Stockholm "Alternativer Nobelpreis" geht in die Ukraine

Der als Alternativer Nobelpreis bekannte Right Livelihood Award geht in diesem Jahr nach Somalia, Venezuela, Uganda und erstmals auch in die Ukraine.

Der alternative Nobelpreis, eine von Eva Hild im Jahr 2020 geschaffene Skulptur, hergestellt aus eingeschmolzenen illegalen Schusswaffen die in Konfliktgebieten beschlagnahmt wurden.
Estmals geht der als Alternativer Nobelpreis bekannte Right Livelihood Award in die Ukraine. Bildrechte: picture alliance/dpa/Right Livelihood Foundation

Die in Kiew ansässige Menschenrechtsaktivistin Olexandra Matwijtschuk und ihr Center for Civil Liberties werden in diesem Jahr mit dem Right Livelihood Award geehrt. Das gab die gleichnamige Stiftung am Donnerstag in Stockholm bekanntgab. Weitere Preisträger seien die somalischen Menschenrechtsaktivistinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman, das venezolanische Kollektiv Cecosesola und das Africa Institute for Energy Governance (Afiego) aus Uganda.

Stiftungsdirektor Ole von Uexküll sagte die Preisträgerinnen und Preisträger 2022 seien "praktischen Visionäre", die sich eine bessere Welt vorstellten  und unermüdlich daran arbeiteten, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Die Auszeichnung solle Menschen in aller Welt demonstrieren, dass jeder die Macht habe, Veränderungen zu bewirken.

Ukrainerin Matwijtschuk dokumentiert Kriegsverbrechen

Oleksandra Matviichuk vom Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL)
Olexandra Matwijtschuk Bildrechte: picture alliance/dpa/Right Livelihood Foundation

Matwijtschuk und ihr Center for Civil Liberties werden laut von Uexküll für den Aufbau nachhaltiger demokratischer Institutionen in ihrem Land gewürdigt – und auch dafür, Wege zu öffnen, damit Kriegsverbrechen strafrechtlich verfolgt werden können. Matwijtschuk berichtete, dass man in ihrem Land in den vergangenen sieben Monaten russischer Aggressionen rund 19.000 Vorfälle von Kriegsverbrechen dokumentiert habe, darunter Folter und Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. Matwijtschuk ist die erste Preisträgerin aus der Ukraine. Bislang haben den Preis Menschen und Organisationen aus mehr als 70 anderen Ländern erhalten.

 Weitere Preise nach Afrika und Südamerika

Ilwad Elman (l) und Fartuun Adan
Ilwad Elman (li.) und Fartuun Adan Bildrechte: picture alliance/dpa/Right Livelihood Foundationn | Courtesy of Elman Peace

Die Somalierin Fartuun Adan und ihre Tochter Ilwad Elman werden für ihren Einsatz für Frieden, Entmilitarisierung und Menschenrechte in ihrem ostafrikanischen Heimatland geehrt. Das Kollektiv Cecosesola setzt sich in Venezuela für eine gerechtere Alternative zu profitorientierten Wirtschaftsmodellen ein, während das Afiego in Uganda für Klimagerechtigkeit und die Rechte derjenigen einsteht, die bei Energieprojekten in dem afrikanischen Land ausgebeutet werden.

 "Alternativer Nobelpreis" seit 1980

Der  Right Livelihood Award wird seit 1980 verliehen. Die Stiftung will damit nach eigenen Angaben Menschen und Organisationen ehren, die sich mutig und entschlossen den größten Problemen der Welt entgegenstellen. Dazu zählt die Stiftung vor allem den Kampf für Menschenrechte und Frieden sowie gegen die Klimakrise und Umweltprobleme. Der Preis wird zumeist als alternativer Nobelpreis bezeichnet,  weil der Urheber Jakob von Uexküll sich zuvor vergeblich bemüht hatte, bei der Nobelstiftung in Stockholm einen weiteren Nobelpreis, für Ökologie und Entwicklung, zu etablieren.

Meist ehrt die Preisjury international eher unbekannte Persönlichkeiten und Organisationen, um ihnen größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zu den früheren Right-Livelihood-Preisträgern gehören aber auch die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der US-Whistleblower Edward Snowden und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

MDR, DPA, AFP, KNA

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. September 2022 | 09:00 Uhr

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