Ein Drittel der Landfläche Waldkarte aus dem All liefert neuen globalen Überblick

Eine Waldkarte aus dem All liefert erstmals einen Überblick über den globalen Zustand der Wälder. Die Datenbasis für das DLR-Projekt stammt von zwei deutschen Satelliten, die im Tandemflug die Erde in 3D erfassen.

TDX-Waldkarte der Welt
Die globale TanDEM-X-Waldkarte: Lediglich ein Drittel der Erdoberfläche ist heute noch von Wald bedeckt. Mehr als die Hälfte des weltweiten Bestands wurde seit Mitte des 20. Jahrhunderts abgeholzt. Bildrechte: DLR

Eine globale Waldkarte, die anhand von Satellitendaten erstmals einen dreidimensionalen Überblick über den Waldbestand der Erde liefert, stellt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ab sofort der Wissenschaft zur Verfügung. Nach Angaben des DLR schließt das Projekt bisherige Datenlücken. So wird etwa erstmals ein einheitlicher Überblick über die Regenwälder in Südamerika, Südostasien und Afrika geliefert.

Veränderungen besser beobachten

TDX-Waldkarte Abholzung im Amazonas
Vergleich einer Google Earth-Aufnahme (l.) mit der TanDEM-X-Waldkarte für die Abholzungen im Amazonasgebiet. Bildrechte: Google Earth/DLR

Nach Angaben des DLR soll die TanDEM-X-Waldkarte Forscher und Behörden weltweit dabei unterstützen, die Veränderungen von Wäldern besser zu beobachten. Von illegaler Abholzung bedrohte Waldgebiete etwa am Amazonas könnten so besser geschützt und als weltweit wichtige Kohlenstoff-Speicher erhalten werden. Immerhin ist vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts bereits die Hälfte des weltweiten Waldbestandes einer rücksichtslosen Abholzung zum Opfer gefallen. Die Karte mit einer Auflösung von 50 Metern könnte nach Ansicht des DLR auch in der Regionalentwicklung sowie in der Land- und Forstwirtschaft von großem Nutzen sein.

Radarsatellit von Tageszeit und Wetter unabhängig

TDX-Waldkarte Abholzung Brasilien
TDX-Waldkarte von Abholzungen in Brasilien. Bildrechte: DLR

Die Datenbasis für die TanDEM-X-Waldkarte wurde ganz wesentlich durch den gleichnamigen Radarsatelliten geliefert. Dieser ist dabei in der Lage, Aufnahmen auch unabhängig von Wetter und Tageszeit zu erstellen. Vor allem bei der Kartierung tropischer Wälder, die aufgrund ihres hohen Feuchtigkeitsausstoßes meist von dichten Wolken bedeckt sind, ist das ein entscheidender Vorteil.

Für das Projekt hat das DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme in Oberpfaffenhofen bei München mehr als 400.000 Datensätze verarbeitet, welche die TanDEM-X-Mission des DLR zwischen 2011 und 2015 gesammelt hat.

Dreidimensionales Bild durch Tandemflug

TanDEM-X_TerraSAR-X
Die beiden Satelliten TanDEM-X und TerraSAR-X im Formationsflug. Bildrechte: DLR, CC-BY 3.0

Bei der TanDEM-X-Mission vermisst der deutsche Radarsatellit TanDEM-X gemeinsam mit dem deutschen Erdbeobachtungsatelitten TerraSAR-X die Erde. Dabei umkreisen beide Satelliten unseren Planeten in einer Höhe von 500 Kilometern und im Abstand von nur wenigen hundert Metern zueinander. Das ermöglicht es ihnen, gleichzeitig Aufnahmen von den selben Geländeabschnitten aus verschiedenen Blickwinkeln zu machen.

Das Resultat ist ein dreidimensionales Geländemodell mit einer Höhengenauigkeit von nur einem Meter. Das hat es von der Erde bisher noch nie gegeben.

TDX-Waldkarte Alpen
TDX-Waldkarte der Alpen. Bildrechte: DLR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Mai 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 17:07 Uhr

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