Transiting Exoplanet Survey Satellite der NASA.
Der Transiting Exoplanet Survey Satellite - TESS - der NASA. Bildrechte: NASA's Goddard Space Flight Center/Chris Meaney

Suche nach Exoplaneten NASA-Planetenjäger TESS ins All gestartet

Das Weltraumteleskop "Kepler" hat in seinen neun Jahren im All tausende mögliche Exoplaneten entdeckt. Doch langsam geht ihm der Sprit aus. Deshalb schickt die NASA einen neuen Planetenjäger in den Orbit: das Weltraumteleskop "TESS" wird die Planetensuche übernehmen. Zum ersten Mal hat eine Trägerrakete der privaten Raumfahrtfirma SpaceX einen NASA-Satelliten in wissenschaftlicher Mission ins All transportiert.

Transiting Exoplanet Survey Satellite der NASA.
Der Transiting Exoplanet Survey Satellite - TESS - der NASA. Bildrechte: NASA's Goddard Space Flight Center/Chris Meaney

Die Aussichten für Weltraumteleskop Kepler sind eher schlecht: Ein paar Wochen hat es noch, vielleicht auch ein paar wenige Monate. Aber dann wird der Tank nach rund neuen Jahren im Weltall wohl endgültig leer sein. Wieder auftanken ist im Fall des Planetenjägers, der nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) benannt wurde, nicht möglich. Was bleiben wird, sind jedoch seine Funde: Kepler lieferte tausende Hinweise auf möglich Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - sogenannte Exoplaneten.

TESS ist unterwegs

Für die Astronomen der NASA kommt Keplers Ende natürlich nicht überraschend. Deshalb schicken sie jetzt TESS ins All: TESS ist ein Akronym und steht für Transiting Exoplanet Survey Satellite - ein hoch spezialisierter Planetenjäger also. Der neue Satellit ist in der Nacht zu Donnerstag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida an Bord einer "Falcon 9"-Rakete von SpaceX in den Weltraum gebracht worden. Das ist das erste Mal, dass die US-Raumfahrtbehörde die Dienste der privaten Raumfahrtfirma von Elon Musk für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch nimmt. SpaceX hatte im Auftrag der NASA bisher vor allem mit seinem "Dragon"-Frachter Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS gebracht.

Die TESS-Mission ist der NASA zufolge zunächst auf zwei Jahre ausgelegt und kostet rund 200 Millionen Dollar. Das Weltraumteleskop selbst ist etwa so groß wie ein Kühlschrank. Es ist mit vier Kameras ausgestattet, die ein wesentlich größeres Gebiet absuchen können als Keplers Instrument.

Zwei Monate bis zur Umlaufbahn

Missionschef George Ricker sagte, dass der kleine Satellit in der "Falcon 9"-Rakete "wie ein Spielzeug" aussehe. Wenn TESS im All ist, werde es noch einmal rund zwei Monate dauern, bis die geplante Umlaufbahn erreicht ist. Erst dann werden Daten gesammelt. TESS wird dann die Lichtintensität zahlreicher Sterne beobachten. Wenn das Licht kurz nachlässt, ist das ein Hinweis darauf, dass gerade ein Planet an den Stern vorbeigezogen sein könnte und ihn deshalb kurz verdeckt hat. So kann der Planetenjäger Exoplaneten von klein und steinig bis hin zu riesigen Himmelskörpern entdecken.

Im Gegensatz zu Kepler wird TESS nicht nur ein weit größeres Blickfeld haben, sondern auch einen anderen Teil des Weltalls anschauen. Denn während Kepler sehr weit entfernte Planeten entdeckt habe, sagt Missionschef Ricker, werde TESS hoffentlich auch einige bei näheren Sternen finden. Die Astronomen hoffen auf möglicherweise etwa 500 erdgroße Planeten innerhalb einer Entfernung von 300 Lichtjahren. "TESS wird uns viel Spaß bringen", sagt Ricker.

Es gibt 20 Millionen Sterne, die wir uns anschauen können. Ich freue mich darauf, endlich Daten zu sehen.

Diese Daten werden dann auch Astrophysiker des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu sehen bekommen. Die renomierte Hochschule hat die wissenschaftliche Federführung in der TESS-Mission. Im ersten Jahr im All soll TESS den Forschern Bilder der südlichen Hemisphäre und im zweiten der nördlichen Hemisphere liefern, so dass danach eine Art Karte von 85 Prozent unseres Sternenhimmels herauskommt.

Eine Flotte auf Planetenjagd

Das neue Weltraumteleskop TESS muss künftig aber nicht allein auf Planetenjagd gehen. Die hat sich nämlich mittlerweile zu einer Aufgabe für eine ganze Flotte von Satelliten entwickelt: Die NASA-Teleskope "Hubble" und "Spitzer" kreisen schon seit Jahrzehnten im All und liefern ebenfalls Daten, auch, wenn die nur eingeschränkt brauchbar sind. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA plant außerdem ihren Planetenjäger "Cheops" noch in diesem Jahr auf den Weg zum Start zu bringen.

Nur ein wichtiger Teil der Flotte schwächelt noch: Das "James Webb"-Teleskop sollte eigentlich dieses Jahr starten. Die NASA hat den Start jedoch kürzlich auf "frühestens Mai 2020" verschoben, weil weitere Test notwendig geworden waren. Das "James Webb"-Weltraumteleskop wurde nach nach dem zweiten NASA-Geschäftsführer benannt. Es soll 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und unter anderem mit Hilfe eines 25 Quadratmeter großen Spiegels neue Bilder aus dem frühen Universums liefern. Zusätzlich soll es künftig dabei helfen, die Planeten, die TESS findet, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 19. April 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 15:27 Uhr