Ein britischer und ein deutscher Reisepass.
1998 erhielten in Thüringen die meisten Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft. Damals waren es 4.594 Menschen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Landesamt für Statistik So viele Einbürgerungen in Thüringen wie seit über 20 Jahren nicht mehr

28. Mai 2024, 23:35 Uhr

2023 hat es in Thüringen so viele Einbürgerungen gegeben wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Die meisten Einbürgerungen gab es in zwei größeren Städten, aber auch in einem Kreis.

In Thüringen hat es im vergangenen Jahr so viele Einbürgerungen gegeben wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Wie das Statistische Landesamt am Freitag mitteilte, nahmen im Freistaat 1.605 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft an. Das sei der höchste Wert seit dem Jahr 1999, in dem es 2.602 Einbürgerungen gab.

Eingebürgerte zumeist aus Syrien

Im Vergleich zum Jahr 2022 bedeutete dies einen Anstieg um rund 18 Prozent. Die meisten eingebürgerten Menschen kamen demnach im vergangenen Jahr aus:

  • Syrien (835)
  • Irak (95)
  • Ukraine (90)

Viele der "frisch" eingebürgerten Syrer leben schon seit Jahren in Deutschland und erfüllen den Angaben zufolge mittlerweile die nötigen Voraussetzungen wie zum Beispiel Sprachkenntnisse. 

In den 1990er-Jahren wurden mehr Menschen eingebürgert

In den 1990er-Jahren, als noch mehr Menschen in Thüringen eingebürgert wurden, kamen die meisten Menschen dem Statistischen Landesamt zufolge aus:

  • Kasachstan
  • Russland
  • Kirgisistan

Ab dem Jahr 2000 wurden wesentlich weniger Menschen eingebürgert, da 1999 das rechtliche Verfahren für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler geändert wurde. Sie wurden bis dahin formal eingebürgert; seit dem 1. August 1999 wird ihnen mit der im Bundesvertriebenengesetz bescheinigten Spätaussiedlereigenschaft bei der Einreise in die Bundesrepublik automatisch und ohne Einbürgerungsverfahren die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.

Meisten Einbürgerungen in Jena

Etwa die Hälfte der neuen Staatsbürger lebte zum Zeitpunkt der Einbürgerung noch keine acht Jahre in Deutschland. 625 Neubürger hielten acht bis 14 Jahre in Deutschland auf, 150 mindestens 15 Jahre. 945 Eingebürgerte sind Männer, 660 Frauen. 62,5 Prozent oder 1.005 Menschen sind 18 bis 45 Jahre alt. Etwa ein Viertel aller Eingebürgerten war minderjährig.

Die meisten Einbürgerungen in Thüringen verzeichnete die Stadt Jena (205), gefolgt von Erfurt (180) und dem Landkreis Gotha (125). Die wenigsten gab es im Saale-Holzland-Kreis (10) sowie in den Landkreisen Hildburghausen und Greiz mit jeweils 15.

Bundestag änderte Einbürgerungsrecht

Der Bundestag hatte kürzlich das Einbürgerungsrecht geändert. Einbürgerungen sind demnach künftig schon nach fünf statt wie bisher acht Jahren möglich, bei "besonderen Integrationsleistungen" sogar nach drei Jahren. Dabei handelt es sich etwa um besonders gute Leistungen in Schule oder Beruf.

Kinder ausländischer Eltern bekommen künftig mit der Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn ein Elternteil seit fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland wohnt. Zudem können Menschen, die Deutsche werden, ihre bisherige Staatsbürgerschaft behalten. Dies galt bisher nur in Ausnahmefällen.

MDR (co/dpa/jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. April 2024 | 14:00 Uhr

39 Kommentare

Cedric vor 6 Wochen

Ich versteh den Unmut nicht, der hier streckenweise zu lesen ist. Diese neuen Bürger lieben Deutschland. Sie lieben unsere Heimat, unser Essen, unsere Gebräuche. Sie mögen es, wie unsere Frauen sich kleiden, wie wir unsere Feste feiern und in unseren Museen unsere Geschichte (grösstenteils) hochleben lassen. Deshalb sind diese Menschen Deutsche geworden. Sie wollen dieses an ihre Kinder weitergeben.
Wir sollten stolz darauf sein. Ich komme aus Hamburg. Dort kann man schon seit langem beobachten, wie schön es ist, dass diese Menschen das Erbe unserer Vorfahren bewahren und fortführen wollen. Noch einmal: diese Menschen lieben Labskaus, Goethe, deutsches Theater, Fasching und Weihnachten. Deshalb haben sie sich Deutschland als Land für Ihre Kinder ausgesucht (und nicht zum Beispiel die Türkei) Lasst sie bitte Deutsche sein. Sie wünschen es sich so sehr!!!

bahn2000 vor 6 Wochen

Die genannten Fakten sind alle richtig und nicht zu beanstanden.
Doch was ist der Unterschied zwischen einen Bürger mit deutschen Pass (Reisepass) und einen Bürger nur mit deutschen Personalausweis.
In der Politik und Medien wird immer nur von den Bürgern mit deutschen Pass gesprochen.
Und gerade ist oberhalb der Kommentarfunktion wieder ein Artikel mit einem Symbolbild zu sehen. Obwohl der Personalausweis das wichtigere Dokument ist, ist Niemand auf den Bildern damit zu sehen.

Lavendel vor 6 Wochen

Schön, dass Thrüingen wieder ein paar neue Bürger hat.
Diese sind ein kleiner Beitrag dazu die Überalterung zu stoppen und das Land auch für zukünftige Generationen lebenswert zu machen.

Selbst ein Seniorenpardies ist ja nicht ohne junge Menschen umzusetzen.

Zu den üblichen Verdächtungen der üblichen Verdächtigen hier gegenüber den Neubürgern:
Was will man von diesen Leuten schon anderes erwarten als Schwarzmalerei garniert mit der inzwischen wohl zur zweiten Natur gewordenen überheblichen Fremdenfeindlichkeit?

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