Queen Elizabeth II. beim abendlichen Defilee im Schloss Bellvue, Berlin
Mehr als 70 Jahre saß die britische Königin Elizabeth II. auf dem Thron. Bildrechte: imago/photothek

Nachruf auf Queen Elizabeth II. Ein Leben im Zeichen der Krone

08. September 2022, 20:29 Uhr

Dass ein Monarch aus Altersgründen abdankt, ist im britischen Königreich nicht vorgesehen. Bis ins hohe Alter hatte damit Queen Elizabeth den Thron inne, über 70 Jahre lang war sie das Symbol der Royals. Nun ist sie im Alter von 96 Jahren gestorben.

In die Geschichte geht sie als dienstälteste Monarchin aller Zeiten ein: Queen Elizabeth II.. Gerade einmal 25 Jahre war sie alt, als im Februar 1952 ihr Vater George VI. starb und sie damit Königin wurde.

Dass sie so früh das Staatsoberhaupt von Großbritannien und Nordirland sowie von 16 weiteren Ländern sein würde, hatte sie selbst nicht erwartet. Doch war die junge Frau auf ihre staatstragende Rolle vorbereitet. Bereits an ihrem 21. Geburtstag legte sie einen Schwur ab, der im gesamten Empire per Radio übertragen wurde. Darin erklärte sie, ihr gesamtes Leben, ob es lang oder kurz währen würde, dem Dienst am Volk und der großen Familie des Empires zu widmen. Eine Königin, so war ihre Sicht, herrscht nicht, sondern dient ihrem Land. Genau dafür stand Elizabeth II. ihr gesamtes Leben lang.

Politische Neutralität

Als Regentin in der britischen konstitutionellen Monarchie hatte sie aber auch nur wenig Spielräume. Ein Monarch muss sich in Großbritannien politisch neutral verhalten, darf nicht einmal wählen. Selbst die Reden werden zumeist von anderen geschrieben. Was die Queen beispielsweise über den Brexit dachte, wurde nie bekannt. Allerdings: Wenn die Regierung ein völlig absurdes Gesetz beschließen würde, könnte das britische Staatsoberhaupt als letzte Notbremse die Unterschrift unter dem Gesetz verweigern. Gemacht hat das die Queen aber nie.

Über sieben Jahrzehnte Beständigkeit

In ihrer gesamten Thronzeit absolvierte Elizabeth II. jedes Jahr hunderte Termine, auch als sie längst im hohen Alter war. Sie galt als extrem fleißig, was die Repräsentationspflichten anging. Regelmäßig ließ sie sich vom aktuellen Premier des Landes über die Staatsgeschäfte unterrichten.

Als sie als junge Frau die Krone übernahm, führte Winston Churchill die Regierungsgeschäfte. Ihm folgten 13 weitere Premierminister in der Queen-Ära. Höfliche Beziehungen pflegte Elizabeth II. aber zu Politikern aller Parteien. Während die Regierungen und die politischen Zeiten wechselten, verkörperte sie auf dem Thron Beständigkeit, Stabilität, Beharrlichkeit.

Sympathie für Monarchie schwankt

Queen Elizabeth II, Prinz William und Prinz George and Prinzessin Charlotte, Prinz Harry und Meghan Markle, Prinz Charles, Prinz von Wales and Kate, Herzogin von Cambridge, Prinz Andrew
Das Königshaus hatte immer wieder mit Skandalen zu kämpfen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Albert Nieboer

Dass hieß nicht, dass die Queen keine Erschütterungen überstehen musste. Regelmäßig kommt auf der Insel die Frage auf, wie zeitgemäß eigentlich die Monarchie noch ist, die es seit 1688 gibt und die eine große Summe des britischen Staatshaushalts ausmacht. Die einfache Formel lautet: Sind die Royals von eigenen Affären angeschlagen, sinkt auch die Zustimmung für sie.

So geschehen in den 1990er-Jahren, damals war die britische Monarchie äußerst angeschlagen: Drei der vier Königskinder waren geschieden, im November 1992 verwüstete ein Feuer Teile von Windsor Castle, eine der Hauptresidenzen der Queen. Das Unterhaus lehnte es damals ab, die nicht versicherten Verluste aus der Staatskasse zu decken. Den Wiederaufbau möge das Staatsoberhaupt selbst finanzieren, hieß es. Das Privatvermögen der Queen wird nach Medienberichten auf rund 456 Millionen Euro geschätzt.

Tod von Lady Di löste Krise aus

Besonders in die Kritik geriet die Queen nach dem Tod der äußerst beliebten Prinzessin Diana, der Ex-Frau von Prinz Charles. Als die Meldung am 31. August 1997 um die Welt ging, setzte die königliche Familie ihren Sommerurlaub auf Schloss Balmoral in Schottland fort, als ob nichts geschehen sei. Die Medien monierten das Schweigen der Queen, warfen ihr Gefühlskälte vor – angesichts der Massentrauer, die im Land herrschte.

Der öffentliche Druck bewirkte, dass sich Elizabeth in einer Fernsehansprache zum Tod von Diana äußerte, eine Trauerfeier in der Westminster Abbey ansetzte und die Flaggen auf dem Buckingham-Palast auf halbmast setzen ließ. Während Lady Di nach ihrem Tod den Beinamen "Königin der Herzen" bekam, fand das Volk nur langsam zu Elizabeth zurück. Sie war das Gegenstück zu Diana: beherrscht, streng und unnahbar – ob als Regentin oder als Familienoberhaupt.

