Vishnuonyx neptuni Neue ausgestorbene Otter-Art in Deutschland entdeckt

Tübinger Forscher haben im Allgäu fossile Otter entdeckt, die vor 11,4 Millionen Jahren gelebt haben und aus Indien stammten. Die Tiere haben damit eine deutlich weitere Verbreitung erreicht, als bisher bekannt war.

Ein Fischotter schwimmt auf dem Rücken.
Entspannt auf dem Wasser: ein Fischotter in Alaska. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Otter-Videos erfreuen sich im Internet einiger Beliebtheit, unter anderem, weil Otter-Weibchen so behutsam mit ihrem Nachwuchs umgehen (oder manchmal auch, weil Superstar Benedict Cumberbatch bei der BBC den Otter macht). Die Evolutionsgeschichte der Raubtiere ist allerdings noch relativ wenig erforscht. Aktuell sind 13 lebende Otter-Arten auf der Welt bekannt. Ein Team von Forschern um die Paläontologin Madelaine Böhme vom Senckenberg-Zentrum an der Universität Tübingen hat nun im Allgäu eine neue Abstammungslinie entdeckt, die Neptuns Vishnu-Otter genannt wurden.

Gleicher Fundort wie erste im Voralpenraum bekannte Menschenaffenart

Fundstelle ist die frühere Tongrube Hammerschmiede bei Kaufbeuren im Allgäu, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachjournal "Journal of Vertebrate Palaeontology". Dort wurden zuvor bereits die ersten im Voralpenraum entdeckten Menschenaffen-Art Danuvius guggenmosi gefunden. Die nun neu beschriebene Otterspezies hatte dort vor etwa 11,4 Millionen Jahren gelebt.

Die Landkarte der Mittelmeerregion vor 13 Millionen Jahren zeigt den Verbreitungsweg von Vishnu-Ottern von Indien nach Afrika und Europa. Eine mit einem Stern und der Abkürzung HAM4 gekennzeichnete Stelle markiert die Ausgrabungsstätte Hammerschmiede im Allgäu.
Vor rund 13 Millionen Jahren war das Mittelmeer noch über eine Meerenge mit dem indischen Ozean verbunden. Das schwarze und das kaspische Meer waren im Bereich des heutigen Armeniens durch die Straße von Arak mit dem indischen Ozean verbunden. Die Forscher nehmen an, dass die Otter diesen Weg von Indien aus nach Deutschland genommen haben. Bildrechte: Nikos Kargopoulos

Tiere haben sich über das Meer hinweg verbreitet

Die Forscher waren von dem Fund überrascht. Die nach Vishnu, der höchsten Verkörperung des Göttlichen im Hinduismus benannten Tiere waren vor 14 bis 12,5 Millionen Jahren vor allem in den Flüssen Südasiens verbreitet. Sie waren mittelgroße Raubtiere und wurden etwa 15 Kilogramm schwer. Die davon am weitesten entfernten Fundstellen, die bisher entdeckt wurden, liegen im heutigen Afrika. Weil den Tieren offenbar auch die Reise über das damals noch auf natürliche Weise mit dem indischen Ozean verbundene Mittelmeer gelang, wurden sie nach Neptun benannt, dem römischen Gott des Meeres.

(ens)

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