Nachgefragt: Dr. Frank Härtel, Suchtbeauftragter der Landesärztekammer Sachsen (2018) "Wir brauchen mehr Aufklärung"

Nach der Voraufführung der MDR-Staffel "Der Trocken-Doc - Alkoholfrei leben" Anfang November in Dresden befragten wir auch den Suchtbeauftragter der Landesärztekammer, Dr. Frank Härtel, zum Thema. Der Zwickauer war lange Jahre Facharzt für Psychotherapie, Neurologie und Psychatrie sowie Klinikchef.

Was müsste sich aus Ihrer Sicht als allererstes ändern an unserem Umgang mit Alkohol?

Ich glaube, wir brauchen als erstes mehr Aufklärung, aber auch die Rückkehr zu einem festen Rahmen. Insbesondere in drei Punkten: Wir brauchen eine 0,0-Promille-Grenze im Straßenverkehr. Dafür sind aus meiner Sicht viel mehr politische Anstrengungen nötig als bisher. Wir brauchen als nächstes eine Erziehung, die gerade den jungen Leuten beibringt, dass Rauschtrinken keine Lösung und keine Stärke ist. Vergleichen Sie, was wir in den letzten Jahren da auf dem Feld des Nikotinmissbrauchs erreicht haben. Drittens sollten wir junge Frauen, die sich ein Kind wünschen, intensiv darüber aufklären, dass ein Schluck Alkohol ein Schicksal vernichten kann. Denn es gibt keine Dosis Alkohol, die nachweislich schadlos ist für das Kind. Abstinenz während der Schwangerschaft ist deswegen ein elementares Gebot, um gesunde Kinder zur Welt zu bringen.

Wann muss ich mir über mein Trinkverhalten Gedanken machen? Wann würden Sie sagen, dass es riskant ist?

Wenn ich nicht aufhören kann, wenn ich es eigentlich will. Wenn ich nicht Tage oder Wochen ohne Alkohol auskommen kann und wenn ich im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum am nächsten Tag Erscheinungen habe, etwa Unruhe, Händezittern oder besondere Schweißneigung. Dann brennt die Luft und dann brauche ich Unterstützung, die finde ich in einer Beratungsstelle, beim Hausarzt oder auch bei einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Wer mehr Zutrauen zu einer Selbsthilfegruppe hat, kann auch dort den Anfang machen, um wieder auf einen gesunden Kurs zurückzukommen.