Covid-19 Corona: Antikörpercocktail besteht Tierversuche

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Bei Trump war Regenerons Antikörpertherapie noch ein experimenteller Wirkstoff, doch der nähert sich jetzt der Marktreife. Die Firma zeigt mit Tierversuchen: Das Medikament kann vor Ansteckung schützen – und akute Infektionen mildern.

Regeneron Pharmaceuticals
Das US-Unternehmen Regeneron will ein wirksames Medikament gegen Corona auf den Markt bringen - schon innerhalb der kommenden Monate. Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency

Donald Trump hat das Medikament bereits als Heilmittel gelobt: Gegen seine akute Corona-Infektion erhielt der US-Präsident eine Dosis von Regn-CoV-2, einem Antikörpercocktail der Biotechfirma Regeneron. 24 Stunden nach der Verabreichung habe er sich großartig gefühlt, sagte Trump. Nun soll der Wirkstoff an die US-Bevölkerung ausgegeben werden, wenn die Daten aus der klinischen Prüfung das zulassen. Und danach sieht es tatsächlich aus. Besonders bei Patienten, die nur eine langsame, mangelhafte Immunantwort auf Corona haben, kann der Antikörpercokctail laut ersten Daten von 275 Patienten den Krankheitsverlauf offenbar deutlich abmildern.

In einem Beitrag in Science haben Forscher von Regeneron zudem die Ergebnisse umfangreicher Tests an Tiermodellen veröffentlich, die zeigen: Regn-CoV-2 hat großes therapeutisches Potenzial. Sowohl bei Rhesus-Makaken als auch bei Goldhamstern waren die Antikörper demnach wirksam. Sie konnten einerseits Tiere vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 schützen, also auch den Verlauf von bereits ausgebrochenen Infektionen abmildern. Gerade der Einsatz als Therapeutikum bei akut Erkrankten gilt als große Herausforderung. Sollte Regeneron hier erfolgreich sein, wäre das ein echter Durchbruch auf der Suche nach Medikamenten gegen das Virus.

Leichte und schwere Coronaverläufe: Tests an Rhesusaffen und Goldhamstern

Bei Regn-CoV-2 handelt es sich um eine Kombination zweier sogenannter monoklonaler Antikörper. Dabei werden mit Mitteln der Gentechnik künstliche Antikörper erzeugt, die normalerweise vom Immunsystem gebildet werden. Da diese Immunreaktion aber bei manchen Menschen viel zu spät einsetzt, könnten monoklonale Antikörper hier helfen.

Für die Forscher von Regeneron dienten Rhesus-Makaken als Modell für milde bis normale Verläufe der Infektion. Goldhamster, die bei einer Ansteckung mit Corona stark an Gewicht verlieren und deutliche Schäden durch das Virus davontragen, dienten als Modell für die schweren Verläufe.

Antikörper auch therapeutisch wirksam

Bei den Rhesusaffen wurde einerseits getestet, ob die Antikörper eine Infektion ganz verhindern können. Fünf Tiere bekamen Antikörper, fünf ein Placebo, dann wurden alle zehn mit dem Virus angesteckt, das direkt in die Atemwege der Tiere gegeben wurde. Die nur mit Placebo behandelten Tiere zeigten normale Krankheitsverläufe. Bei denen, die Antikörper bekommen hatten, konnten in den fünf Tagen nach der Infektion kaum virale RNA nachgewiesen werden.

In einem weiteren Versuch testeten die Forscher, ob der Regn-CoV-2-Cocktail auch therapeutisch, also im Verlauf einer ausgebrochenen Infektion hilfreich ist. Dafür bekamen die Rhesusaffen an Tag eins nach der Infektion mit dem Virus Antikörper. An diesem Tag entwickeln die Tiere bereits die maximale Virenlast. Auch bei Menschen tritt dieses Stadium früh auf, in der Regel beim Einsetzen der Symptome oder am Tag davor. Im Affenversuch beschleunigte die Gabe von Antikörpern die Bekämpfung der Coronaviren deutlich gegenüber der Gruppe, die nur ein Placebo erhalten hatte.

Deutlich weniger Folgeschäden bei Behandlung mit Antikörpern

Auch bei den Versuchen mit Goldhamstern verhinderten Antikörper eine Infektion oder milderten ihren Verlauf deutlich ab. Bereits infizierte Tiere verloren nach der Gabe der Antikörper kein Gewicht und wiesen nach der Infektion auch deutlich weniger beschädigtes Gewebe auf, als die Tiere, die nur ein Placebo erhalten haben. Überraschend sei dabei gewesen, dass bei einigen infizierten Hamstern, die Antikörper bekamen, zwar hohe Viruslasten beobachtet wurden, aber weder Gewichtsverlust noch Folgeschäden. Offenbar gebe es außer der direkten Virenbekämpfung zusätzliche therapeutische Nutzen durch die Antikörper, schreiben die Forscher.

Auch alle Rhesusaffen, die mit monoklonalen Antikörpern behandelt worden waren, bei der anschließenden pathologischen Untersuchung deutlich weniger Schäden an den Lungen und an anderen Organen auf, als die nicht behandelten Tiere.

Verteilung von Regn-CoV-2 an US-Amerikaner in den Startlöchern

Die Wissenschaftler von Regeneron wollten außerdem wissen, ob es Mutationen bei den Viren in den Tieren gab, die Antikörper erhalten hatten. In keiner der Proben fanden die Forscher veränderte virale RNA, die auf eine Anpassung des Virus an die Antikörper gedeutet hätte. Zudem zeigte sich in keiner Probe eine Verstärkung der Infektion durch Antikörper, die dem Virus versehentlich eine Brücke in die Zellen der Wirte gebaut hätten. Das ist bei Antikörpertherapien grundsätzlich eine Gefahr.

Regenerons Antikörpercocktail könnte also tatsächlich funktionieren, wenn sich bei den klinischen Tests an Menschen ähnliche Effekte einstellen. Auf seiner Internetseite teilt das Unternehmen mit, bereits Dosen für etwa 50.000 Patienten an die US-Regierung geliefert zu haben, die diese nun den US-Amerikanern kostenlos zugänglich machen wolle. In den nächsten Monaten sollen zudem Dosen für 300.000 weitere Patienten produziert werden. Darüber hinaus kooperiert Regeneron mit dem Pharmariesen Roche, um genügend Dosen von Regn-CoV-2 für den weltweiten Verkauf der Antikörper herzustellen.

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