6. Dezember Nikolaus von Myra - der heilige Nikolaus

Nikolaus von Myra, der wohl berühmteste und als Sankt Nikolaus beliebteste Heilige, war schon vor der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ab dem 19. Jahrhundert über alle Maßen bekannt. Doch wie wurden Nikolaus und seine Wohltätigkeit mit Winter und Weihnachten in Verbindung gebracht? Wo die historischen Ursprünge dieser Figur liegen und welche Legenden um sie entstanden, das erfahren Sie hier.

Diese Skulptur in Myrna/Türkei zeigt den Heiligen Nikolaus umringt von Kindern und mit einem Sack über der Schulter.
Skulptur des Heiligen Nikolaus in Myrna/Türkei Bildrechte: dpa

Vermutlich stammt der "reale" Nikolaus aus Lykien, im Südwesten Kleinasiens, der heutigen Türkei, und war Bischof der römischen Provinzhauptstadt Myra. Er kam aus einer wohlhabenden Familie und verschenkte nach dem Tod seiner Eltern sein Erbe an die Armen.

Zur Zeit der Christenverfolgung unter Dokletian war er im Gefängnis, kam jedoch wieder frei. 20 Jahre später nahm er am Konzil von Nicäa (325) teil, wo er temperamentvoll gegen den Arianismus kämpfte. Ob er den Märtyrertod starb, ist ungewiss.

Arianismus
Der Theologe Arius (um 250-336) lehnte die Wesensgleichheit Jesu mit Gott dem Vater ab. Er bezeichnete Christus vielmehr als Geschöpf Gottes, das besonders ausgezeichnet sei. Diese Lehre stand im Gegensatz zur Trinitätslehre, die den Schöpfer, den Heiligen Geist und Christus als unteilbares Ganzes verstand. Sie fand schnell zahlreiche Anhänger und drohte die Kirche zu spalten.



Arius Ideen wurden 325 auf dem Konzil von Nizäa als ketzerisch verurteilt. Sowohl Bazillus der Große als auch Gregor von Nazianz traten für den trinitarischen Glauben ein. So wurde der Streit auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 endgültig zugunsten des Trinitarismus entschieden. Dennoch folgte der römische Kaiser Valens (regierte 364-378) der arkadischen Lehre und verfolgte ihre Gegner. Sein Nachfolger Theodosius bekannte sich wieder zum nicänischen Bekenntnis, das in allen großen Kirchen zum zentralen Dogma wurde.

Drei goldene Kugeln und andere Legenden

Ikone des heiligen Nikolaus
Ikone des heiligen Nikolaus Bildrechte: imago/imagebroker/schauhuber

Eine Legende berichtet von drei Mädchen, denen Nikolaus jeweils einen Sack voll Gold als Mitgift gegeben haben soll, um sie vor der Prostitution zu bewahren. An diese sprichwörtliche Großzügigkeit des Nikolaus erinnern auch drei goldene Kugeln, die häufig vor Pfandhäusern angebracht sind. Auch soll Nikolaus ein Schiff vor dem Schiffbruch bewahrt haben, was ihn zum Schutzheiligen der Seefahrer macht. Eine weitere Legende erzählt von einem Fleischer, der drei Knaben tötete, um ihr Fleisch zu pökeln und zu verkaufen. Nikolaus entdeckte das Verbrechen und erweckte die Jungen wieder zum Leben. Kaiser Konstantin baute ihm zu Ehren eine Basilika in Konstantinopel.

Im Laufe der Jahrhunderte avancierte Nikolaus zu einem der am meisten verehrten Heiligen der Ost- und Westkirchen. Viele Legenden über seine Wohltätigkeit wurden gesponnen. In Nordeuropa verwob sich der Nikolauskult wahrscheinlich mit den nordischen Mythen von Thor. Deshalb brachte man Nikolaus mit winterlicher Stimmung und Dingen wie Schnee, Nüssen und Stechpalmen in Verbindung.

Die Truppen der süditalienische Stadt Bari überfielen im Jahr 1087 die Stadt Myra und raubten die Gebeine des Heiligen Nikolaus. Einer Überlieferung zufolge sollen die Reliquien später dann von Bari in die Jerpoint-Abtei im irischen County Klicken überführt worden sein.

Stiefel vor der Tür

In Deutschland und den Niederlanden entstand der Brauch, dass der heilige Nikolaus den Kindern in der Nacht Geschenke brachte. Dies gab im 19. Jahrhundert den Anstoß zu seiner Verwandlung in den Weihnachtsmann Santa Claus (abgeleitet vom holländischen Sinterklaas). Holländische Siedler brachten den Nikolausbrauch nach Amerika.

Das undatierte Archivbild zeigt den Karikaturisten Thomas Nast. Er gilt als «Erfinder» des Weihnachtsmanns und als «Begründer der amerikanischen Karikatur».
Der in Deutschland geborene und Amerika berühmt gewordene Pressezeichner Thomas Nast Bildrechte: dpa

Der eigentliche Erfinder des heute verbreiteten Bildes vom Nikolaus als rundlichen Weihnachtsmann war der Karikaturist Thomas Nast (1840-1902), der 1846 aus dem pfälzischen Landau mit seiner Familie in die USA auswanderte.

Dort wurde er zum bedeutendsten amerikanischen Karikaturisten des 19. Jahrhunderts und prägte viele amerikanische Symbole und den Präsidentschaftswahlkampf. Für das populäre Blatt "Harper’s Weekly" zeichnet er 1862 seine berühmteste Figur: Santa Claus.

Nikolaus legt was in den Stiefel
Brauch: Nikolaus der Gute beschenkt die Guten. Wer böse war, kommt in den Sack. Bildrechte: Colourbox

Das Brauchtum um den Heiligen Nikolaus ist ziemlich ausgeprägt. Am Vorabend des 6. Dezember, dem Todestag des Heiligen, besucht ein Mann mit weißem Bart - oft in Begleitung von Knecht Ruprecht - die Kinder und beschenkt oder tadelt sie. Vor die Tür gestellte Stiefel müssen geputzt sein, dann füllt Nikolaus sie mit Süßigkeiten. In den Alpenländern treiben am Nikolaustag vermummte Gestalten - die sogenannten Klausen - ihr Unwesen. Im süddeutschen Raum, vor allem in Bayern, ersetzt Nikolaus seit dem Mittelalter Erasmus als Nothelfer. Im Osten ist Nikolaus nach Maria der meistverehrte Heilige.

Bischofsspiel in Klosterschulen

Die Verehrung des Nikolaus in Deutschland entwickelte sich zunächst im 10. Jahrhundert im Rheinland. Gefördert wurde sie von Kaiserin Teophanu, der griechischen Ehefrau Kaiser Ottos II. Ebenfalls im 10. Jahrhundert entstand in Deutschland der Braucht, der bis heute erhalten blieb: Nikolaus besucht und beschert die Kinder. Das entwickelte sich aus folgender Geschichte. In den Klosterschulen gab es damals das sogenannte Bischofsspiel. Dabei übernahm einmal im Jahr ein Schüler die Funktion des Abtes oder auch des Bischofs und "herrschte" über das Kloster oder die Schule. Zunächst gab es dieses Spiel immer am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder. Im 13. Jahrhundert wurde es auf den 6. Dezember verlegt.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 15:08 Uhr