Eine Hand hält einen Holzstempel mit dem Aufdruck - Prüfung NICHT bestanden
Erfolg nach gescheiterten Prüfungen wird überschätzt. Diese Fehlannahme habe einer neuen Studie zufolge negative Auswirkungen. Bildrechte: IMAGO/Wolfilser

Wissen-News Scheitern nicht als Chance begreifen: Positive Lehren aus Misserfolg werden überschätzt

11. Juni 2024, 04:59 Uhr

Die weitverbreitete Annahme, dass Scheitern später zum Erfolg führt, ist einer neuen Studie aus den USA nach falsch. Die Autoren sprechen gar von einer schädlichen Gefahr für die Gesellschaft durch diese Fehleinschätzung.

In elf Experimenten bei über 1.800 Probanden verglichen Forscher aus den USA nationale Statistiken mit den Antworten den Studienteilnehmer. Die Menschen überschätzten dabei den Prozentsatz von angehenden Krankenschwestern, Anwälten und Lehrern, die Zulassungsprüfungen bestehen, nachdem sie zuvor an dieser Hürde scheiterten, deutlich. "Die Menschen erwarten, dass Erfolg viel häufiger auf Misserfolg folgt, als dies tatsächlich der Fall ist", so die leitende Forscherin Lauren Eskreis-Winkler von der Northwestern University in Illinois. "Die Menschen gehen normalerweise davon aus, dass vergangenes Verhalten zukünftiges Verhalten vorhersagt, daher ist es überraschend, dass wir oft das Gegenteil glauben, wenn es um den Erfolg nach einem Misserfolg geht."

"Menschen verwechseln was ist, mit dem, was sein sollte"

Die Überzeugung, dass Menschen auf ihre Fehler achten und aus ihnen lernen, wurde in der Studie grundsätzlich zu hoch angewendet, meinen die Wissenschaftler. "Menschen verwechseln oft das, was ist, mit dem, was sein sollte", sagte Eskreis-Winkler. "Die Menschen sollten aufmerksam sein und aus Fehlern lernen, aber oft tun sie es nicht, weil Fehler demotivierend und ego-bedrohend sind."

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Die Aussage, dass auf Dunkel Sonnenschein folgt und man nach Misserfolg zwangsläufig zurück in die Spur finde, würde zu einem besseren psychischen Befinden führen. Doch in der Praxis zöge dies schädliche Folgen nach sich. "Menschen, die glauben, dass sich Probleme nach dem Scheitern von selbst korrigieren, sind weniger motiviert, den Bedürftigen zu helfen", so die Psychologin Estreis-Winkler. "Warum sollten wir Zeit oder Geld investieren, um Menschen in Schwierigkeiten zu helfen, wenn wir fälschlicherweise glauben, dass sie sich selbst korrigieren werden?" Diesem Mechanismus könnte der Hinweis entgegenwirken, dass Scheitern nicht zwangsläufig zu Erfolg führe, hoffen die Forscher. "Wenn wir unsere falschen Vorstellungen über das Scheitern korrigieren, könnte dies dazu beitragen, die Steuergelder von der Bestrafung auf Rehabilitation und Reformen zu verlagern", schließt Eskreis-Winkler.

Link zur Studie

The Exaggerated Benefits of Failure in "Journal of Experimental Psychology: General"


pm/jar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 06. Juni 2024 | 18:00 Uhr

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part vor 1 Wochen

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