Zerstörte Häuser, viele Tote Umkämpftes Mariupol: Was wir über die Lage in der Stadt wissen

Aktuell-Redakteure - Lucas Grothe
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Russland führt den Krieg in der Ukraine mit äußerster Härte, besonders in der belagerten Hafenstadt Mariupol. Dort ist die Lage dramatisch, die Zerstörungen sind gewaltig.

Ein zerstörtes Hochhaus
Ein zerstörtes Hochhaus in Mariupol. Die Aufnahme stammt von der russischen Agentur Tass. Berichte von unabhängigen Medien gibt es aus der umkämpften Stadt praktisch fast gar nicht mehr. Bildrechte: dpa

In Mariupol wird weiter gekämpft. Noch immer haben russische Einheiten die Stadt am Asowschen Meer nicht komplett unter ihre Kontrolle bringen können. Am Freitag hieß es aus dem russischen Verteidigungsministerium, die Armee des Landes habe zusammen mit Separatisten aus der sogenannten Volksrepublik Donezk den Belagerungsring enger gezogen.

Ob die russischen Einheiten und ihre Verbündeten wirklich Geländegewinne in der umkämpften Stadt erzielen konnten, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. In Mariupol kämpfen auch Einheiten aus der russischen Teilrepublik Tschetschenien von Machthaber Ramsan Kadyrov. Auf ukrainischer Seite wiederum wird der Kampf zu einem großen Teil von nationalistischen Asow-Brigaden geführt, die Teil der Nationalgarde sind und in Mariupol ihr Hauptquartier haben.

Mariupol: Angeblich noch 350.000 Menschen in der Stadt

Auch wenn die genaue militärische Lage vor Ort nicht bekannt ist, klar ist, dass die Stadt schon jetzt massiv von den Kämpfen getroffen wurde. Vor dem Krieg hatte die Stadt am Asowschen Meer rund 440.000 Einwohner, inzwischen sind der Stadtverwaltung zufolge noch 350.000 Menschen in Mariupol. Allein in den vergangenen zwei Tagen hätten etwa 30.000 Menschen die Stadt über Fluchtkorridore verlassen.

Mariupol: Eine Stadt wird zerstört

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte multispektrale Satellitenbild zeigt Krater auf Feldern und beschädigte Gebäude im Westen von Mariupol während der russischen Invasion.
Die Satellitenbilder, die die Stadt zeigen, wurden vom US-Unternehmen Maxar zur Verfügung gestellt. Dieses zeigt Bombenkrater auf einem Feld und Einschläge in Gebäude. Es zeigt eine Siedlung im Westen der Stadt. Bildrechte: dpa
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte multispektrale Satellitenbild zeigt Krater auf Feldern und beschädigte Gebäude im Westen von Mariupol während der russischen Invasion.
Die Satellitenbilder, die die Stadt zeigen, wurden vom US-Unternehmen Maxar zur Verfügung gestellt. Dieses zeigt Bombenkrater auf einem Feld und Einschläge in Gebäude. Es zeigt eine Siedlung im Westen der Stadt. Bildrechte: dpa
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Auch diese Aufnahme zeigt den Westen der Stadt. Deutlich zu sehen sind die beschädigten Gebäude und die Schäden an der Straße. Bildrechte: dpa
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt brennende und stark beschädigte Wohnhäuser und das zerstörte Einkaufszentrum Port City im Westen der Stadt Mariupol, Ukraine.
Auch das Einkaufszentrum Port City (großes Gebäude unten im Bild) wurde bei den Kämpfen zerstört. Bildrechte: dpa
Auf diesem Satellitenfoto von Planet Labs PBC ist am 17.03.2022 das Feuer eines mutmaßlichen russischen Angriffs auf einen Wohnblock im Osten der ukrainischen Stadt Mariupol zu sehen.
Rauch steigt aus einem Wohnblock auf, von denen es viele gibt in Mariupol. Die Stadt wird seit über zwei Wochen belagert. Bildrechte: dpa
Mariupol
Dieses Bild wurde von der russischen Nachrichtenagentur Tass zur Verfüfung gestellt, es soll ausgebrannte Häuserblocks in Mariupol zeigen. Bildrechte: dpa
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt das Schauspielhaus von Mariupol am Montag den 14. März 2022.
Auch das Theater der Stadt wurde zerstört, dort sollen sich 500 bis 1.300 Zivilisten aufgehalten haben. Noch ist unklar, wie viele überlebt haben. Neben das Gebäude war zuvor in russischer Sprache das Wort "Kinder" aufgemalt worden, um Luftangriffe zu verhindern. Bildrechte: dpa
Ukrainische Rettungskräfte gehen an einer durch einen Angriff beschädigten Geburtsklinik in Mariupol vorbei.
Noch immer harren laut Stadtverwaltung rund 350.000 Zivilisten in der Stadt aus – die meisten verschanzt in Kellern und Bunkern. Bildrechte: dpa
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Der Stadtrat betreibt einen eigenen Telegram-Kanal. Auf weiteren Kanälen des Messengerdiensts sind weitreichende Zerstörungen in der Stadt dokumentiert. Die Fotos und Videos zeigen zerstörte Gebäude, zuletzt auch die Trümmer des Stadttheaters, das von einer Explosion zerstört wurde und in dem sich nach unterschiedlichen Angaben 500 bis 1.300 Menschen in einem Schutzraum befunden haben sollen. Bis Freitagmittag wurden lediglich 130 von ihnen gerettet.

