Protest Tausende bei Klimastreik von Fridays for Future in Sachsen

Die Klimaschützer von "Fridays for Future" haben am Freitag zum inzwischen elften globalen Klimastreik aufgerufen. Auch in sächsischen Städten wie Leipzig, Chemnitz, Dresden und Zittau gingen vor allem junge Menschen auf die Straße.

Hunderte Teilnehmer sind bei einem Globalen Aktionstag von Fridays for Future in Dresden in der Innenstadt unterwegs.
So wie hier in Dresden gingen am Freitag in Sachsen wieder Tausende fürs Klima auf die Straße. Bildrechte: dpa

Tausende Menschen haben sich am Freitag in Sachsen dem inzwischen elften globalen Klimastreik der "Fridays for Future"-Bewegung angeschlossen. In Leipzig und den anderen Städten waren es vor allem junge Leute, die auf den Wilhelm-Leuschner-Platz kamen und dann durch die Stadt zogen.

Zwischenfall mit Polizeibeamten

Während der Kundgebung kam es zu einem Zwischenfall. Dabei wollte die Polizei nach eigenen Angaben das Zusammentreffen von ungarischen Fußball-Fans und Teilnehmern des Klimastreiks verhindern. Ein Video auf Twitter zeigt, wie Polizeibeamte dabei auch Demo-Teilnehmer beiseite schubsen. Gründe nannte die Polizei auf Anfrage von MDR SACHSEN nicht. "Wir werden das Video auswerten", teilte eine Sprecherin mit.

Deutschland hat 2015 das Pariser Abkommen unterschrieben, ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen. Es wurde gesagt, dass man das 1,5-Grad-Ziel einhalten möchte, aber passiert ist nichts.

Charlotte Huth "Fridays for Future" Leipzig

Sorge um Rückschritte bei der Klimapolitik

Der Klimastreik war von Vorwürfen an die Bundesregierung geprägt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer warfen der Regierung vor, zu wenig für den Klimaschutz und eine sinnvolle Energiepolitik zu tun. Gerade die aktuelle Politik empfinden sie eher als einen Schritt zurück denn nach vorn.

"Das Klimathema gibt es ja nicht erst seit 2019, als 'Fridays for Future‘ so groß geworden ist. Tatsächlich ist es ja schon seit Jahrzehnten ein Thema. Deutschland hat 2015 das Pariser Abkommen unterschrieben, ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen. Es wurde gesagt, dass man das 1,5-Grad-Ziel einhalten möchte, aber passiert ist nichts", ärgert sich die Sprecherin von "Fridays for Future" in Leipzig, Charlotte Huth.

Es gebe zu viele Ausreden und es werde zu wenig Geld in den Klimaschutz investiert. "Aber wenn wir jetzt nichts machen, steuern wir auf eine Klimakatastrophe zu", sagte Huth.

Demonstranten stehen vor einem Werkstor
In Chemnitz zogen die Demonstrierenden von der Innenstadt zum Energierversorger Eins Energie. Bildrechte: Härtelpress

MDR-Umfrage: Meiste Befragte halten Klimastreik für überflüssig

Laut einer nicht repräsentativen MDR Fragt-Umfrage hielten rund zwei Drittel der 27.000 befragten Mitteldeutschen den Klimastreik am Freitag weder für angemessen noch für notwendig. Dennoch findet auch mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer, dass die "Fridays for Future"-Bewegung ein Umdenken in Sachen Klimaschutz sowohl in Gesellschaft als auch in Politik bewirkt habe.

Kapitalismus vs. Klimaschutz

Aber manch einer zweifelt auch daran, dass echter Klimaschutz im Kapitalismus funktionieren kann: Der Kapitalismus sei auf ewiges Wachstum ausgerichtet. Auch wenn alle Autos künftig zum Elektrobetrieb übergingen, bedeute dies einen genauso gefährlichen Ressourcenverbrauch. "Das ist ein Selbstbetrug, der hier stattfindet", sagte eine Frau am Rande der Kundgebung in Leipzig.

Wir sind definitiv noch der Meinung, dass man die Kohlekraftwerke so schnell, wie es die Lage ermöglicht, abschalten sollte. Aber das sollte so geschehen, dass es immer allen gut geht und die Menschen nicht frieren müssen.

Nathalie Neumann "Fridays for Future" Zittau

Zittauer Demonstranten fordern Kohlestopp

Ähnlich wie in Leipzig wurde auch in Zittau demonstriert. Dort war der Kohlestopp und die Nutzung von erneuerbaren Energien ein großes Thema. "Wir sind definitiv noch der Meinung, dass man die Kohlekraftwerke so schnell, wie es die Lage ermöglicht, abschalten sollte. Aber das sollte so geschehen, dass es immer allen gut geht und die Menschen nicht frieren müssen", sagte die Sprecherin von "Fridays for Future" in Zittau, Nathalie Neumann.

Wunsch nach Sondervermögen wie bei der Bundeswehr

In Dresden fand die Auftaktkundgebung von "Fridays for Future" auf der Cockerwiese statt. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche bewegten sich anschließend in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten unter anderem ein staatliches Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz. Vorbild ist das Sondervermögen für die Bundeswehr.

MDR (sth/Ines Adam/Robert Mönch)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 23. September 2022 | 19:00 Uhr

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