Kleinstadthelden Deersheim: Wie aus einem Ochsenstall ein Ort der Gemeinschaft wurde

Die Dorfbewohner in Deersheim bei Osterwieck im Harz haben einen Ochsenstall in einen Dorfladen umgewandelt. Zu der Idee kam es, weil es sonst keine Einkaufsmöglichkeiten vor Ort gab. Inzwischen ist der Dorfladen ein Ort für Begegnungen.

Die Einwohner in Deersheim bei Osterwieck im Harz haben sich dafür eingesetzt, dass aus einem ehemaligen Ochsenstall ein Dorfladen wurde. Mit der Zeit ist die Idee gewachsen und der Dorfladen ist inzwischen nicht nur ein Ort für schnelle Erledigungen, sondern auch für Begegnungen. In dem alten Gutshofgebäude sind neben dem Dorfladen, ein Café, eine Markthalle und eine Poststelle untergebracht. Die Einwohner können hier frische und regionale Produkte einkaufen und sich zum Austauschen im Café treffen.

Genossenschaft als Erfolgskonzept

Den Dorfladen gibt es seit 2016. Die Idee dazu ist damals aus einer Notsituation heraus entstanden. 2012 wurde nämlich die letzte kleine Kaufhalle in Deersheim geschlossen und somit gab es vor Ort keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Das sei vor allem ein Problem für Ältere und eingeschränkte Menschen gewesen, erzählt Hans-Jürgen Müller, einer der Gründungsmitglieder des Dorfladens.

Ein grauhaariger Mann im Portrait
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft zu engagieren ist im Dorf das Allerwichtigste.

Hans-Jürgen Müller, Genossenschaftsmitglied

Dann seien die Bewohner zusammengekommen und hätten überlegt, einen Dorfladen zu gründen. Mehrere Einwohner hätten sich gleich dazu bereit erklärt, sich aktiv an der Gründung des Ladens zu beteiligen, erzählt Müller.

Regale in einem Laden
Neben regionalen Produkten wie Bio-Eier, Honig und Kartoffel kann man Waren des täglichen Bedarfs einkaufen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Um die finanzielle Last und auch die Verantwortung aufzuteilen, haben die Deersheimer eine Genossenschaft gegründet. Jeder zahlte 50 Euro Genossenschaftsbeitrag ein, um den Laden mitzufinanzieren, manche auch mehr, erzählt Müller. Der Rest wurde durch Fördermittel finanziert. Allerdings sei das ehrenamtliche Engagement der Dorfbewohner das Wichtigste gewesen. Darunter fällt etwa die Renovierung des ehemaligen Ochsenstalls, der zum heutigen Dorfladen umgebaut wurde.

Von der Idee bis zur Eröffnung hat es vier Jahre gedauert. Am 16. November 2016 war es dann soweit und der Dorfladen in Deersheim hat eröffnet. Inzwischen hat die Genossenschaft 150 Mitglieder – bei gut 750 Einwohnern im Ort.

Neue Arbeitsplätze

Heute ist der Dorfladen nicht nur eine gute Einkaufsmöglichkeit um die Ecke, sondern auch ein Arbeitsplatz. Mehrere junge Mütter aus Deersheim und Umgebung arbeiten in dem Dorfladen. Seit vergangenem Jahr ist auch eine eine Poststelle hinzugekommen. Manuela Warnecke ist Verkäuferin und von Anfang an mit dabei. Vorher habe sie in einem Schuhgeschäft gearbeitet. Ihre Arbeit im Dorfladen mache ihr wegen des persönlichen Bezugs viel mehr Freude:

Eine Frau serviert ein Stück Kuchen
Manuela Warnecke, Verkäuferin Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Ich stehe morgens auf und ich freue mich hierher zu kommen, weil ich weiß, ich mach den Laden auf und es kommen freundliche Leute rein. Es macht Spaß, verkaufen, erzählen – das ist halt der Dorfladen.

Ort der Begegnung

Der Dorfladen befindet sich im Zentrum von Deersheim und ist somit auch ein wichtiger Ort für Begegnungen. Alt und Jung laufen sich über den Weg. Für Ältere und Alleinstehende ist das eine gute Möglichkeit wieder unter Leute zu kommen. Seit Juli wird hier auch Kuchen und Eis verkauft. Es gibt auch eine kleine Terasse mit Sitzgelegenheiten. Das locke noch mehr Leute an. Zum Beispiel junge Eltern oder Großeltern mit Kindern.

Eine junge Frau und ein Kind essen Eis
Im Moment kaufen die Bewohner am liebsten Eis. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Auszeichnungen für die Idee

Von dem Dorfladen sind nicht nur die Deersheimer begeistert. Im Jahr 2017 gab es für die Idee zwei Auszeichnungen. Der Dorfladen wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis und dem Demografiepreis ausgezeichnet. Dabei  war es ausschlaggebend, dass regionale Produkte verkauft werden und in dem Laden und Café generationsübergreifend gearbeitet wird.

Blick in die Zukunft

Da der Aspekt des Zusammentreffens in dem Dorfladen eine wichtige Rolle spielt, gibt es für die Zukunft neue kreative Ideen. Geplant sei eine Mitmachküche, in der Alt und Jung Rezepte austauschen und ausprobieren können, erzählt Müller. Dafür wird gerade auch schon ein weiterer Teil des Stall renoviert.

Quelle: MDR/vö

0 Kommentare

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt