Menschen halten Plakate während einer Demonstration, um die Freilassung israelischer Geiseln der palästinensischen Terrororganisation Hamas zu fordern.
Bei einer Demonstration wird die Freilassung israelischer Geiseln der palästinensischen gefordert. Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Leo Correa

Nahost-Konflikt Tausende protestieren gegen Regierung in Israel

21. Januar 2024, 20:42 Uhr

In Israel haben am Samstag tausende Menschen gegen die Politik von Regierungschef Netanjahu protestiert. Sie fordern unter anderem die Freilassung von Geiseln. Im Irak ist unterdessen eine von US-Soldaten genutzte Militärbasis angegriffen worden.

Hintergrund Die Berichterstattung aus dem Gazastreifen ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige Journalistinnen und Journalisten vor Ort sind. Informationen zu den Kampfhandlungen kommen vor allem von der israelischen Regierung und von der im Gazastreifen herrschenden Terrororganisation Hamas, die nur schwer überprüft werden können.

Während Israels Armee die Kämpfe im Gazastreifen fortsetzt und in der Folge die Spannungen im gesamten Nahen Osten zunehmen, schlägt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im eigenen Land scharfer Gegenwind entgegen. Tausende Menschen demonstrierten am Samstag in Israel gegen ihn und seine Regierung und forderten das sofortige Ende des Kriegs, um die noch mehr als 100 Geiseln in der Gewalt von Hamas-Terroristen im Gazastreifen freizubekommen.

Angehörige von Geiseln fordern Ende der Kämpfe

"Stellt die Kämpfe ein, bezahlt den Preis!", zitierten israelische Medien einen der Teilnehmer einer Protestkundgebung gegen Israels Regierungschef Netanjahu in Israels Küstenstadt Tel Aviv, dessen Cousin unter den in Gaza festgehaltenen Geiseln ist.

Netanjahu und seine Mitstreiter sagen hingegen, dass nur die militärische Niederringung der Hamas zur Befreiung der Entführten führen könne. Derzeit werden in dem Küstengebiet noch 136 Geiseln festgehalten. Israel geht davon aus, dass etwa 25 Geiseln nicht mehr am Leben sind.

Verlies in Chan Junis entdeckt

In einem Tunnel unter dem Haus eines Hamas-Terroristen in der heftig umkämpften Stadt Chan Junis im Süden Gazas entdeckte die Armee ein Verlies, in dem 20 Geiseln festgehalten worden seien. Sie hätten sich dort zu unterschiedlichen Zeiten befunden, einige von ihnen seien inzwischen durch einen Austausch gegen palästinensische Häftlinge freigekommen, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. Er zeigte auch Abbildungen von Kinderzeichnungen, die ein fünfjähriges Mädchen angefertigt haben soll, das unter den Ende November freigelassenen Geiseln war.

Angriff auf Stützpunkt mit US-Soldaten im Irak

Unterdessen ist im Irak nach US-Angaben eine von US-Soldaten genutzte Militärbasis angegriffen worden. Vom Iran unterstützte Kämpfer im West-Irak hätten mehrere Raketen auf den Stützpunkt Ain Al-Assad abgefeuert, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs auf der Plattform X, vormals Twitter, am Samstag mit.

Die meisten Raketen seien von der Luftabwehr abgefangen worden, andere seien auf der Basis eingeschlagen. Eine Reihe US-Soldaten werde medizinisch untersucht. Mindestens ein irakischer Soldat sei verwundet worden.

Als Reaktion auf Israels Militäreinsatz in Gaza haben proiranische Milizen in den vergangenen Wochen ihre Angriffe auf US-Stützpunkte im Irak und in Syrien verstärkt. Der Angriff auf die Basis Ain Al-Assad erfolgte nur Stunden nach einem mutmaßlich israelischen Luftschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bei dem fünf Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde getötet wurden, darunter vier "Militärberater" und ein Soldat, wie die Eliteeinheit mitteilte.

Netanjahu widerspricht Biden zur Zweistaatenlösung

Die USA drängen zur Lösung der Krise auf die Schaffung eines eigenständigen palästinensischen Staates. Israels Ministerpräsident Netanjahu wies jedoch am Samstagabend die Darstellung von US-Präsident Joe Biden zurück, eine Zweistaatenlösung nach dem Gaza-Krieg sei mit ihm als Regierungschef machbar.

"Ich werde keine Kompromisse eingehen, wenn es um die volle israelische Sicherheitskontrolle über das gesamte Gebiet westlich des Jordans geht - und das steht im Widerspruch zu einem palästinensischen Staat", schrieb Netanjahu auf der Plattform X (vormals Twitter).

USA: Zerstörung der Hamas noch weit entfernt

Das "Wall Street Journal" berichtete am Sonntag, nach einer Schätzung der US-Geheimdienste sei es Israel bislang nur gelungen, 20 bis 30 Prozent der Hamas-Kämpfer zu töten. Damit sei Israel noch weit entfernt von seinem Ziel einer Zerstörung der terroristischen Organisation.

Die USA gingen davon aus, dass die Hamas genug Munition habe, um Israel und israelische Truppen in Gaza noch monatelang anzugreifen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht genannte US-Regierungsbeamte, die einen entsprechenden Bericht der Geheimdienste bestätigten.

Die Hamas versucht demnach auch, ihre Polizeikräfte in Teilen der Stadt Gaza wieder aufzubauen. Die US-Regierung habe daher ihre Erwartungen an die Kriegsziele heruntergestuft, von einer Zerstörung der Hamas zu einer Abschwächung der Sicherheitsbedrohung. Das Ziel der Hamas sei lediglich, den Krieg zu überleben.

Hamas: Über 25.000 getötete Palästinenser

Die Zahl der bei israelischen Angriffen im Gazastreifen getöteten Palästinenser ist auf über 25.000 gestiegen. Seit Beginn der Angriffe am 7. Oktober seien über 25.000 Palästinenser ums Leben gekommen, teiltê die von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mit. 62.681 Palästinenser seien verletzt worden. Nach UN-Angaben handelt es sich bei rund 70 Prozent davon um Frauen und Minderjährige.

AFP,dpa(yvo)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Januar 2024 | 11:00 Uhr

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