Lachforschung Für ein Gehirn-Wellness-Programm: Lachen, bitte!

Wer viel lacht, stärkt den Immunschutz, mindert Schmerzen und gewinnt obendrein Abstand zu Sorgen im Alltag. Lachende Menschen werden also nicht nur als kompetenter, erfolgreicher und schöner wahrgenommen, sie bekommen ein "Gehirn-Wellness-Programm" obendrein. Das stärkt das physische und psychische Wohlbefinden.

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Beim Lachen läuft ein motorisches Programm ab

Wenn eine Schülerin zur Lehrerin sagt "Frau Lehrerin, Sie sind doof" und die Lehrerin darauf antwortet "Da habe ich lange geübt. Ich war früher klüger. Jetzt habe ich den Test bestanden", ist das für manche ein kleines Lachen wert. Wie für den Neurologen Frank Erbguth zum Beispiel. Bei so einem Witz, erklärt der Leiter der neurologischen Uniklinik an der Paracelsus Medizinischen Universität in Nürnberg lachend, wird der Startknopf eines motorischen Programms betätigt und setzt eine Kettenreaktion in Gang setzt.

Neurologe Frank Erbguth im Portrait.
Frank Erbguth, Neurologe Bildrechte: MDR/Frank Erbguth

"Dieses motorische Programm beginnt im Frontalhirn. Dort haben Sie Antennen, die das Signal an den Kehlkopf weitergeben. Von dort geht es zum Zwerchfell, das stoßartig auf- und abgeht." Wir ziehen die Mundwinkel hoch und machen "Haha-Hehe". Manche halten sich den Bauch, andere klopfen sich auf die Schenkel. Im Gehirn passiert dabei noch viel mehr: Es wird ein ganzer Schwall von Botenstoffen ausgeschüttet, die mit dem Belohnungszentrum verbunden sind.

Ein Mensch belohnt sich durch Lachen selbst. Es ist so etwas wie ein kleines Gehirn-Wellness-Programm.

Frank Erbguth, Neurologe


Denn diese Botenstoffe vermitteln ein glücksartiges Gefühl und führen dazu, dass Stress-Antreiber herunterreguliert werden, also beispielsweise Kortisol oder Adrenalin. Außerdem werden Endorphine ausgeschüttet, Hormone die schmerzmindernd wirken. Wer nun die Stirn krauszieht, dem sei gesagt: Handfeste Belege gibt es dafür auch.

Für eine Studie am Institut für Psychologie der Universität Zürich sollten Probanden einen lustigen Ausschnitt eines "Mr. Bean"-Films schauen und ihre Hand in Eiswasser tauchen. Dabei wurde gemessen, ob der Schmerz eher einsetzte, wenn die Probanden sich nur innerlich freuten, laut lachten oder selber Witze machten. Die Forschenden stellten fest: Ein aufrichtiges, ehrliches Mitfreuen beim Gucken hatte den größten Einfluss darauf, wie lange die Probanden die Hand im eisigen Wasser ließen. Lachen oder besser die Endorphine, die Lachende ausschütteten, sorgten dafür, dass Schmerzen weniger stark wahrgenommen wurden.

Die Liste der positiven Effekte geht weiter. Und zwar beim körpereigenen Abwehrschutz: dem Immunsystem. Das bekommt durch Lachen einen Schub. "Der hält sogar über das Lachen hinaus stundenlang an", sagt Frank Erbguth. "Weil Sie viel lachen, ist Ihr Immunsystem in einem besseren Zustand, als wenn Sie es nicht täten." Wissenschaftler*innen erstellen dazu sogenannte Kohorten-Studien, in denen sie schauen, welche Merkmale bei Menschen, die häufig lachen, besonders oft auftauchen.

Ein häufiges Lachen kann zwar eine Eigenschaft sein, die mit anderen zusammenfällt. Also: Der glückliche Mensch kann glücklich sein, weil er entspannt ist und weil er entspannter ist, ist sein Immunsystem auch besser. Mit hundertprozentiger Sicherheit könne man deshalb nicht sagen, ob allein das Lachen der Auslöser für funktionierende Abwehrkräfte ist. Es deutet aber sehr viel darauf hin, bekräftigt Mediziner Frank Erbguth.

