Eine Hand steckt einen Fahrschein in den Entwerter.
Bildrechte: IMAGO

Nahverkehr Azubiticket startet am 1. August in Sachsen

Lange wurde darum gerungen, jetzt ist es vollbracht: Verkehrsminister Martin Dulig hat sich mit den Vorsitzenden der Zweckverbände des Nahverkehrs auf die Einführung eines Azubitickets geeinigt. Im August soll es losgehen. Die Linke hält den Beschluss für unzureichend.

Eine Hand steckt einen Fahrschein in den Entwerter.
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Durchbruch beim Azubiticket. Wie das sächsische Wirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, soll es am 1. August für alle Schüler an berufsbildenden Schulen eingeführt werden. Das ganztägig und ganzjährig innerhalb eines Verkehrsverbundes gültige Ticket soll im Abonnement monatlich 48 Euro kosten. Zusätzliche Verkehrsverbünde können für einen Aufpreis von jeweils 5 Euro genutzt werden. Bislang zahlten Azubis im Durchschnitt mehr als 100 Euro.

Verbesserungen soll es außerdem für Schüler an allgemeinbildenden Schulen geben. Zu Beginn des Schuljahres 2019/2020 soll zum monatlichen Preis von 10 Euro ein verbundweit gültiges Schülerfreizeitticket starten. Dieses ist ebenfalls nur im Abonnement erhältlich. Es gilt montags bis freitags ab 14 Uhr sowie am Wochenende und in den sächsischen Schulferien den ganzen Tag. Bis zum Schuljahresbeginn 2020/2021 streben der Freistaat und die Nahverkehrsverbände ein ganztägig und ganzjährig gültiges Ticket im jeweiligen Verkehrsverbund für die allgemeinbildenden Schulen an.

CDU: Attraktive Lösung für Schüler und Azubis

"Der Öffentliche Personennahverkehr brennt den Menschen unter den Nägeln wie kaum ein anderes Thema." Er sei daher mit dem erzielten Ergebnis sehr zufrieden, sagte Verkehrsminister Martin Dulig. Zustimmung kam auch von der CDU: "Der CDU war es wichtig, das Auszubildende ein Flatrate-Ticket für 48 Euro bekommen, das für je 5 Euro ein weiteres Verbundgebiet einschließt. Das wird jetzt endlich eingeführt! Dies sorgt für einen attraktiven ÖPNV bei rund 100.000 Azubis", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Heidan. Man sei froh, dass das Wirtschaftsministerium doch noch auf die Landräte und die CDU-Fraktion gehört hätten und ein guter Kompromiss gefunden worden sei.

Linke: Ticket immer noch zu teuer

Kritik äußerte hingegen Marco Böhme, Sprecher der Linksfraktion für Klimaschutz und Mobilität: "Es reicht nicht, dass die Schülerinnen und Schüler nur ein Freizeitticket ab 14 Uhr für zehn Euro im Monat bekommen. Das heißt, dass die Eltern trotzdem noch bis zu 250 Euro im Jahr für die Beförderung ihrer Kinder in die Schule zahlen müssen. Das kann doch nicht sein!", sagte Böhme und fügt an: "Ebenso die Azubis: Nur im Jahres-Abo können sie für 50 Euro im Monat den verbundübergreifenden ÖPNV nutzen. Die meisten Azubis müssen aber nicht ganzjährig zum Ausbildungsbetrieb bzw. in die Berufsschule. Sie zahlen also indirekt drauf." Die Linke fordert stattdessen ein Ticket für zehn Euro im Monat für ganz Sachsen, das neben Schülern und Azubis auch Freiwilligendienstleistende nutzen dürfen.

Der Geschäftsführer des Sächsischen Landkreistages, André Jacob, sieht in der Einigung ein Signal für den Ausbau des Nahverkehrs im ländlichen Raum. "Damit wird ein wesentlicher Beitrag zu mehr Lebensqualität auch in der Fläche geleistet. Dies war den Landräten ebenso wichtig, wie das nun vorgesehene Azubi-Ticket." Ähnlich äußerte sich auch Mischa Woitschek, Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages: "Wir werden das ÖPNV-Angebot im ländlichen Raum deutlich ausbauen." Nun komme es darauf an, die Finanzierung durch das Land sicherzustellen und die Einzelheiten in den ÖPNV-Zweckverbänden umzusetzen", sagte er. Die Mehrkosten werde der Freistaat übernehmen. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind demnach insgesamt 75 Millionen Euro eingeplant, um den Nahverkehr spürbar zu verbessern.

