Hohe Verdienste Trauer um CDU-Politikerin Dagmar Schipanski

Die CDU-Politikerin und frühere Thüringer Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski ist tot. Sie starb nach Informationen von MDR THÜRINGEN nach kurzer schwerer Krankheit am Mittwoch.

Dagmar Schipanski
Dagmar Schipanski starb im Alter von 79 Jahren. Bildrechte: dpa

Trauer im Thüringer Landtag

Mit Bestürzung habe der Landtag die Nachricht über den Tod seiner ehemaligen Präsidentin aufgenommen, sagte Landtagspräsidentin Birgit Pommer. Der Landtag trauere um eine inspirierende Frau, die schmerzlich fehlen werde. Mit Dagmar Schipanski verliere Thüringen eine starke Frau, die laut und mutig für die Demokratie sprach, so Pommer.

Mit ihr verliere Thüringen und die gesamte Bundesrepublik eine energische Streiterin für die Vollendung der Deutschen Einheit und eine echte Pionierin, teilte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) mit. Als Vorsitzende des Wissenschaftsrates der Bundesrepublik sei sie die erste Frau in dieser herausragenden Position gewesen. "Mit ihr haben ihre Familie und ihre Freunde, einen Menschen verloren, der weit mehr war, als eine engagierte und über Partei- und Landesgrenzen hinaus anerkannte Politikerin sowie exzellente Wissenschaftlerin", so Ramelow.

Große Trauer in der Thüringer CDU

Der Vorsitzende der thüringischen CDU-Landtagsfraktion, Mario Voigt, teilte auf Twitter mit: "Ein wunderbarer Mensch und eine Kämpferin für die Freiheit ist von uns gegangen."

Der parlamentarische Geschäftsführer der Thüringer CDU-Fraktion, Andreas Bühl, bezeichnete Schipanski als außergewöhnlichen Menschen. Auf Twitter schrieb er: "Sie hat Ilmenau und Thüringen nach der Wiedervereinigung nach vorn gebracht. Die TU Ilmenau hat sich maßgeblich dank ihr so gut entwickelt. Wir werden sie immer in besonderer Erinnerung behalten."

Der ehemalige CDU-Landes- und Fraktionschefs Mike Mohring twitterte: "Danke dafür, dass ich Dich in den letzten Jahren schätzen lernen durfte, auch weil wir gemeinsam persönlich uns bei dem Kampf gegen den Krebs in der Familie und persönlich viel austauschen konnten."

Aus Sicht des CDU-Landesvorsitzenden Christian Hirte ist sie als Verfechterin der Werte der CDU bis heute ein Vorbild für viele in der Partei. Sie trug laut Hirte ihre Heimat im Herzen und hat sie sich auch in der Politik immer für das Wohl von Land und Leuten eingesetzt. Dafür gebühre ihr Respekt, Hochachtung und vor allem Dank, so Hirte.

Würdigung auch aus anderen Fraktionen

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Hey bezeichnete Dagmar Schipanski als starke Stimme für die Wiedervereinigung Deutschlands. Außerdem habe sie als Ministerin für Wissenschaft und Forschung für den Wissenschaftsstandort Thüringen viel bewegt. Sie werde in den demokratischen Reihen fehlen, so Hey.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtrag, Steffen Dittes, bezeichnete Schipanski als streitbare Persönlichkeit, die Thüringen fünf Jahre lang als Landtagspräsidentin geprägt habe.

Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Astrid-Rothe-Beinlich. Schipanski habe Thüringen über Jahre maßgeblich mitgestaltet und geprägt. Mit ihr verliere man eine über Partei- und Landesgrenzen hinweg anerkannte Streiterin für ein geeintes Deutschland und Europa.

Aus Sicht der FDP wird vor allem ihre Kandidatur als Bundespräsidentin in Erinnerung bleiben. Damit habe die damals noch parteilose Physikprofessorin ein vielbeachtetes Zeichen im Zuge der deutschen Einheit gesetzt, sagte Dirk Bergner, Vizepräsident des Thüringer Landtags. Thüringen verliere mit Dagmar Schipanski eine profilierte und weithin geschätzte Politikerin. Als Ministerin und Landtagspräsidentin habe sie die Thüringer Landespolitik über ein Jahrzehnt entscheidend mitgeprägt.

Auch Thüringens AfD Fraktionschef Björn Höcke würdigte Schipanskis Engagement zur Förderung des Bildungs- und Wissenschaftsstandortes Deutschland. Dabei habe sie sich nicht nur in Thüringen verdient gemacht, sagte Höcke.

Schipanski stark für Krebshilfe engagiert

Schipanski war von 1999 bis 2004 Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Thüringen. Von 2004 bis 2009 war sie Präsidentin des Thüringer Landtags. Bis 2006 war sie Mitglied des CDU-Präsidiums und gehörte seitdem dem Bundesvorstand der Partei an.

Im Jahr 1996 führte sie als erste Frau den Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland an. 1999 kandidierte sie als damals noch parteilose Wissenschaftlerin für das Amt der Bundespräsidentin. Schipanski unterlag dem späteren Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD).

Außerdem war sie über viele Jahre im Verwaltungsrat des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). MDR-Intendantin Karola Wille bezeichnete Schipanski als "beeindruckende Persönlichkeit, welche mit breitem Wissen, Klugheit und vielfältigen Erfahrungen die wirtschaftliche Entwicklung des MDR mitgestaltet und dessen Verankerung in der Region vorangetrieben hat".

Zudem war sie Mitglied der Leopoldina und engagierte sich ehrenamtlich etwa als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe.

Schipanski wurde 1943 in Sättelstädt im Wartburgkreis geboren. 1990 wurde sie an der damaligen Technischen Hochschule Ilmenau zur Professorin für Festkörperelektronik berufen. Sie war verheiratet und Mutter dreier Kinder. Zuletzt lebte Schipanski in Ilmenau. Sie wurde 79 Jahre alt.

MDR (jhi,uka,co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. September 2022 | 19:30 Uhr

Mehr aus Thüringen