Lachen vermittelt Zusammengehörigkeit

Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern um Doktorandin Maria Meier von der Universität Konstanz, die Auswirkungen von Lachyoga in einem Experiment untersuchten. Dazu wurden die Probanden in Gruppen eingeteilt, eine Yoga-Gruppe und eine Lachyoga-Gruppe, um festzustellen, welche Auswirkungen die Sauerstoffzufuhr beim Lachen und beim Yoga auf das Stressempfinden hat. Zu Beginn des Experimentes wurden die Probanden einem inszenierten Bewerbungsgespräch ausgesetzt. Anschließend durften Sie Yoga oder Lachyoga machen. Die Forschenden stellten fest: Trotz gleich stark wahrgenommenen Stressreizen und ähnlicher Sauerstoffzufuhr und Relaxation wiesen die "Lacher" weniger Stresshormone auf.

Was war also bei der Gruppe mit den Lachenden anders gewesen? Die Forschenden erklärten: Das soziale Setting, das durch das Lachen entstand, vermittelte den Teilnehmenden ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und führte zu einer veränderten hormonellen Antwort. Das hatte Auswirkungen auf die Ausschüttung vom Stresshormon Kortisol. Das Fazit: Lachyoga kann eine kostengünstige Möglichkeit sein, psychosozialen Stress besser wegzustecken.

Es ist ansteckend, wenn jemand lacht

Dahinter steckt eine weitere spannende Frage: Können wir uns des Lachens überhaupt erwehren? Eine Frage, die Humortrainerin Eva Ullmann beantwortet.

Manchmal lachen wir einfach, weil das Gegenüber so komisch lacht. Es muss gar kein Witz gefallen sein. Es ist einfach ansteckend, wenn jemand lacht.

Eva Ullmann, Humortrainerin
Eva Ullmann im Portrait.
Eva Ullmann, Gründerin des Deutschen Instituts für Humor in Leipzig Bildrechte: MDR/Johannes Wosilat

Das hängt zum einen an den Spiegelneuronen in unserem Gehirn und zum anderen daran, dass Lachen sozial organisiert ist und auf psychologischer Ebene viele verschiedene Funktionen erfüllt: von Stille füllen bis zum signalisieren "Ich bin dein Freund und du kannst mir vertrauen". Das bestätigt der Neurologe Frank Erbguth. "Auch nach Beerdigungen hören Sie zum Beispiel oft Lachen. Es befreit von einer Anspannung, von Trauer und Dramatik."

Lachen ist ein soziales Experiment


Deshalb ist es auch eine gute Idee, sich lustige Videos oder Bühnenshows anzuschauen.

Die Kunst eines Humoristen ist es, an einer alltäglichen Situation, mit der sich jeder identifizieren kann, eine komische Seite zu finden.

Eva Ullmann, Humortrainerin

Schafft es eine Komikerin, eine Situation wie den Blick morgens in den Spiegel ins Ulkige zu drehen, etwa in dem sie sagt: "Ich kenn dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem", identifiziere sich das Publikum mit der Schlagfertigkeit und distanziere sich selbst vom vielleicht gerade noch am Morgen selbst erlebten Problemchen-Moment. Das ist erleichternd. Wer andere zum Lachen bringt, so die Humorexpertin, kann seinen Argumenten daher viel besser Gültigkeit verleihen.

Lachen ist – das steht also fest – eine Art soziales Instrument, das der Mensch im Laufe des Lebens in verschiedenen Situation zu spielen lernt und das verbindend wirkt. Es stimmt zuversichtlich und macht glücklich. Damit ist Lachen sowohl fürs Umfeld, als auch fürs eigene körperliche und geistige Wohlbefinden ein Mini-Energizer.

1 Kommentar

Graf von Henneberg vor 8 Wochen

Am Lachen erkennt man den Narren.