Wer braucht schon Barmherzigkeit?

Fragt man den Papst, ist die Antwort klar. Die ganze Welt, wir alle brauchen sie. Deshalb hat Franziskus das Jahr 2016 zum "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" gemacht und das ganze gleich mal außerplanmäßig.

Üblicherweise ruft der Papst nur alle 25 Jahre zu einem Heiligen Jahr auf. Eine Tradition, die so bereits seit dem Mittelalter existiert. Demnach wäre es 2025 wieder soweit gewesen. Aber solange wollte der Heilige Vater nicht warten. Und deshalb heißt es seit dem 8. Dezember 2015 außerordentlich: "Seid barmherzig wie der himmlische Vater".

Barmherzigkeit gilt als eine Leitlinie im Pontifikat von Franziskus. Die Kirche selbst habe sie nötig und auch ihre Mitglieder – Andere nicht verurteilen, sie nicht verdammen, sondern den Mitmenschen verzeihen und sich in Nächstenliebe üben – so zumindest wünscht es sich das Kirchenoberhaupt.

Wie genau geht eigentlich "barmherzig"?

Barmherzigkeit kann man auf unterschiedliche Art und Weise leben. Sieben leibliche und sieben geistige Werken der Barmherzigkeit kennt die katholische Kirche.

Das Heilige Jahr dient in der katholischen Kirche der inneren Einkehr, der persönlichen Glaubenserfahrung, dem Pilgern und der Umkehr. Es fordert dazu auf, die Beziehung mit Gott und zu den Mitmenschen zu erneuern. Wer sich in Barmherzigkeit üben will, sollte die sieben Werke derselben kennen.

Sieben leibliche Werke der Barmherzigkeit

  • Hungrige Speisen
  • Durstige tränken
  • Nackte kleiden
  • Kranke pflegen
  • Fremde beherbergen
  • Gefangene besuchen
  • Tote bestatten

Sieben geistige Werke der Barmherzigkeit

  • Unwissende lehren
  • Zweifelnden raten
  • Irrende zurechtweisen
  • Trauernde trösten
  • Unrecht ertragen
  • Beleidigungen verzeihen
  • Für Lebende und Tote beten

Warum jetzt eigentlich ein "Heiliges Jahr"?

Ein Heiliges wurde erstmals im Jahr 1300 von Papst Bonifatius VIII. ausgerufen, als Zeit besonderer Gnade und geistlicher Erneuerung – und als Zeit vereinfachter Ablassmodalitäten, als eine Art Vergebung der Sünden. Zu Beginn des Heiligen Jahres wird im Petersdom in Rom feierlich die Heilige Pforte geöffnet, die von Pilgern auf der Suchen nach Ablass nur in Heiligen Jahren durchschritten werden kann.

Barmherzigkeit ist gut, Ablass ist besser

Wer während des Heiligen Jahres durch eine Heilige Pforte in Rom oder anderswo schreitet und danach im Gebet die "letzten, inneren Schritte des Pilgerweges" geht, erhält den Ablass von seinen Sünden und den wiederum braucht der gläubige Katholik, um seine Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Beichte, Reue und Wiedergutmachung allein reichen nicht aus.

Und Franziskus wäre nicht Franziskus, würde er sich damit zufrieden geben, dass es Heilige Pforten – wie bislang – nur in Rom geben kann.

So werden diese Jahr zum ersten Mal in der langen Geschichte des Heiligen Jahres auch weltweit Bischofskirchen, Wallfahrtskirchen oder andere Kirchen Heilige Pforten ausweisen und diese öffnen.

Pforten allerorten

In Mitteldeutschland haben die Bischöfe dafür insgesamt sechs Kirchen ausgesucht:

Drei davon allein im Bistum Dresden-Meißen. Wer sucht, kann dies in der Wallfahrtskirche Mariä Aufnahme in den Himmel in Rosenthal, der Kathedrale Sanctissimae Trinitatis, der ehemaligen Katholische Hofkirche in Dresden und  der Basilika Heilig Kreuz im Kloster Wechselburg finden.

Im Bistum Magdeburg ist die Kathedrale St. Sebastian dabei, der Dom St. Marien in Erfurt und die Wallfahrtskirche Christus der Erlöser in Bebendorf öffnen für das Bistum Erfurt ihre Pforte.