Fast keine der Angaben lassen sich unabhängig überprüfen. Lediglich zwei Fotojournalisten der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP sind noch vor Ort und berichten.

Fotos und Videos zeigen Zerstörungen

Es ist allerdings möglich, einige der Fotos und Videoaufnahmen zu verifizieren. So stammen die meisten Bilder des zerstörten Stadttheaters vom Telegram-Kanal "Mariupolnow". Dort werden seit Beginn der russischen Invasion Bilder von Angriffen in der Stadt gepostet, auch die offizielle Seite des Stadtrats teilte die Bilder.

Kinder spielen in einem Bunker in Mariupol.
Viele Menschen haben sich in Bunker geflüchtet. Diese Aufnahme stammt bereits vom 9. März. Bildrechte: dpa

Bei den Fotos und Videos vom Stadttheater war etwa eine Geolokalisation möglich, dass heißt, der Ort konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit verifiziert werden. Auch andere Bilder und Videos lassen sich zuordnen.

So postete der tschetschenische Präsident Kadyrow etwa ein Video, auf dem tschetschenische Kämpfer bei einem Feuergefecht in einer teilweise zerstörten Hochaussiedlung zu sehen sind. Die Aufnahme des Video konnte von Internetnutzern mit Hilfe sogenannter OSINT-Techniken im Südosten der Stadt verortet werden.

Stadtrat: 80 Prozent des Wohnungsbestands zerstört

Auf der Telegram-Seite des Stadtrats heißt es zu den Zerstörungen: "Im Durchschnitt werden pro Tag 50 bis 100 Fliegerbomben auf die Stadt abgeworfen. Die Zerstörung ist enorm, nach vorläufigen Schätzungen sind etwa 80 Prozent des Wohnungsbestands der Stadt zerstört, von denen fast 30 Prozent nicht wiederhergestellt werden können."

Auch Satellitenbilder geben Auskunft über die Lage vor Ort: Diese kommen vor allem vom US-amerikanischen Unternehmen Maxar. Sie zeigen jeweils bestimmte Ausschnitte der Stadt aus der Vogelperspektive. Teilweise sind darauf Rauch und auch zerstörte Häuser zu erkennen. Das Problem dabei ist aber: Die Bilder zeigen immer nur kleine Ausschnitte der Stadt – teilweise lassen sich die Zerstörungen von oben auch nicht erkennen, etwa weil Häuser nur an der Front beschädigt sind.

UN: "Die letzten Reserven an Essen und Wasser gehen zu Ende"

Inzwischen gibt es in verschiedenen Medien Augenzeugenberichte von Menschen, die aus der Stadt geflüchtet sind. Sie berichten von vielen Toten und Nahrungsmangel. Das bestätigten auch die Vereinten Nationen. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms sagte am Freitag in Genf: "Die letzten Reserven an Essen und Wasser gehen zu Ende."

Zudem fehlten Versorgungsgüter und Medikamente, was verheerende Konsequenzen haben könne, hieß es vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Immer noch könnten keine Hilfskonvois die Stadt erreichen. Auch sonst sei die Versorgungskette nicht mehr gewährleistet. Aus Angst vor Schüssen zögerten Lkw-Fahrer, sich ans Steuer zu setzen.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 46 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2022 | 16:06 Uhr

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