Garmisch-Partenkirchen Nach Zugunglück: Bahnschwellen in Thüringen werden geprüft - erste Sperrung

Nach dem tödlichen Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen rücken brüchige Bahnschwellen als Sicherheitsrisiko in den Blick. In Thüringen wird nun nach möglichen Mängeln gesucht - mit Auswirkungen auf mehrere Verbindungen und einer ersten Sperrung.

Nach dem Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen im Juni müssen jetzt auch in Thüringen Bahnschwellen auf mögliche Mängel untersucht werden. Nach Angaben der Deutschen Bahn AG sollen deshalb aus Sicherheitsgründen Züge zurzeit auf insgesamt neun Abschnitten langsamer fahren.

Betroffen sind in Thüringen unter anderem diese Strecken:

  • Nordhausen - Bleicherode
  • Gera-Zwötzen - Wolfsgefährt
  • Neudietendorf - Arnstadt
  • Dornburg - Jena

Brüchige Betonschwellen waren laut Experten die mögliche Ursache für das Zugunglück Anfang Juni in Bayern, bei dem fünf Menschen starben und mehr als 40 verletzt wurden. Die Schwellen hielten dem Gewicht der Züge auf Dauer nicht mehr stand.

Erste Sperrung in Thüringen

Am Donnerstag wurden in Thüringen bereits erste fehlerhafte Elemente gefunden. Wie das Infrastrukturministerium MDR THÜRINGEN mitteilte, ist deshalb die Strecke Etzleben-Sömmerda seit Freitagmorgen gesperrt werden. Dadurch gibt es laut Bahn auch Verspätungen zwischen Sömmerda und Erfurt.

Ob Ersatzbusse fahren, konnte ein Abellio-Sprecher nicht sagen. Wer am Freitag zum Beispiel mit dem Zug von Erfurt nach Sangerhausen reisen will, muss demnach einen Umweg über Halle in Kauf nehmen. Ab Samstagmittag sollen die Züge nach Angaben von Abellio wieder rollen. Das Zugunternehmen räumte ein, dass die eigene Internetseite noch nicht entsprechend aktualisiert wurde.

Zum Aufklappen: Zugausfälle auch wegen Personalmangel

In Südthüringen und Franken müssen sich Bahnreisende am Wochenende auf Zugausfälle einstellen. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wird wegen vieler kranker Beschäftigter die Regionalexpress-Linie 19 von Sonneberg über Bamberg nach Nürnberg nicht bedient. Zwischen Sonneberg, Bamberg und Coburg könne die weitgehend parallel verlaufende Linie 49 genutzt werden. Allerdings müsse mit längeren Fahrzeiten gerechnet werden. Zwischen Bamberg und Nürnberg können Reisende laut Bahn dann andere Regionalzüge und S-Bahnen nutzen.

Bahn: Überprüfung von Schwellen bundesweit nötig

Bundesweit will die Bahn 200.000 Bahnschwellen überprüfen. Das entspricht etwa 0,25 Prozent aller verbauten Schwellen im Netz der Deutschen Bahn.

Auf den betroffenen Streckenabschnitte in Thüringen müssen die Züge so lange langsamer fahren, bis die Inspektion abgeschlossen ist - rein vorsorglich, heißt es von DB Regio. Sicherheit sei das oberste Gebot. Ob und wann genau auf Thüringer Strecken weitere Schwellen ausgetauscht werden müssen, ist noch unklar.

Gelagerte Schwellen neben der Bahnstrecke Erfurt-Weimar bei Vieselbach.
Neue Betonschwellen werden etwa neben der Bahnstrecke Erfurt-Weimar bei Vieselbach gelagert. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Zustimmung vom Fahrgastverband

Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach von einem richtigen Schritt der Bahn. Auch nach Ansicht des Thüringer Infrastrukturministeriums hat Sicherheit die oberste Priorität. Die Detusche Bahn AG müsse aber früher über solche Probleme informieren.

MDR (fra)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Juli 2022 | 17:00 Uhr

8 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 2 Wochen

Die Untersuchungen sind noch am Gange. Jetzige Erkenntnisse werfen aber kein gutes Bild auf Bahn und Politik =>"Nach den Studienbefunden könnten die Schwachstellen auf ein schon über 20 Jahre altes Straßenbauprojekt zurückzuführen sein. Damals wurden bei Garmisch-Partenkirchen 2 Bundesstraßen miteinander verknüpft , wofür man das Bett des Katzenbachs in einen schmalen Graben zwischen Bahndamm und einer neu errichteten Straßenböschung »regelrecht hineingequetscht« habe. Letztere sei für die herabstürzenden Doppelstockwagen zur »unüberwindbaren« und »todbringenden Barriere«geworden.
Der umgebettete Wildbach habe bei Hochwasser Schotter aus dem Bahndamm herausgespült und ihn über all die Jahre instabil gemacht. Außerdem sei durch den Eingriff »der dringend notwendige zweigleisige Ausbau dieser Bahnstrecke für alle Zeiten blockiert worden. Wäre seinerzeit bei den Umbauarbeiten eine sogenannte Fangschiene errichtet worden, hätte es gemäß Expertise »kaum Tote und Schwerverletzte« gegeben.

martin vor 2 Wochen

In Sachen "an die Börse bringen" der Bahn gebe ich Ihnen recht - auch wenn das Thema ja (zumindest vorläufig) seit geraumer Zeit vom Tisch zu sein scheint.

In Sachen "Selbstkontrolle" stimme ich Ihnen nur bedingt zu: Ich meine, dass das Aufgabe des Eisenbahnbundesamtes ist. Jeder normale Betrieb muss ja auch selbst die Einhaltung der (Arbeitsschutz-) Vorschriften kontrollieren - das ist aber kein Ersatz für die externen Kontrollen, bspw. durch Berufsgenossenschaft, Finanzamt, ....

martin vor 2 Wochen

Die guten alten Streckengänger gibt es in der Tat nicht mehr. In welchen Abständen heute die Strecken kontrolliert werden, dürfte von mehreren Faktoren abhängen.

Wenn es allerdings Hinweise gibt, dass bestimmte Teile schneller verschleißen als ursprünglich angenommen, dann gibt es halt extra Kontrollen. Das kennen wir doch auch an anderer Stelle: Rückruf von Produkten oder bestimmte Autos werden in die Werkstätten zitiert.

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