Drei Sachsen-Anhalt-Karten mit verschiedenen Einfärbungen.
In einem Ort noch stärkste Kraft, im Nachbarort abgeschlagen auf dem letzten Platz: Parteihochburgen in Sachsen-Anhalt grenzen oftmals an Orte, in denen die jeweiligen Parteien kaum punkten konnten. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Datenanalyse der Kommunalwahl Diese Ergebnisse überraschen in den Gemeinden

Parteihochburgen, Senkrechtstarter und eine Freiwillige Feuerwehr als stärkste Kraft im Ort: MDR SACHSEN-ANHALT wirft einen Blick auf überraschende Kommunalwahl-Ergebnisse in den Daten aller 218 Gemeinden.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Drei Sachsen-Anhalt-Karten mit verschiedenen Einfärbungen.
In einem Ort noch stärkste Kraft, im Nachbarort abgeschlagen auf dem letzten Platz: Parteihochburgen in Sachsen-Anhalt grenzen oftmals an Orte, in denen die jeweiligen Parteien kaum punkten konnten. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Wo die meisten Nicht-Wähler wohnen

Landesweit haben etwas mehr als Hälfte (53,8 Prozent) aller Wahlberechtigten bei der Kommunalwahl ihre Stimme abgegeben. Spitzenreiter auf Gemeindeebene waren Gutenborn (71,8 Prozent) und Schnaudertal (70,5 Prozent) – zwei benachbarte Orte im Burgenlandkreis am südlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts. Im Gegensatz dazu lag in der Kreisstadt Haldensleben (Börde) die Wahlbeteiligung nur bei 38,7 Prozent – das Schlusslicht aller Gemeinden.

Wie hoch die Wahlbeteiligung in Ihrer Gemeinde war, erfahren Sie beim Klick auf die Karte:

Freiwillige Feuerwehr ist stärkste Kraft

Während in rund 60 Prozent aller Gemeinden die CDU die meisten Stimmen holte, gab es im Kreis Mansfeld-Südharz eine kleine Überraschung. In den Gemeinden Ahlsdorf (28,7 Prozent) und Klostermansfeld (45,5 Prozent) war die Wählergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Mansfelder Land die stärkste Kraft. Für den Mansfelder Kreistag bedeutet das einen Stimmenanteil von 2,4 Prozent.

Noch erfolgreicher war die Wählergruppe "Pro Altmark", eine unabhängige Wählerliste, die sich im Zuge der Aufarbeitung der Stendaler Briefwahl-Affäre gegründet hat. Sie kommt auf 17 Prozent aller Stimmen bei der Kreistagswahl, in 11 Gemeinden in der Altmark ist sie zudem die stärkste Kraft.

CDU knackt viermal die 50-Prozent-Marke

Jübar (Altmarkkreis Salzwedel), Harzgerode (Harz) sowie Borne und Seeland (beide im Salzlandkreis) sind die CDU-Parteihochburgen. In diesen Gemeinden konnte die Partei mehr als 50 Prozent aller gültigen Stimmen verbuchen. Im Gegensatz dazu konnten in mehreren Gemeinden im Kreis Mansfeld-Südharz nur einstellige Ergebnisse erzielt werden, am schlechtesten war das Ergebnis in Blankenheim (6,4 Prozent):

Für die AfD lief es in Schraplau (Saalekreis) mit 28 Prozent und in Helbra (Mansfeld-Südharz, 27 Prozent) am besten. Das schwächste Ergebnis lieferte die Gemeinde Altmärkische Höhe (Stendal) mit 7,9 Prozent aller Stimmen:

Die Linke konnte sowohl ihr stärkstes als auch ihr schwächstes Wahlergebnis im Burgenlandkreis einfahren. Während in der Gemeinde Gutenborn – dem Ort mit der höchsten Wahlbeteiligung – nur 4,4 Prozent der Stimmen auf die Partei entfielen, waren es in Karsdorf 33,2 Prozent:

Wenig Licht und viel Schatten bei der SPD

Für die SPD lief die Kommunalwahl wenig erfreulich. Ein wenig Trost könnte da die Gemeinde Harbke (Börde) liefern: Hier erreichte die Partei ein Wahlergebnis von 50,3 Prozent. Wären da nicht auf der anderen Seite ganze 18 Gemeinden, in denen die SPD auf weniger als 5 Prozent aller Stimmen kam:

Die Grünen punkten vor allem in den großen Städten wie Halle, Magdeburg und Wernigerode. Absolute Parteihochburg ist aber Ummendorf im Landkreis Börde mit 20,5 Prozent aller Stimmen. Dagegen war vor allem im Kreis Mansfeld-Südharz in vielen Gemeinden so gut wie nichts zu holen:

Die FDP konnte sich landesweit im Vergleich zur letzten Wahl leicht verbessern, liegt in den allermeisten Gemeinden jedoch klar im einstelligen Bereich. Parteihochburg – und zwar mit Abstand – ist die Gemeinde Ditfurt im Harz. 46,9 Prozent aller Stimmen bedeuteten hier den klaren Sieg:

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Mehr über den Autor Manuel Mohr arbeitet seit 2017 als Datenjournalist in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Recherche und Analyse von Daten, aus denen Geschichten für Online, Radio und Fernsehen entstehen. Als gebürtiger Magdeburger liegen seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt natürlich vorwiegend in seiner Heimatstadt - Sudenburg, die Hubbrücke und die Nordtribüne des Heinz-Krügel-Stadions sind da nur einige Beispiele. Gegen eine Wanderung im Harz hat er aber auch nichts einzuwenden.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Mai 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 14:21 Uhr

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2 Kommentare

29.05.2019 08:00 Lu Tze 2

Grundsätzlich finde ich die Auswertung jener Wahldaten hoch interessant. Ich frage mich, warum der Autor nicht die endgültigen Ergebnisse verendet hat. Mittlerweile sollten diese doch verfügbar sein. Die weißen Flecken auf der Karte stören mich sehr und nehmen dem Artikel Substanz und Relevanz. Hier hätte sich etwas Geduld oder gewissenhaftere Recherche ausgezahlt. Schade.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT Danke für das Lob und den Hinweis. Die weißen Flecken haben teils nichts mit der Qualität der Recherche zu tun, sondern mit der Verfügbarkeit der Daten. Das Statistische Landesamt spricht selbst noch von vorläufigen Ergebnissen und in einem Fall von einem Zwischenergebnis, da in der Region Anhalt-Bitterfeld erst am 22. September gewählt wird. Daher manche weiße Flecken. Wir werden die Daten aktualisieren.

28.05.2019 11:19 Mansfeld-Südharz 1

Liebe Kommunalpolitiker, erinnert euch an den politischen Aschermittwoch 2018. Da habt ihr auf dem Marktplatz Eisleben den Landkreis zu Grabe getragen. Und nun haben eure Wähler die Richtigkeit dessen bestätigt, weil aus Magdeburg keine Resonanz kam. Herr Haseloff fährt lieber zu Feierterminen als sich hier mit den Bürgern über die Probleme zu unterhalten.

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