Himmelsbeobachtung Asteroiden-Rekordjahr liegt hinter uns - und vielleicht vor uns

2020 wurden fast 3.000 erdnahe Asteroiden entdeckt, so viele wie nie zuvor in einem Jahr. Gut möglich, dass das 2021 so weitergeht. Das All ist voller kleiner und großer Brocken.

Das Diagramm zeigt es deutlich: 2020 wurden mit großem Abstand mehr erdnahe Asteroiden entdeckt als in jedem Jahr zuvor. Fast 3.000 waren es, also beinahe 50 Prozent mehr als im bislang "zweitbesten" Jahr 2018.
Das Diagramm zeigt aber auch, dass das mutmaßlich an den immer besser werdenden Teleskopen liegt. Denn es wurden vor allem viel mehr kleinere Asteroiden entdeckt, die weniger als 140 Meter Durchmesser haben.

Sind wir also umgeben von unzähligen großen und kleinen Gesteinsbrocken, von denen schon aus Gründen der reinen Wahrscheinlichkeit immer mal einer die Erde treffen wird? Wahrscheinlich - und sehr sicher ist es im Laufe der Erdgeschichte auch schon unzählige Male passiert.

Bild Asteroid
Ein so großer Asteroid wurde in Erdnähe noch nie gesichtet Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unterscheidung Asteroid – Meteoroid – Meteor – Meteorit

Die Größe eines Gesteinsbrockens im Universum entscheidet darüber, ob der Brocken Asteroid oder Meteoroid genannt wird.
Wenn er größer als ein Staubteilchen, aber kleiner als ein Asteroid ist, soll man Meteoroid dazu sagen. Dummerweise gibt es aber keine verbindliche Grenze dafür. Man darf also getrost auch von großen und kleinen Asteroiden sprechen und das ohnehin beschwerliche Wort Meteoroid unbenutzt lassen.

Wenn so ein Asteroid dann allerdings in Richtung Erde fliegt, kommen noch andere Bezeichnungen ins Spiel. Die Leuchterscheinung am Himmel nennt man Meteor. Und wenn der als Meteor leuchtende Asteroid den Flug durch die Erdatmosphäre übersteht und es bis zur Erdoberfläche schafft, dann ist er gar ein Meteorit.

Tscheljabinsk 2013

Der Feuerball des Asteroids von Tscheljabinsk am Himmel am 15.Februar 2013 aufgenommen mit einer Dashcam
Bildrechte: ESA

Der Einschlag von Tscheljabinsk mit 1.500 Verletzten liegt gerade mal acht Jahre zurück. Warum wurde der eigentlich nicht vorhergesagt? Damals gab’s doch auch schon Teleskope…
Das Problem damals war, dass der Asteroid in etwa aus Richtung der Sonne kam, als er sich der Erde näherte. Deshalb konnte ihn kein Teleskop vorab entdecken. Theoretisch (und auch praktisch) könnte so etwas immer wieder passieren, wenn es sich um noch unbekannte Asteroiden handelt.

Erdnahe Objekte

Umso wichtiger erscheint es, so viele Gesteinsbrocken wie möglich zu sichten und ihre Umlaufbahnen zu kennen. Asteroiden ziehen wie die Planeten ellipsenförmige Bahnen um die Sonne. Wenn Umlaufbahn und Geschwindigkeit eines Asteroiden bekannt sind, dann kann der Brocken die Astronomen selbst dann nicht überraschen, wenn er beim nächsten Mal aus Richtung Sonne kommt. Deshalb werden schon seit Jahren alle entdeckten sogenannten NEOs (near-earth objects) unter Federführung der NASA erfasst.

Nächste und größte Asteroiden

Was waren die knappsten bekannten Asteroiden-Passagen der letzten Jahre (außer Tscheljabinsk)? Und wie nah kamen uns die dicksten bekannten Brocken im All schon einmal? Wenn man sich Statistiken zu diesen beiden Fragen anschaut, kommt ein wenig Beruhigung auf. Denn die Asteroiden, die der Erde am nächsten kamen, waren äußerst klein. Und die größten wiederum kamen der Erde noch nie sonderlich nah.

Schalten Sie sich durch die beiden Diagramme, und lesen Sie Einzelheiten beim Klick auf die Diagrammbalken.

In der Statistik der besonders nahen Asteroiden war 2020 also auch ein Rekordjahr. Im November näherte sich "2020 VT4" der Erdoberfläche bis auf etwa 380 Kilometer. Allerdings ist "2020 VT4" so klein, dass er bei einem Eintritt in die Erdatmosphäre höchstwahrscheinlich vollständig verglühen würde.

Alles ist relativ

Bild Asteroid
Asteroid "2011 ES4" (gelb) fliegt zwischen Erde (türkis) und Mond (weiß) hindurch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ist groß? Was ist nah? Was ist knapp vorbei? Astronomen haben da ganz gewiss andere Maßstäbe als zum Beispiel Sportreporter. Astronomen rechnen, wenn es um Erdnähe geht, gern in Mondabständen (engl. lunar distance). Dafür nehmen sie den mittleren Abstand zwischen Erde und Mond, und der beträgt 384.400 km.
Wenn dann ein Objekt mit weniger als einem Mondabstand an der Erde vorbeifliegt, wie zum Beispiel Asteroid "2011 ES4" im vergangenen Jahr, dann gilt das schon als besonders knapp, auch wenn mehr als 100.000 Kilometer zwischen Asteroid und Erde lagen.

Neue Rekordjahre 2021, 2022, 2023 usw.?

Die Anzahl der entdeckten erdnahen Asteroiden (vor allem der kleineren) ist in den vergangenen Jahren exponentiell gestiegen, das zeigt die Kurve deutlich. Und bislang gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln, dass das so weitergeht. Es gibt immer mehr und immer größere Teleskope, die wissenschaftlichen Methoden werden immer besser.

Die Frage ist, wie viele erdnahe Asteroiden da draußen noch darauf warten, entdeckt zu werden: Zehntausende? Hunderttausende? Oder gar Millionen?

Gut möglich jedenfalls, dass die Astronomen schon bald milde lächeln über das einstige "Rekordjahr" 2020 mit seinen (dann) popeligen 3.000 Neuentdeckungen.

rr

0 Kommentare