MDRfragt Bildungspolitik in Thüringen: MDRfragt-Teilnehmende vergeben nur Note 4

Linke, SPD und Grüne sind 2014 in Thüringen mit dem Versprechen angetreten, die Bildungspolitik im Land zu verbessern. Aus Sicht der Thüringer MDRfragt-Teilnehmenden ist das jedoch eher nicht gelungen. Sie beklagen vor allem den Lehrermangel. Das zeigt die aktuelle, nicht repräsentative, aber wissenschaftlich begleitete und gewichtete Befragung von MDRfragt. Rund 6.000 Menschen aus Thüringen haben sich daran beteiligt.

Eine Schuelerin sitzt alleine in einem Klassenraum.
Mit dem Bildungssystem in ihrem Land zeigen sich die meisten MDRfragt-Mitglieder unzufrieden. Bildrechte: IMAGO / photothek

Auf die Frage, welches Problem das derzeit größte im Thüringer Bildungssystem sei, wird der Lehrer- und Personalmangel am häufigsten von den Befragungsteilnehmenden genannt. Daneben gelten auch der häufige Unterrichtsausfall und die mangelnde Digitalisierung vielen als problematisch.

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In den Kommentaren berichten die MDRfragt-Mitglieder, welche Auswirkungen die Probleme im Bildungssystem für sie konkret haben:

Mein Sohn ist in der 11. Klasse und hatte in der letzten Zeit kaum mehr als die Hälfte der regulären Stunden.

Dana, 53 Jahre, Weimarer Land

Teilweise werden bei uns ganze Fächer wie Englisch und Physik nicht unterrichtet, weil es dafür keine Lehrer gibt. Wie hier der Realschulabschluss gewährleistet werden soll, wo beispielsweise Englisch als erste Fremdsprache geprüft wird, erschließt sich uns nicht.

Yvonne, 47 Jahre, Landkreis Nordhausen

Langsam finde ich das nicht nur traurig, sondern es macht enorm wütend. Im Endeffekt müssen die Lernlücken mit Nachhilfe gefüllt werden, die ich dann auch noch selbst zahlen muss.

Mandy, 34 Jahre, Altenburger Land

Meine Tochter ist in diesem Jahr auf das Gymnasium gewechselt. Hier ist der Ausfall zwar geringer als an der Grundschule, allerdings wurde in Pandemie-Zeiten viel Stoff nicht vermittelt. Das fehlt den Kindern jetzt und macht es uns um so schwerer.

Antje, 49 Jahre, Landkreis Greiz

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Bildungspolitik erhält die Note 4

Im Durchschnitt geben die thüringischen Befragungsteilnehmenden der Bildungspolitik in ihrem Land die Note 4,4. Abgerundet ergibt das die Note 4 – was mit "ausreichend" gleichzusetzen ist.

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Große Mehrheit erkennt keine Verbesserung seit 2014

Das Versprechen der Regierungsparteien von 2014, die Bildungspolitik zu verbessern, sieht die überwiegende Mehrheit der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer nicht eingehalten. 86 Prozent meinen, dass das bis heute nicht gelungen ist. Lediglich sechs Prozent sehen eine Verbesserung.

Diagramm: Verbesserung der Bildungspolitik in Thüringen
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Welche Veränderungen im Bildungssystem sie sich wünschen, schreiben die MDRfragt-Mitglieder in den Kommentaren:

Das Bildungswesen sollte in Deutschland vereinheitlicht werden und keine Ländersache sein.

Frank, 48 Jahre, Ilm-Kreis

Wir wünschen uns mehr Schulen in freier Trägerschaft. Die Finanzierung je Kind sollte so hoch sein wie auch auf staatlichen Schulen. Vielfalt tut immer gut.

Anne, 68 Jahre, Landkreis Gotha
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Di 17.01.2023 09:19Uhr 01:58 min

https://www.mdr.de/nachrichten/mitmachen/mdrfragt/video-688950.html

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Jeder Zweite hält Lehrberuf für unattraktiv

Der Blick auf den Beruf des Lehrers beziehungsweise der Lehrerin fällt gemischt aus. 51 Prozent der Befragungsteilnehmenden in Thüringen erachten ihn als unattraktiv, 42 Prozent dagegen als attraktiv.

Diagramm: Attraktivität des Lehrberufs
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Drei Viertel befürworten gleichen Verdienst an unterschiedlichen Schulformen

Thüringer Grundschullehrerinnen und -lehrer bekommen seit August 2021 mehr Geld. Sie erhalten damit den gleichen Lohn wie ihre Kolleginnen und Kollegen an der Regelschule und dem Gymnasium. Das finden 75 Prozent der MDRfragt-Mitglieder aus Thüringen, die an der Befragung teilgenommen haben, richtig. Rund ein Fünftel teilt diese Ansicht nicht.

Diagramm: Gleicher Verdienst für Lehrkräfte in unterschiedlichen Schulformen
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Mehrheit lehnt generelle Verbeamtung ab

Eine Möglichkeit, mehr Personal für Thüringer Schulen zu gewinnen, könnte die Verbeamtung sein. Mehr als die Hälfte der thüringischen MDRfragt-Teilnehmenden lehnt eine generelle Verbeamtung jedoch ab. Rund ein Drittel spricht sich dafür aus.

Diagramm: Generelle Verbeamtung von Lehrkräften
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Sechs von zehn sprechen sich für mehr Seiteneinsteiger aus

Stattdessen wünschen sich die MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer mehr Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger. 63 Prozent befürworten dies, 31 Prozent lehnen diesen Vorschlag hingegen ab.

Diagramm: Beschäftigung von Seiteneinsteigern als Lehrkräfte
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Ihre Meinungen dazu - sowohl positive als auch negative - drücken die Befragungsteilnehmenden in den Kommentaren aus.

Das Ziel muss natürlich sein, genügend Lehrer durch ein entsprechendes Studium auszubilden, aber wir stehen gerade vor dem Kollaps und brauchen daher überhaupt erst einmal Menschen, die Unterrichtsstoff vermitteln, daher auch gerne Quereinsteiger.

Markus, 44 Jahre, Altenburger Land

Quereinsteiger haben vielleicht das Fachwissen, aber es fehlen Methoden der Vermittlung und der Didaktik.

Tina, 52 Jahre , Greiz

Meine Tochter musste lange studieren, um Lehrerin zu werden. Warum sollen es Quereinsteiger in relativ kurzer Zeit schaffen? Das fände ich unfair.

Karin, 66 Jahre, Hildburghausen

Über diese Befragung Die Befragung vom 06.01. bis 09.01.2023 stand unter der Überschrift:

Habeck-Vorstoß: Kohle-Aus 2030 - nach NRW nun auch im Osten?

Für die MDRfragt-Mitglieder in Thüringen enthielt diese auch Fragen zur Bildungspolitik in Thüringen.

Insgesamt sind bei MDRfragt 63.221 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 09.01.2023, 1 Uhr).

Insgesamt haben 24.898 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen online an dieser Befragung teilgenommen.

5.726 Menschen aus Thüringen haben die Fragen zur Bildungspolitik in Thüringen beantwortet.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 55 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 825 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 2.483 Teilnehmende
65+: 2.363 Teilnehmende

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 2.358 (41 Prozent)
Männlich: 3.352 (59 Prozent)
Divers: 16 (0,3 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 16. Januar 2023 | 22:10 Uhr