Corona Infektionsrisiko: Ohne Maske gibt es in Zügen keine sicheren Orte

Englische Forscher haben das Corona-Ansteckungsrisiko in Zügen in Experimenten und am Computer simuliert. Ergebnis: Egal ob an den Türen oder in der Mitte des Wagens – ohne Maske ist das Ansteckungsrisiko überall gleich hoch.

Eine junge Frau sitzt mit einer FFP2-Maske in einem Zug
Weiterhin das beste Mittel, um Ansteckungen im Zug zu verhindern: Maskenpflichten in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bildrechte: imago images/YAY Images

Forscher der Universität Cambridge und des Imperial College in London in England haben eine mathematische Simulation entwickelt, die Ansteckungsrisiken in Zug-Waggons berechnet. Das Computermodell wurde anschließend durch Experimente in echten Zugabteilen bestätigt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Masken bieten den besten Schutz vor einer Ansteckung, Abstände zwischen Passagieren dagegen sind weniger effektiv, vor allem dann nicht, wenn es in Zügen keine Belüftungssysteme gibt.

Ansteckungsrisiko Waggon praktisch gleich verteilt

Mit der im Fachjournal "Indoor Air" veröffentlichten Arbeit bestätigen die Autoren um Rick de Kreij Ergebnisse mehrerer deutscher Forschungsteams, darunter der Deutschen Zentren für Luft und Raumfahrt und für Schienenverkehrsforschung. Natürlich seien die Ansteckungsrisiken immer relativ, also abhängig davon, wie viele Menschen im Zug geimpft seien, wie stark ausgelastet Züge sind und ob Passagiere Masken tragen, sagte de Kreij. Aber einen wirklich sicheren Platz innerhalb des Zuges gebe es nicht. Zwar sei die Luftzirkulation in der Mitte eines Wagens am geringsten und das Ansteckungsrisiko dort am höchsten, wenn sich eine infizierte Person in der Nähe befinde. Da man nicht wisse, ob und falls ja welche Personen in einem Waggon infektiös seien, sei das Risiko praktisch im ganzen Waggon gleich verteilt.

Maskenpflicht im Zug effektivste Maßnahme

In britischen Zügen gibt es oftmals keine Belüftungssysteme, weil die Betreiber Kosten sparen wollen. Dort gibt es zum Tragen von Masken praktisch keine Alternative. In Deutschland gibt es vor allem im Fernverkehr, aber auch in modernen Nahverkehrszügen gute Belüftungen, die die Luft in Waggons rechnerisch alle sieben Minuten komplett austauschen. Doch auch hier erwies sich "das konsequente Tragen einer gut sitzenden FFP2-Maske" als "wirksamste Maßnahmen zur Minimierung der Exposition von Fahrgästen und Personal", so das Ergebnis der des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung.

Maskenpflichten in Zügen weiter verlängert

In Deutschland hatten verschiedene Länder und auch die Bundesregierung die Pflicht zum Tragen von Masken in Zügen verlängert. Angesichts der neuen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 und einer steigenden Zahl neuer Ansteckungen dürften diese Maskenpflichten weiter den besten Schutz vor einer Infektion bei einer Zugfahrt bieten.

Autor

14 Kommentare

wo geht es hin vor 1 Wochen

Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man gerade die Klimaanlagen für die größten Verbreiter des Virus in geschlossenen Kabinen, Abteilen oder Waggons halten. Wer sich aber ein wenig in Physik auskennt, erkennt schnell, daß eine funktionierende Klimaanlage keinerlei Gefahr darstellt - im Gegenteil. Gerade im Flieger wird die Luft durch Kompressoren gejagt, dort auf bis zu 400 Grad durch den Druck erhitzt und das übersteht kein Virus. Mir ist auch kein Fall bekannt, wo sich jemand im Flieger infiziert hätte. Also braucht es dort keine Maske und Sie haben mit Ihrer Überlegung dahingehend vollkommen recht.

Matthi vor 1 Wochen

Prinzipiell ist es zwar richtig das man sich ohne Maske in Bus, Bahn, Flieger anstecken kann. Aber was bringt eine Maskenpflicht in Beförderungsmitteln wenn in Bahnhöfen, Flughäfen an vollen Haltestellen keine Maskenpflicht besteht und man sich da schon Infizieren kann. Davon abgesehen im Sommer bei den aktuellen Temperaturen ist es schon Gesundheitlich bedenklich eine Maske zu tragen in Beförderungsmitteln die keine oder Defekte Klimaanlage haben, beste Beispiel ICE Klimaanlagen ausfälle.

Heinz H. vor 1 Wochen

Welche Aussagekraft die Angabe der 7-Tageinzidenz auch immer haben mag, so taugt sie doch immerhin dazu Vergleiche anzustellen. Betrachtet man also z.B. nur mal die europäische Karte auf Basis dieser Zahlen, so muss man erkennen, dass das Virus an innereuropäischen Grenzen halt macht. Vgl. Deutschland, Skandinavien, Polen, Tschechien. Zumindest in Polen und Tschechien gibt es aus eigenen kürzlichen Erfahrungen keine Maskenpflicht im ÖPV. Von der Impfquote mal ganz zu schweigen. Demnach bleibt die Schlussfolgerung, dass Deutschland auf einer Insel liegen muss ...