Klimawandel Trockenheit und Schädlinge: Waldzustand in Thüringen verschlechtert sich

Um rund 33 Prozent sind die Kahlflächen in den Thüringer Wäldern im vergangenen Jahr gewachsen. Der Freistaat will mit weiteren Löschwasserteichen und Wiederaufforstung entgegenarbeiten.

Zwei Männer begutachten eine Kahlfläche im Wald
Seit einigen Jahren verschlechtert sich die Lage in Thüringens Wäldern immer mehr. Bildrechte: dpa

Die Schadflächen in den Thüringer Wäldern sind im vergangenen Jahr weiter angewachsen. Nach Angaben der Landesforstanstalt werden inzwischen rund 60.000 Hektar als Kahlflächen eingestuft. Das sind rund 15.000 Hektar mehr als im letzten Jahr.

Von einer Katastrophe spricht Jörg Ripken, der Chef von Thüringenforst. Seinen Angaben haben Hitze und Trockenheit die Bäume in den vergangenen Jahren geschwächt, und Schädlinge wie der Borkenkäfer machen ihnen jetzt den Garaus. Laut Ripken ist damit zu rechnen, dass die Schadflächen im nächsten Jahr noch mal größer werden.

Geld für Löschwasserteiche und Aufforstung soll es richten

Das Forstministerium von Susanna Karawanskij (Linke) will mit dem Aktionsplan Wald weiter dagegensteuern, mit dem der Freistaat 2019 bereits auf dramatische Waldschäden reagiert hatte. Allein in diesem Jahr stehen 62 Millionen Euro zur Verfügung.

Bisher wurden 33 Löschwasserteiche in den Wäldern instandgesetzt - weitere 13 sollen zeitnah folgen, um Wald- und Flächenbränden effektiv zu bekämpfen. "Es wird trockener und es wird heißer. Die Gefahr steigt", so Jörn Ripken von Thüringenforst.

Waldbrände spielten in der Vergangenheit in Thüringen im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Brandenburg eine eher untergeordnete Rolle. Die Waldbrand-Flächen seien "noch sehr klein", sagte Ripken am Dienstag in Erfurt. "Aber wir müssen damit rechnen, dass die Gefahr zunimmt."

Darüber hinaus fließt das Geld nicht nur in Löschwasserteiche, sondern vor allem in die Wiederaufforstung und den Waldumbau hin zu mehr Mischwäldern - rund elf Millionen Euro jährlich sind dafür vorgesehen. Denn die vorhandenen und zunehmenden "Kahlflächen sind eine Katastrophe für den Wald", sagte Ripken. Die Herausforderung sei "riesig".

Mischwälder statt Fichtenmonokulturen

Bereits im vergangenen Jahr wurden in Thüringen fast 2,1 Millionen Bäume als Reaktion auf die hohen Waldschäden gepflanzt. Dabei versucht die Landesforstanstalt, vor allem Douglasien, Eichen oder auch Ahornarten zu setzen - die so entstehenden Mischwälder können dem Klimawandel besser trotzen als die bislang am häufigsten vorkommenden Fichtenmonokulturen.

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MDR (dst), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Juli 2022 | 16:00 Uhr

4 Kommentare

_martin_ vor 6 Wochen

Dem Borkenkäfer ist das egal. In völlig abgestorbenen Fichten ist der nämlich gar nicht mehr drin. Wegräumen also zwecklos. Entfernt werden müssen lediglich befallene, lebende (fängische) Bäume.

Jedimeister Joda vor 6 Wochen

Warum ist der Wald heute so? Versagen von Menschen die glaubten alles am Besten zu wissen. Die menschliche Gier ist Schuld oder doch die kapitalistische Gier. Na da wäre es doch am Besten wir ließen die Natur bestimmen wo es hingeht. Hybris ist nicht gut. Übrigens die Römer sind an der Hybri und Dekadenz zuGrunde gegangen. Um mit Dieter Wieland zu sprechen: Ein Rufer in der Wüste reicht eben nicht. Joda

martin vor 6 Wochen

Klar, kann man so machen. Spart erst einmal Geld und den Borkenkäfer wird es freuen. Auch die CDU Forderung nach einem Verbot von Windrädern im Wald ist dann bald mangels größerer Waldflächen obsolet.

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