Covid-19, Influenza und Co. Impfungen gegen Grippe und Corona senken Alzheimer-Risiko – Infektionen steigern es

US Forscher haben Gesundheitsdaten von Senioren ausgewertet: Je regelmäßiger jemand eine Grippe-Impfung bekam, desto niedriger sein Alzheimer-Risiko. Eine Infektion mit Covid-19 hatte den umgekehrten Effekt.

Eine Frau wird geimpft.
Schützt offenbar zu einem gewissen Teil vor Alzheimer: Impfung gegen die Grippe. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Eine regelmäßige Impfung gegen Atemwegserkrankungen wie die Grippe schützt ältere Menschen in einem gewissen Maß von einer Erkrankung mit Alzheimer. Das ist das Ergebnis einer statistischen Untersuchung von Forschern der Universität Texas und Houston. Das Team um Avram Bokhbinder, Yaobin Ling und Omar Hasan hatte die Daten von knapp einer Millionen gegen Grippe geimpfter Senioren verglichen mit rund einer Millionen Ungeimpften. Während rund 8,5 Prozent der Ungeimpften später an Alzheimer erkrankten, waren es unter den Geimpften nur 5,1 Prozent, das Risiko sank durch die Impfung also um fast 40 Prozent.

Eine andere Studie eines Teams dänischer Forscher hatte vor einigen Tagen bereits den umgekehrten Fall gezeigt, dass bei tatsächlich Erkrankten – in diesem Fall an Covid-19 – das Risiko um das 3,5-fache stieg, ein Jahr nach der Infektion eine Alzheimer-Diagnose zu erhalten.

Je regelmäßiger die Grippe-Impfung, desto niedriger das Alzheimer-Risiko

Die US-Forscher hatten zwischen 2009 und 2019 erhobene Gesundheitsdaten einer Krankenkasse ausgewertet und sich dabei auf über 65-Jährige konzentriert. Die Forschenden verglichen jeweils 935.887 gegen Grippe-Geimpfte mit ebenso viele nicht Geimpfte. Der Altersdurchschnitt der Untersuchungspersonen lag bei 73,7 Jahren, mit 59,9 Prozent waren die Frauen leicht in der Mehrheit.

"Unseren Erkenntnissen zufolge kann eine Grippe-Impfung bei älteren Erwachsenen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, für mehrere Jahre reduzieren", sagt der Leiter der Studie Avram Bokhbinder. "Dieser schützende Effekt wurde noch stärker, je regelmäßiger eine Person die jährliche Grippe-Impfung empfangen hatte. Anders ausgedrückt: Das Alzheimer-Risiko war bei denen am geringsten, die jedes Jahr geimpft worden waren."

Auch Herpes-, Polio und Tetanus-Impfung schützen vor Alzheimer

Die Forscher schränken allerdings ein, dass der Grund für den Zusammenhang aus den Daten nicht hervorgeht. Auch andere Impfungen haben anderen Studien zufolge einen ähnlichen Effekt, der Schutz geht also nicht allein von den Influenza-Impfstoffen aus. Wirksam sind demnach auch Impfungen gegen Tetanus, Polio oder Herpes Zoster (Windpocken/Gürtelrose).

Das Immunsystem sei komplex, sagte Paul Schulz, Professor für Neurologie. "Veränderungen, wie eine Lungenentzündung, können es in einer Weise aktivieren, die eine Alzheimer-Krankheit verschlimmert. Andere Impulse, die das Immunsystem aktivieren, stoßen aber offenbar andere Abläufe an, die vor der Alzheimer-Krankheit schützen. Wir müssen mehr darüber lernen, wie das Immunsystem die Ergebnisse dieser Krankheit verschlechtert oder verbessert."

Mehr Alzheimer-Diagnosen im Jahr nach einer durchgemachten Covid-19

Diese Frage wird auch aufgeworfen durch Daten, die dänische Forscher jetzt in einem Beitrag für den Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie vorgelegt haben. Sie vergleichen das Risiko verschiedener Erkrankungen bei einer Gruppe von 919.731 Personen, die einen Corona-Test gemacht hatten. Unter den 43.375 Personen, die ein positives Testergebnis hatten, war das Risiko, innerhalb eines Jahres eine Alzheimer-Diagnose zu bekommen, um das 3,5-fache erhöht. Die Zahl der Schlaganfälle lag um den Faktor 2,7 höher, die Zahl von Hirnblutungen war sogar um das 4,8-fache erhöht.

Allerdings schränken auch bei dieser Studie unabhängige Forscher ein, dass keine Aussage über einen ursächlichen Zusammenhang getroffen werden kann. So könnten laut Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), auch äußere Faktoren dazu führen, dass eine bereits bestehende Alzheimer-Erkrankung sich richtig zeigt. Zu solchen Faktoren zählt Berlit etwa, wenn ältere Menschen ihr gewohntes Umfeld verlassen, weil sie mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Trotzdem ist auch ein direkter Zusammenhang möglich. Anja Schneider, Forschungsgruppenleiterin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn, sagte allerdings, es sei bereits länger bekannt, dass solche Atemwegserkrankungen zu Entzündungsreaktionen führen, die einen schädigenden Einfluss auf Nervenzellen im Gehirn verstärken können.

(ens/dpa)

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1 Kommentar

ElBuffo vor 5 Wochen

Den Verdacht, dass das das Gehirn annaschen könnte, konnte man schon lange haben. Wäre in der Tat noch die Frage, ob das ein ursächlicher Zusammenhang ist oder nur eine Autokorrelation vorliegt. Würde jedenfalls Einiges erklären.