Hunde und Pferde an erster Stelle

So diszipliniert Elizabeths Thronzeit war, so unbeschwert war noch ihre Kindheit: Eine Schule besuchte sie nie, stattdessen wurde sie von einem Hauslehrer unterrichtet – neun Stunden die Woche.

Ein Verfassungsrechtler erklärte ihr das Verhältnis von Staat und Krone, er vermittelte ihr eine Vorahnung, von dem, was kommen sollte. Ihre Nachmittage verbrachte Elizabeth in der Natur, oft in Begleitung von Pferden und Hunden. Sie lernte, auf Jagd zu gehen oder den Motor eines Lasters zu reparieren.

Königin Elizabeth und Prinz Charles
Prinz Charles wird seiner Mutter auf den Thron folgen. Bildrechte: imago images / PA Images

Von ihren Biografen wurde Elizabeth als humorvoll und scharfsinnig beschrieben. "Sie mag Hunde, Pferde, Männer und Frauen, in dieser Reihenfolge", schrieb einmal Queen-Biograf Graham Turner. Ihr Sohn Prinz Charles soll sich einmal bitter beklagt haben, dass sie nach einer sechsmonatigen Reise zunächst zu einem Pferderennen gegangen sei, als zuerst ihn zu sehen – er war damals fünf. Zeitlebens musste ihr ältester Sohn formell um einen Termin bei ihr bitten und sie mit "Ihre Majestät" anreden. Charles wird sie nun auf dem Thron beerben.

Ehe mit Prinz Philip

An ihrer Seite begleitete sie zeitlebens ihr Ehemann Prinz Philip, ein Cousin dritten Grades von ihr. Dass sich die beiden im November 1947 das Ja-Wort gaben, stimmte Elizabeths Familie nicht gerade glücklich. Philip galt als mittellos, war im Ausland geboren, seine Schwestern waren mit deutschen Adligen verheiratet, die Verbindungen zu den Nationalsozialisten hatten.

Doch Elizabeth blieb auch in dieser Frage beharrlich: Sie wollte genau diesen Ehemann. In schweren Zeiten war ihr Philip auch immer eine wichtige Stütze. Doch erlebten die beiden auch Ehekrisen. Im Oktober 1956 reiste er allein nach Melbourne zu den Olympischen Spielen und kam erst vier Monate später im Februar 1957 wieder zurück. Die Medien berichteten damals von einer Affäre Philips, die Elizabeth umgehend dementieren ließ.

Skandale um Sohn Andrew und Enkel Harry

Doch Affären und Skandale kommen nun mal im "besten Hause" vor. Gerade die Royals können davon ein Lied singen. Jüngstes Beispiel ist der Skandal um "Randy-Andy". Prinz Andrew, der Lieblingssohn der Queen ist in den Missbrauchsskandal um den US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein verstrickt. Virginia Roberts Giuffre, ein mutmaßliches Opfer des 2019 tot in einer Zelle aufgefundenen Multimillionärs, hatte behauptet, zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden zu sein. Andrew wies das jahrelang zurück, einigte sich im Februar 2022 dann aber überraschend außergerichtlich mit Giuffre.

Und auch die Verwerfungen mit Prinz Harry nach dessen Heirat mit Meghan Markle und dem Umzug der beiden in die USA samt Abrechnung mit dem britischen Königshaus haben diesem ordentlich zugesetzt.

Tod von Ehemann nimmt Queen sichtlich mit

Beerdigung Prinz Philip
Trauerfeier im kleinen Kreis: Abschied von Prinz Philip auf Schloss Windsor. Bildrechte: IMAGO / Starface

Bei allen Skandalen und Krisen – die Queen bewies stets unerschütterlich Haltung. Der Tod ihres Ehemanns Prinz Philip im April 2021, nach 73 Ehejahren, erschütterte Elizabeth dann aber sichtlich. Die Trauerfeier auf Schloss Windsor, die wegen der Coronavirus-Pandemie nur in kleinem Kreis stattfand, zeigte ganz deutlich, wie sehr die Königin unter dem Verlust ihres Mannes litt.

In den Monaten danach nahm sie deutlich weniger Termine wahr, sie sagte eine Nordirland-Reise ab und Ende Oktober dann auch ihre Teilnahme am UN-Klimagipfel in Schottland. Im Februar 2022 bekam sie Corona. In der Folge sagte der Palast erneut mehrere Termine ab.

Bei den Feiern zum 70-jährigen Thronjubiläum im Juni 2022 zeigte Elizabeth dann noch einmal, welche Rolle Beständigkeit und Pflichterfüllung für sie spielten. Mehrfach erschien sie – die zu diesem Zeitpunkt schon als gesundheitlich angeschlagen galt – in einem taubenblauen Kleid auf dem Balkon des Buckingham Palace und winkte den zehntausenden Schaulustigen zu. Die dankten es ihr mit lautem Jubel. Die Verwerfungen zwischen Elizabeth und ihrem Volk in den 1990er Jahren: vergessen.

Nun ist Queen Elizabeth II. gestorben, nach mehr als 70 Jahren im Zeichen der Krone – das wird ihr so bald niemand nachmachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. September 2022 | 20:00 Uhr

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