Stasi-Akte IM-Registrierung zu AfD-Politiker Dieter Laudenbach

Unter dem Decknamen "Klaus" wurde der heutige Thüringer Landtagsabgeordnete Dieter Laudenbach (AfD) von der DDR-Staatssicherheit als Inoffizieller Mitarbeiter registriert. Das geht aus einer Akte hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Laudenbach selbst kann sich an den Namen nicht erinnern. Ihm sei jedoch bewusst, dass Mitarbeiter der Staatssicherheit bei seinem damaligen Arbeitgeber "allgegenwärtig" gewesen seien.

Die DDR-Staatssicherheit hat den heutigen Thüringer Landtagsabgeordneten Dieter Laudenbach (AfD) als Spitzel registriert. Das geht aus einer wenige Seiten starken Akte hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Den Unterlagen zufolge warb die Bezirksverwaltung Gera Ende 1986 Laudenbach unter dem Decknamen "Klaus" als Inoffiziellen Mitarbeiter an (Registriernummer X/218/85).

Genannt werden seine damalige Anstellung als gastronomischer Direktor des Interhotels Gera sowie die Gründe für eine Zusammenarbeit - eine "positive Gesamteinstellung der Quelle" und die "Einsicht in die Notwendigkeit". Eine Verpflichtungserklärung oder Treffberichte finden sich nicht in der Akte.

Ein Blatt der Stasi-Akte von Dieter Laudenbach
Auszüge aus der MfS-Akte von Dieter Laudenbach Bildrechte: MDR/Rainer Erices

Laudenbach bestreitet Mitarbeit für DDR-Staatssicherheit

Auf MDR-Anfrage bestritt Laudenbach eine wissentliche Mitarbeit für die DDR-Staatssicherheit. Es sei jedoch möglich, dass er als "Führungskraft" eines Interhotels "nach allen Regeln der Spitzelkunst abgeschöpft wurde". Auch der Deckname "Klaus" sei ihm nicht bekannt.

Wenn ich beim MfS diesen Decknamen hatte, dann ohne mein Wissen. 

Dieter Laudenbach

Laudenbach sagte, er wisse allerdings, dass einige seiner damaligen Kollegen über ihn berichteten. Jedem Hotelmitarbeiter sei klar gewesen, dass die Stasi in dem Interhotel "allgegenwärtig" war.

Ein Blatt der Stasi-Akte von Dieter Laudenbach
Auszüge aus der MfS-Akte von Dieter Laudenbach Bildrechte: MDR/Rainer Erices

Befragt zur in den Akten angeführten SED-Mitgliedschaft sagte Laudenbach, es sei damals aufgrund seiner gehobenen Position Druck auf ihn ausgeübt worden, so dass er Kandidat der SED geworden sei. Mitglied sei er nie gewesen. 

Reaktionen aus den politschen Lagern

Die AfD im Landtag sprach in einer ersten Reaktion von einem unmoralischen und traurigen Beispiel "Täter-Opfer-Umkehr" im Umgang mit DDR-Biografien.

Torben Braga (AfD)
Torben Braga (AfD) Bildrechte: MDR/Torben Braga

Der entscheidende Fakt, dass es weder eine Verpflichtungserklärung noch Berichte von Laudenbach gibt, werde nur am Rande erwähnt, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Torben Braga. Vielmehr habe sich Laudenbach dem Druck, der SED beizutreten, widersetzt und auch nie für die Staatssicherheit gearbeitet.

Die CDU sieht in der Causa Laudenbach ein Indiz dafür, wie wichtig es ist, eine Überprüfung der Landtagsmitglieder auf etwaige Stasi-Tätigkeit langfristig im Abgeordnetengesetz festzuschreiben. Die AfD inszeniere sich gern als Anti-Stasi-Partei, sagte der medienpolitische Sprecher der Fraktion, Jörg Kellner. Es werde spannend zu beobachten, wie gründlich die AfD vor der eigenen Haustür kehre, sagte er mit Blick auf die anstehende Erneuerung des Abgeordnetengesetzes.

Astrid Rothe-Beinlich von Bündnis 90/Die Grünen sagte, der Fall Laudenbach zeige, wie wichtig Aufarbeitung auch 30 Jahre nach der friedlichen Revolution sei. Wenn es die AfD ernst meine mit Aufarbeitung und ihren bisherigen Äußerungen zu Stasispitzeln, müsste sie Laudenbach folgerichtig aus Fraktion und Partei ausschließen.

Auch die SPD zieht das Fazit, dass unter die Aufarbeitung der SED-Diktatur kein Schlussstrich gezogen werden dürfe. Fraktionssprecher Thomas Hartung sagte, noch kürzlich habe die AfD sich dafür ausgesprochen, Stasi-Spitzel als parlamentsunwürdig zu erklären und aus dem Landtag zu entfernen.

Seit 2019 für die AfD im Landtag

Dieter Laudenbach sitzt seit 2019 für die AfD im Thüringer Landtag. Im Jahr 2018 verfehlte er die Mehrheit in der Stichwahl zum Oberbürgermeister der Stadt Gera. In seinem veröffentlichten Lebenslauf gibt der selbständige Gastronom eine Fachschulausbildung in Leipzig sowie seine Tätigkeit im Interhotel Gera von 1972 bis 1989 an.

Deckblatt der Stasi-Akte von Dieter Laudenbach
Deckblatt der von der DDR-Staatssicherheit angefertigten Akte. Bildrechte: MDR/Rainer Erices

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Juli 2020 | 05:00 Uhr

120 Kommentare

Breakpoint vor 25 Wochen

@Ekkehard Kohfeld --- Es gab und gibt ehemalige Stasi-Informanten in den Parlamenten. Die Frage ist, wer sich nach der "Wende" sofort seiner Vergangenheit gestellt und "reinen Tisch" gemacht hat. --- Einige Leute bekamen dann eine zweite Chance, wie z.B. Frank Kuschel in Thüringen. Andere vertrauen seit 30 Jahren darauf, nicht enttarnt zu werden. --- Tja, und wer "auffliegt", muss die Konsequenzen tragen. Da sind die Regeln in allen staatlichen Bereichen und auch bei den politischen Parteien ganz eindeutig. Sogar bei der AfD. --- Man darf gespannt sein. 😎

Ekkehard Kohfeld vor 25 Wochen

"Dieses Verheimlichen muss Konsequenzen haben! "

Wenn man das auf den Bundestag und alle Landtage und sonstige
ausweite werden einig Lager aber sehr ausgedünnt nicht nur die AFD.
Ob dann einige überhaupt noch regierungsfähig bleiben wage ich zu bezeifeln,hauptsächlich im Osten?☹️☹️☹️

Eulenspiegel vor 25 Wochen

Er gehört halt zu den Leuten die in der glücklichen Lage sind genau zur rechten Zeit an der richtigen Stelle ganz plötzlich Erinnerungslücken haben.
Also ich stelle fest auch in der AfD gibt es ehemalige STASI Spitzel.

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