Klimakonferenz K3 Zu viele Krisen: Das Klima hat in der Debatte einen schweren Stand

Autorenfoto Claudia Reiser
Bildrechte: Anorte Linsmayer, MDR

Auf der K3 Klimakonferenz diskutierten in der vergangenen Woche Experten zur Klimakrise. Unter ihnen war auch Mike Schäfer, gebürtiger Sachse und Kommunikationsexperte. Er kritisierte die Kommunikation in der Klimakrise. Klima sei häufig nach wie vor ein Luxusthema. Man widme sich diesem erst, "wenn der gesellschaftliche oder individuelle Wohlstand es erlauben", so Schäfer.

Demonstranten haben ihre Hände auf der Straße festgeklebt.
Klimaprotest legt Verkehr in Leipziger Innenstadt lahm. Die Demonstranten wollen auf so auf die Klimakrise aufmerksam machen. Bildrechte: mdr

Der gebürtige Meißener und Kommunikationswissenschaftler an der Universität Zürich Mike Schäfer gilt als einer der wichtigsten Kommunikationsexperten im deutschsprachigen Raum. Auf dem K3-Kongress für Klimakommunikation in Zürich verdeutlichte er die Besonderheiten der Klima-Dauerkrise – bei der die Zeit drängt und die dennoch viel zu oft als aufschiebbar angesehen wird. Wie beim Hetzen von Krise zu Krise der Atem für die Klimakatastrophe ausgeht.

Klimakrise im Schatten

"Zuerst hatten wir eine Jahrhundertpandemie – die letzte war hundert Jahre vorher. Und jetzt haben wir das erste Mal seit 80 Jahren Krieg auf dem europäischen Kontinent. Das sind hoffentlich zwei singuläre Ereignisse, die wir so schnell nicht wiederhaben werden", erklärt Schäfer. Ja, diese beiden Krisen hätten das Thema Klima wieder stärker an den Rand gedrängt. Klima, betont Schäfer, hatte als Thema immer mal Phasen der Hochkonjunktur. Bei Al Gore gab es so eine Phase, nach der gescheiterten UN-Konferenz in Kopenhagen oder rund um das Pariser "1,5-Grad-Abkommen".

Zuletzt hatte es die "Fridays-For-Future"-Bewegung geschafft, das Thema lange in der gesellschaftlichen Diskussion zu halten. Aber: Klima ist zu einem gewissen Grad nach wie vor Luxusthema – dem man sich widmet, "wenn der gesellschaftliche oder individuelle Wohlstand es erlauben", so Schäfer.

Der gesellschaftliche und individuelle Wohlstand ist durch Krieg und Preisexplosionen derzeit gefährdet – für viele verliert die Klimakrise da schnell an Bedeutung, wie auch Ergebnisse von MDRfragt zeigen.

Dürre und Missernte durch Klimakrise

Für die Teilnehmer auf dem K3 Kongress in Zürich ein Paradoxon: Wenn über die steigenden Lebensmittelpreise geklagt wird, wendet sich der Blick unmittelbar auf den Ukraine-Krieg. Was die steigenden Preise jedoch mit Dürre und Missernten – und damit mit dem Klimawandel – zu tun haben, fragt kaum jemand. Viele unserer Probleme hängen bereits mit den Folgen des Klimawandels zusammen. Auch der hohe Strompreis ist zumindest in Teilen darauf zurückzuführen: Aufgrund zu niedriger Wasserstände fehlte in Frankreich Kühlwasser, etliche Atomkraftwerke mussten zurückgefahren werden. Die Folge: Ein Engpass auf dem europäischen Strommarkt.

Experten kritisieren Klimakommunikation

Dass diese Zusammenhänge zu wenig kommuniziert werden, bedauern die Experten auf dem Züricher K3-Kongress. Der Fokus sei verschoben: Klimaschutz werde viel zu häufig selbst noch als Problem – obendrein als teures Problem – betrachtet. Welche Lösungen er aber für viele unserer bereits vorhandenen Schwierigkeiten bietet, gerate – auch in der Berichterstattung – zu selten in den Blick. Mike Schäfer fordert auf dem K3-Kongress, genau wie seine Kollegen, ein Umdenken in der Klimakommunikation. Auf dem zweitägigen Kongress trafen sich zum dritten Mal Vertreter aus Wissenschaft, Medien, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, um Herausforderungen der Klimakommunikation zu diskutieren.

Vier Menschen sitzen bei der Klimakonferenz K3 auf dem Podium
Mike Schäfer (rechts) auf dem Podium beim K3 Kongress. Bildrechte: Carel Carlowitz Mohn

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 16. September 2022 | 19:30 Uhr

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