Das Azubiticket für Sachsen Was wurde beschlossen?

Das Azubiticket startet am 1. August. Es kostet 48 Euro pro Monat und muss mindestens zwölf Monate im Abonnement bezogen werden. Sobald die Grenze zu einem anderen Verkehrsverbund überschritten wird, werden jeweils fünf weitere Euro fällig.

- Schüler an allgemeinbildenden Schulen können mit Beginn des neuen Schuljahres im Herbst 2019 ein Freizeitticket für 10 Euro pro Monat innerhalb eines Verkehrsverbundes nutzen. Auch in diesem Fall gilt eine Mindestlaufzeit von einem Jahr. Im Gegensatz zu den Azubis gilt dieses Ticket erst ab 14 Uhr, am Wochenende und in den Schulferien. Ziel der Verantwortlichen ist jedoch, dass das Ticket ab 2020/21 den gesamten Tag genutzt werden kann.

Welche Mängel gibt es noch?

Problematisch sind vor allem die Fahrten von einem Verkehrsverbund zum anderen. Das Wirtschaftsministerium, der Städte- und Gemeindetag sowie der Landkreistag streben daher langfristig die Einführung eines landesweiten und in allen Verkehrsmitteln des Nahverkehrs gültigen Sachsentarifs an.

Wie soll das Angebot ausgebaut werden?

Durch den Aufbau eines PlusBus- und TaktBusnetzes und die Verküpfung mit dem Schienenverkehr soll das Angebot Stück für Stück verbessert werden. Im Raum Leipzig und Oberelbe wurden bereits erste Pilotprojekte gestartet.

Wie geht es jetzt weiter?

Um den Nahverkehr weiterzuentwickeln und Lösungen zu finden, die nicht nur für einen Verbundraum, sondern verbundübergreifend gelten, trifft sich noch im ersten Quartal dieses Jahres eine Koordinierungsgruppe aus Vertretern der Zweckverbände und des Wirtschaftsministeriums.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2019 | 19:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 11:22 Uhr

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3 Kommentare

13.02.2019 23:03 Hans-Volkhard Gründler 3

Die Fürsten von heute, die Landräte, werden sich von Herrn Dulig kaum Ihr Spielzeug Verkehrsverbünde wegnehmen lassen, obwohl im kleinen Sachsen eine einheitliche Verkehrsplanung sinnvoll wäre. Aber da gingen ja Pfründe verloren...

13.02.2019 21:11 Peter 2

Wenn ich lese plusbus, fahren wir noch mehr Warme Luft durch die Gegend.
Wie zum Beispiel 418. Der Vvo ruehmt sich wieviel Fahrgäste mehr den Bus benutzen, wenn man sich die Mühe macht, erkennt man es sind weniger als vorher mit Bus und Bahn. Aber was will man erwarten. Vvo denkt nur an die Ballungsgebiete. FÜR mich gibt es nur eine Lösung Einen Verkehrsverbund und die Planung SPNV gehört in Landeshand. Aber gegen die Landkreisfuersten (Landraete), sowie Herrscher der Verkehrsverbuende. Ist die Landespolitik ein Zahnloser Tiger

13.02.2019 20:41 Adam 1

Sehr geehrtes MDR-Team,

würde zu Ihrem Artikel folgendes der Allgemeinheit sagen.

Sozial ist in Ordnung aber könnte es nicht sein, dass hier im Land langsam Maßlos übertrieben wird?

Ich meine zu teuer finde ich es auch. Vielleicht sollte einmal grundsätzlich überdacht werden, dass auch die Wohnpreise viel zu hoch sind. Hier könnte doch eine Familie sicherlich mehr davon haben, wenn die Kosten an dieser Stelle deutlich sinken inkl. Nebenkosten würden. Viele Grüße Adam

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