Krieg in der Ukraine Buchenwald-Überlebender durch Bomben in Charkiw getötet

Der Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und KZ-Überlebende, Boris Romantschenko, ist bei einem Bombenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw getötet worden. Das teilte die Gedenkstätten-Stiftung in Weimar mit.

Buchenwald-Überlebender - bei Bombenangriff in Charkiw getötet
Boris Romantschenko (2.v.r.) bei einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Bildrechte: Michael Reichel / arifoto.de

Ein Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald ist nach Angaben der Gedenkstättenstiftung bei einem Bombenangriff in Charkiw getötet worden. Der 96-jährige Boris Romantschenko sei bereits am Freitag durch einen Angriff auf ein mehrstöckiges Wohnhaus in der ostukrainischen Stadt ums Leben gekommen, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, am Montag.

Das beschädigte Rathausgebäude von Charkiw
Die im Osten der Ukraine gelegene Stadt Charkiw ist seit Beginn des russischen Angriffs heftig umkämpft. Das Bild zeigt das zerstörte Rathaus im Stadtzentrum. Bildrechte: dpa

Mehrere KZ überlebt

"Wir sind zutiefst bestürzt", teilte die Stiftung auf Twitter mit. Romantschenko habe die Konzentrationslager Buchenwald, Peenemünde, Dora und Bergen-Belsen überlebt, schrieb sie weiter. Laut Stiftung war Romantschenko 1942 als Zwangsaerbeiter nach Deutschland verschleppt worden. Nach einem Fluchtversuch kam er 1943 nach Buchenwald.

Er sei Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora gewesen, teilte die Stiftung mit. Seit den 1990er-Jahren sei er auch regelmäßig zu Veranstaltungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers bei Weimar gekommen, sagte Wagner. Seine Wohnung in Charkiw habe Romantschenko seit Monaten nicht verlassen – aus Angst, sich mit Corona zu infizieren.

Entsetzen über Tod

Jens-Christian Wagner hatte sich schon zu Beginn des Krieges in der Ukraine besorgt um die dort lebenden KZ-Überlebenden gezeigt. Es sei "besonders tragisch für die ukrainischen KZ-Überlebenden, die mit den russischen Häftlingen in den Lagern gelitten haben, und die nun im Luftschutzkeller sitzen und von russischen Bomben mit dem Leben bedroht werden", sagte er.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) reagierte entsetzt auf die Nachricht vom Tod Romantschenkos. "Das macht mich fassungslos", erklärte er. "Die Nationalsozialisten haben es nicht geschafft, diesen großen Menschen zu brechen, ihn zu töten – sehr wohl aber das System Putin mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine."

dpa/epd (sra)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2022 | 14:00 Uhr

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