Naturkatastrophe Viele Tote bei Erdbeben in Afghanistan

Im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan hat in der Nacht zum Mittwoch die Erde gebebt. Das Bergland ist abgelegen, Berichte von dort treffen erst nach und nach ein. Nach letzten offiziellen Angaben ist mit mehr als 1.000 Todesopfern zu rechnen.

Afghanen betrachten die Zerstörung durch ein Erdbeben in der ostafghanischen Provinz Paktika
Massive Zerstörungen beim Erdbeben in Afghanistan. Bildrechte: dpa

Bei einem Erdbeben in Afghanistan am späten Dienstagabend sind nach neueren offiziellen Angaben mindestens 1.000 Menschen umgekommen. Die Zahl der Verletzten wurde am Tag danach mit zunächst 600 angegeben.

Ein Sprecher der regierenden Taliban sprach von Dutzenden zerstörten Häusern und Dörfern in den Provinzen Paktika und Chost. Einsatzkräfte versuchten, in die abgelegene Bergregion zu kommen.

Der Leiter der regionalen Informations- und Kulturbehörde, Mohammed Amin Husaifa sagte: "Die Menschen graben ein Grab nach dem anderen." Außerdem seien immer noch Menschen unter Trümmern verschüttet.

Taliban bitten um Hilfe

Die Taliban-Führung bat Hilfsorganisationen um sofortige Unterstützung, "um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern".

Die Vereinten Nationen sprachen von 15 Millionen Dollar, die für die sofortige Hilfe benötigt würden. Diese Zahl gelte nur für die durchgeführten Hilfsmaßnahmen am Mittwoch und werde steigen, sagte der stellvertretende UN-Sonderbeauftragte für humanitäre Angelegenheiten in Afghanistan, Ramiz Alakbarov. Die Vereinten Nationen hätten bereits zehn Tonnen an medizinischen Hilfsgütern in die betroffenen Regionen gebracht sowie Chirurgen und Ärzte. Das Kinderhilfswerk Unicef entsandte mobile Gesundheits- und Ernährungsteams, um den Verletzten erste Hilfe zu leisten.

Bundesregierung sichert Unterstützung zu

Die Bundesregierung hat Afghanistan nach dem schweren Erdbeben humanitäre Hilfe zugesichert. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, auch wenn Deutschland das Taliban-Regime nicht anerkenne, werde die Bundesregierung das Land weiter unterstützen. Man spreche dem afghanischen Volk sein tiefes Mitgefühl aus. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass vorerst kein Einsatz des Technischen Hilfswerks im Erdbebengebiet geplant sei. Bislang liege noch kein internationales Hilfeersuchen vor.

Hauptbeben und Nachbeben registriert

Afghanen bergen ein Opfer nach einem Erdbeben in der ostafghanischen Provinz Paktika
Helfer bergen ein Opfer Bildrechte: dpa

Die US-Erdbebenwarte USGS meldete für das Beben die Stärke 5,9 und ein etwas schwächeres Nachbeben. Demnach befand sich das Zentrum rund 50 Kilometer südwestlich der Stadt Chost in gut zehn Kilometern Tiefe. Indiens Erdbeben-Behörde gab das Beben mit einer Stärke von 6,1 an.

Es ereignete sich demnach gegen 01.30 Uhr Ortszeit an der Grenze zu Pakistan. Ein zweites Beben der Stärke 4,5 ereignete sich laut USGS fast am selben Ort zur selben Zeit.

Ein Helfer des Roten Halbmond geht zu einem Hubschrauber. 2 min
Bildrechte: dpa
2 min

Es mangelt unter anderem an Krankenwagen und Zelten

MDR AKTUELL Mi 22.06.2022 16:05Uhr 02:12 min

https://www.mdr.de/mdr-aktuell-nachrichtenradio/audio/audio-2061160.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Erschütterungen auch in Ost-Pakistan

Eingestürztes Hausdach
Schäden durch das Erdbeben in der Nacht Bildrechte: dpa

Nach Angaben aus Pakistan waren Erschütterungen bis in die Hauptstadt Islamabad und sogar in Lahore im Osten zu spüren. Mancherorts habe es Panik gegeben. Über Schäden oder Opfer dort war noch nichts bekannt.

Erdbeben sind in Afghanistan und vor allem in der Bergkette Hindukusch keine Seltenheit. Wegen der mangelhaften Bausubstanz vieler afghanischer Häuser sind die Schäden oft verheerend.

Quellen: dpa/AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2022 | 10:00 Uhr

Mehr aus der Welt

Nachrichten

Henning Otte, CDU-Bundestagsabgeordneter, spricht vor einer Sitzung des Verteidigungsausschusses. 7 min
Bildrechte: dpa
Überschwemmungen in der österreichischen Gemeinde Treffen 1 min
Bildrechte: Eurovision
1 min 29.06.2022 | 17:07 Uhr

Im österreichischen Kärnten hat es schwere Überschwemmungen und Erdrutsche gegeben. Einige Gemeinden sind von der Außenwelt abgeschnitten. Mehrere Menschen werden verletzt.

Mi 29.06.2022 16:27Uhr 00:42 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-634660.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video