Kultur Mehr als Melodien: Friederike Teichert setzt auf die einende Wirkung der Musik

Als "friederike." schreibt und spielt sie ihre Lieder am Piano und nennt es Liedermachersoul. Doch Friederike Teichert möchte vor allem Menschen zusammenbringen - etwa bei der "Fête de la musique" und ihrer Konzertreihe "hörensagen" in Erfurt.

Eine Frau sitzt in einem Park auf einer Mauer
Friederike Teichert fällt es nicht schwer, auch in einer konzertarmen Zeit über Konzerte zu sprechen – wie hier im Erfurter Luisenpark. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Den Start als Leiterin der Erfurter "Fête de la musique" hatte sie sich anders vorgestellt - musikalischer, lebendiger. Erfüllt mit Tatendrang und Vorfreude übernahm Friederike Teichert im November 2019 die Leitung des beliebten Musikfests vom langjährigen Organisator Wolfgang Beese - und dann kam Corona. Schlagartig wurde es still.

Straßenmusiker in Menschenmengen wirken trotz aller Auflagen-Lockerungen noch genauso weit entfernt wie gefüllte Konzertsäle und tanzendes Partyvolk. Und trotzdem: Den Wunsch nach Musik vor Publikum lässt sich Friederike Teichert auch in diesen Tage nicht ganz nehmen. Es brauche eben jetzt Geduld, sagt sie.

Ihr geht es nicht allein um die Musik - um Klänge, Rhythmen, Melodien. Die kann sie auch allein genießen. "Es geht doch auch ums Auftreten, ums Spielen vor Publikum, um Austausch und Begegnung." Es ist dieses verbindendes Element, auf das die 29-Jährige bei einem Parkbankgepräch im Luisenpark immer wieder zu sprechen kommt. Schließlich hat auch sie die einende Wirkung der Musik oft genug erlebt - und auf diese Weise ihre alte Heimat neu entdeckt.

Konzertreihe "hörensagen" in Erfurt

Geboren im Ilm-Kreis führte sie ihr Weg unter anderem über Paris und Wien zurück nach Thüringen. Nach den Studienjahren in der Ferne merkte sie: "Ich kenne hier nicht viele, und kaum jemand kennt mich." Um dies zu ändern - und um andere Musiker miteinander bekannt zu machen - rief sie 2015 in Erfurt die klein-feine Konzertreihe "hörensagen" ins Leben.

Das Konzept: An einem Abend treten zwei Musiker oder Bands auf, die sich allerhöchstens schon in kleinen Nischen einen Ruf erspielt haben. "Die Reihe bringt musikbegeisterte Menschen zusammen und gibt Künstlern die Chance, sich vorzustellen", sagt die Organisatorin. Neben Cafés und Bars interessieren sie auch Orte, die im Alltag eher anderen Zwecken dienen. So machte "hörensagen" schon Station in einem Schuhgeschäft, in einem Friseursalon, im Business-Loft, in der Stadtbibliothek. Städtische Orte würde sie gern stärker einbinden. "Aber leider ist das viel schwieriger umzusetzen als bei privat geführten Läden."

Die Künstler, die Friederike Teichert nach Erfurt bittet, kommen aus ganz Deutschland. Der Ilmenauer Gitarrist Robert Graefe war schon dabei, ebenso "Der flotte Totte" von "Monsters of Liedermaching" und das experimentelle Indie-Trio „5 Minuten Liebe“ aus Hannover. Auch sie selbst greift in die Tasten. Schließlich schreibt und spielt sie unter dem Namen "friederike." auch eigene Lieder.

Friederike Teichert am E-Piano
Friederike Teichert traut sich auch an andere Instrumente, doch am liebsten greift sie in die Tasten. Bildrechte: MDR/PhotoJunge

Bei Poetry Slams Klavier gespielt

Im Grundschulalter lernte sie Klavier, als Studentin tauschte sie ihr Erspartes gegen ein Piano. Bei Poetry Slams setzte sie zwischen Wortbeiträgen musikalische Akzente. Es waren Abende wie jene, die ihr vor Augen führten: "Kultur kann etwas Einendes sein, sie bringt Menschen zusammen."

Liedermachersoul nennt sie das Genre, das sie sich im Lauf der Jahre quasi selbst erspielt hat. Melancholisch und trotzig, aufmunternd und zuversichtlich kommen die sympathisch zugänglichen Stücke daher, die oft Popsonglänge haben, aber keine Popsongs sein wollen. Neben Einflüssen des Soul schwingt hier und da ein wenig Jazz mit - alles zusammengehalten von einer Stimme, die so ausdrucksstark ist, dass so mancher Chartstürmer vor Neid erblassen oder zumindest vorerst schweigen könnte.

Die deutschsprachigen Texte - hier ist der Einfluss der Liedermacherszene am offensichtlichsten - meiden Klischees, spielen mit bekannt geglaubten Wortbildern und fangen schwere Gedanken locker auf. Für ihr erstes Album "Aufstehen & weitergehen", erschienen 2017, holte sie sich einige Musiker zur Unterstützung dazu. Doch meist tritt sie alleine auf - am E-Piano. "Dabei ist mein eigentliches Instrument die Stimme."

Zweites Album soll spätestens 2021 erscheinen

Wann diese Stimme wieder öffentlich erklingt, steht in den Sternen. Die für dieses Jahr geplanten Auftritte - etwa beim Liederfest auf Burg Waldeck im Hunsrück, im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg, im Renitenztheater Stuttgart - alle abgesagt oder verschoben. So bleibt Zeit fürs zweite Album, das spätestens kommendes Jahr erscheinen soll.

Und mit ein wenig Fantasie und Optimismus sieht Friederike Teichert das Ende der Konzertdurststrecke bereits vor sich: "Bei der Größe von 'hörensagen' ließe sich sogar der Mindestabstand einhalten."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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