.

Investieren in erneuerbare Energien nur, wenn Geld da ist

  • So wären die Befragten in Ostdeutschland zu einem großen Teil bereit, in die Energiewende zu investieren, wenn Geld vorhanden sei.
  • 49 Prozent der Bevölkerung in Ostdeutschland gaben an, dass zum Beispiel die Solarpflicht für Neubauten und Bestandssanierungen eine wichtige Maßnahme sei.
  • Danach folgen der schnellere Ausbau erneuerbarer Energien und der Wiedereinstieg in die Kernenergie.
  • Die 16- bis 26-Jährigen in Ostdeutschland sehen den massiven Ausbau von ÖPNV, die Speicherung von erneuerbaren Energien und das Verbot von klimaschädlichen Produkten als wichtige Klimaschutz-Themen für die Bundesregierung.

Grafik, die zeigt, dass die Bezahlbarkeit für die Menschen in Ostdeutschland eine große Rolle spielt.
Bildrechte: MDR

Stromfresser finden

Dabei wären die meisten Befragten in Ostdeutschland (71 Prozent) auch selbst bereit, Energie zu sparen. Als Hauptgrund wurden Geld-Engpässe genannt. Aber auch finanzielle Anreize würden Befragte zum Energiesparen bewegen. Die häufigsten genannten Maßnahmen sind das Sparen von Gas und Strom. Zudem analysiert ein Drittel seinen Stromverbrauch, um mögliche Stromfresser zu finden.

Dunkle Regenwolken über Windkraftanlagen an einem Rapsfeld
Windräder für die Energiewende: Laut Umfrage sind die Menschen in Ostdeutschland zu einem großen Teil bereit, hier zu investieren. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Hintergrund der enviaM-Studie

- Die Umfrage wurde vom IMK Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung Erfurt im Auftrag der enviaM-Gruppe mit 1.029 Befragten geführt. Die Reichweite beschränkte sich ausdrücklich auf das Versorgungsgebiet der enviaM-Gruppe in Ostdeutschland.
- Die enviaM-Gruppe ist der führende regionale Energiedienstleister in Ostdeutschland. Der Unternehmensverbund versorgt mehr als 1,3 Millionen Kunden mit Strom, Gas, Wärme und Energie-Dienstleistungen.
-Zur Gruppe mit rund 3.400 Beschäftigten gehören die envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) Chemnitz, sowie weitere Gesellschaften, an denen enviaM beteiligt ist. Anteilseigner sind mehrheitlich die E.ON SE sowie rund 650 ostdeutsche Kommunen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 24. August 2022 | 16:00 Uhr

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