Remove-Debris-Projekt Netz und Harpune sollen Weltraumschrott einfangen

Rund 18.000 Raketen- und Satellitenteile sind derzeit im Orbit unterwegs, hinzu kommen hunderttausende Kleinstteile. Für Astronauten und Raumtechnik eine echte Gefahr. Mit dem Projekt Remove-Debris soll der Schrott eingefangen werden. Ein entsprechender Satellit wurde nun von der ISS gestartet.

Müllabfuhr im Orbit: Mit Netz und Harpune könnten Satelliten künftig auf Jagd nach Weltraumschrott gehen. Ein von der EU mitfinanziertes 15-Millionen-Euro-Projekt unter Leitung der britischen Universität Surrey soll diese neuen Technologien testen. Am Mittwoch (20. Juni 2018) startete das Team von ESA-Astronaut Alexander Gerst dafür einen Forschungssatelliten von der Internationalen Raumstation ISS ins Weltall. In den nächsten Monaten soll er zwei Mini-Satelliten aussetzen und diese mit Netz und Harpune einfangen.

Fangtest mit Netz

ein Mann an einer Maschine
Der Schrottsammler fürs Weltall wurde in England montiert. Bildrechte: Max Alexander

Ein Roboterarm schubste den Satelliten des Projektes Remove-Debris (Trümmer beseitigen) am Mittwoch aus der Luftschleuse des japanischen ISS-Moduls ins All. Voraussichtlich im September werde das erste Experiment mit dem Netz starten, sagte Ingo Retat von dem Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space in Bremen, der dieses entwickelt hat.

Kameras werden dabei verfolgen, ob sich das halbkugelförmige Netz richtig entfaltet und es gelingt, den Mini-Satelliten einzufangen. Bei einer echten Mission soll die Raumsonde den eingefangenen Schrott über eine Leine einholen und zusammen mit ihm später verglühen.

Harpune für große Objekte

Spacewalk des Astronauten Mark Vande hei im Oktober 2017 an der ISS
Vor allem für Astronauten auf Spacewalk ist Raumschrott eine echte Gefahr. Bildrechte: IMAGO

Ähnlich soll es bei der von Airbus im britischen Stevenage gebauten Harpune ablaufen. Laut Retat lohnt sich diese aufwendige Methode jedoch nur bei größeren Objekten. Ein Beispiel wären tote Satelliten wie der "Envisat" der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Dieser fliegt in einem Orbit, in dem viele Erdbeobachtungssatelliten unterwegs sind. Bei einer Kollision könnten nach Angaben von Retat Tausende Schrottfragmente durchs All fliegen, die andere Satelliten beschädigen könnten.

Weltraumschrott wird für die internationale Raumfahrt zunehmend zum Problem. Experten schätzen ein, dass derzeit rund 18.000 Raketen- und Satellitenteile - zehn Zentimeter oder größer – die Erde umkreisen. Hinzu kommen hunderttausende Klein- und Kleinstteile. Für Astronauten im All, für Raumstationen und Satelliten sind die umherfliegenden Teile eine echte Gefahr.

Dieses Thema im Programm: 3sat nano | 03. April 2018 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2018, 15:00 Uhr