Psychologe
Psychische Erkrankungen liegen bei den Krankschreibungen mittlerweile auf Platz drei - nach Atemwegs- und Rückenkrankheiten. Bildrechte: imago images/MASKOT

Krankenhausspiegel Starke Zunahme an psychischen Erkrankungen in Thüringen

21. Juni 2023, 18:11 Uhr

In Thüringen lassen sich immer mehr Menschen wegen psychischen Erkrankungen behandeln. Während der Corona-Pandemie - insbesondere im vergangenen Jahr - sei ihre Zahl sprunghaft gestiegen, sagten Experten bei der Vorstellung des aktuellen "Krankenhausspiegels" in Erfurt.

Vor allem bei jungen Frauen ist im vergangenen Jahr laut einer Klinik-Übersicht ein Anstieg bei der Behandlung wegen psychischer Erkrankungen in Thüringer Krankenhäusern verzeichnet worden.

Insbesondere mehr Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren waren betroffen. 2022 wäre im Vergleich zu 2019 die Zahl der stationären Aufnahmen wegen Depressionen und Angststörungen in dieser Altersgruppe um 24 Prozent gestiegen.

Das sagte der ärztliche Direktor der Helios-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hildburghausen, Silvius Fehler, am Mittwoch in Erfurt bei der Vorstellung des aktuellen Krankenhausspiegels.

Massiv sei auch die Zahl der jungen Frauen gestiegen, die wegen Essstörungen stationär behandelt worden seien. Bundesweit seien 2022 etwa 50 Prozent mehr 15- bis 17-Jährige als 2019 betroffen gewesen. Für Thüringen sei der Trend vergleichbar. Angststörungen nahmen um 35 Prozent zu.

Bestimmte Berufsgruppen stärker betroffen

Generell ist die Zahl der Menschen mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Der chronische Personalmangel, die permanenten Schutzmaßnahmen und die Arbeitsüberlastung während der Corona-Wellen haben aber vor allem dem Personal in den Krankenhäusern zugesetzt. Außerdem leiden Beschäftigte des Bauwesens und des Öffentlichen Dienstes vergleichsweise häufig unter psychischen Erkrankungen.

Das besagen Daten der Krankenkassen, die als Maßstab die durchschnittliche Anzahl der Krankentage genommen haben. Demnach liegen psychische Erkrankungen mittlerweile auf Platz drei - nach Atemwegs- und Rückenkrankheiten.

Neues Internetportal über psychische Erkrankungen Erfurt

Vor diesem Hintergrund wurde am Mittwoch außerdem das neue Info-Portal "Psychische Gesundheit" im Krankenhausspiegel Thüringen vorgestellt, in dem Betroffene und Angehörige umfassende Informationen über die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten in ihren Regionen finden.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte bei der Vorstellung des Internetportals, dass seit der Corona-Pandemie immer mehr Menschen Hilfe bei der Bewältigung psychischer Erkrankungen suchten. Die Zahl der Behandlungsplätze in Thüringen liege über dem Bundesdurchschnitt. Auch das Netz von 26 Tagesambulanzen sei flächendeckend. Doch gerade in den Fällen, in denen zu psychischen auch soziale oder finanzielle Probleme hinzukommen, werde das Angebot oft nicht in Anspruch genommen.

Angebote und Standorte auf einen Blick

Kernstück des neuen Internet-Portals sind interaktive Landkarten, auf denen Angebote und Standorte der teilnehmenden Kliniken für alle Formen psychischer Erkrankungen bis hin zur Jugendpsychiatrie aufgeführt sind. Neben Informationen zu Krankheitsbildern und Kontaktdaten der einzelnen Krankenhäuser biete die Plattform auch Notfallnummern von Einrichtungen, die Hilfe bei akuten Krisen und Suizidgedanken lieferten.

Krankenhausspiegel: Datensammlung für Thüringen

Seit 2014 bietet der Krankenhausspiegel Daten zur Qualität der stationären und teilstationären Behandlung in Thüringen. Derzeit beteiligen sich 29 Thüringer Kliniken mit 35 Häusern an der Dokumentation. Inzwischen sind Daten zu 17 Diagnosen und Behandlungsfeldern auf den Seiten des Internet-Portals abrufbar.

Die Kliniken, die sich am Krankenhausspiegel beteiligen, verfügten über etwa 80 Prozent der im Freistaat vorhandenen Krankenhausbetten, hieß es von der Landeskrankenhausgesellschaft.

MDR (gh)/dpa/epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Juni 2023 | 16:00 Uhr

24 Kommentare

martin vor 34 Wochen

Ich kenne Ihr persönliches Umfeld nicht und kann / will Ihre persönliche Wahrnehmung nicht in Frage stellen. In der von Ihnen beschriebenen Pauschalität ist die Aussage m.M.n. aber unzutreffend.

Milo vor 34 Wochen

"Studie belegt Zukunftsängste: Die Deutschen sind immer mehr im Krisenmodus.
Klimakrise, Corona, Russlands Krieg gegen die Ukraine, Wohnungsnot, Inflation und steigende Energiepreise – all das schlägt den Menschen zunehmend aufs Gemüt." (Zitat aus dem Tagesspiegel)

Ich denke, dass die vielen Krisen sicher ihren Beitrag zu der Entwicklung geleistet haben. Für manche Kinder und Jugendliche waren beispielsweise die wochenlangen Schulschließungen, Verbot von Freizeitsport und anderen Hobbys sehr belastend. Andere bekommen vielleicht die Probleme der Eltern mit, wenn diese wegen der Inflation kaum noch ihre Rechnungen bezahlen können oder ähnliches.

MDR-Team vor 34 Wochen

Hallo Maria A.,
bis jetzt fehlt noch ein Argument, was Sie mit Ihrer Beobachtung sagen wollen. Die Zeit in der Schule ist ja nur ein Teil der Lehrerarbeitszeit

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