Studie zu Künstlicher Intelligenz Warum verbinden wir KI mit uralten Film-Figuren?

Was ist Künstliche Intelligenz? Diese Frage beantworten erstaunlich viele Menschen laut einer aktuellen Befragung mit "Terminator". Das ist die bekannteste Science Fiction-Maschine mit KI, gefolgt von Knuddel-Roboter "R2-D2" aus "Star Wars". Auf Platz 3 das sprachbegabte Rennauto K.I.T.T. aus der Serie "Knight Rider". Ziemlich altertümliche Vorstellungen von Künstlicher Intelligenz. Wie werten Forscher diesen Blick auf die KI? Was für ein Licht wirft so ein Ergebnis auf unsere Intelligenz?

David Hasselhoff in Knight Rider 3 min
Bildrechte: imago/Milestone Media

Unsere Vorstellung von künstlicher Intelligenz orientiert sich an 30 Jahre alten Spielfilmen. Ein Androide (mal gut, mal böse), ein Auto mit Scharfsinn und ein Knuddel-Roboter. Ingo Timm von der Uni-Trier und Sprecher des Fachbereichs "Künstliche Intelligenz" der Gesellschaft für Informatik, meint: Diese Vorstellungen mögen veraltetet sein, sie entsprechen aber unserem Naturell. Er sagt im Gespräch mit MDR Wissen:

In den Filmen kommen ganz tolle KI-Systeme vor. Roboter, autonome Fahrzeuge, man sieht sehr starke Fertigkeiten. Besonders auch eine sehr menschenähnliche Form von Wesen, von Systemen mit einer hohen Möglichkeit der Identifikation. Wir wollen uns identifizieren können.

Prof. Ingo Timm, Uni Trier

KI hat ein Imageproblem: In unseren Köpfen ist sie steinalt

Die Vorstellung vom Roboter als Freund ist 30 Jahre nach den Kultfilmen und Serien noch ein Wunschtraum, obwohl wir längst von Künstlicher Intelligenz umgeben sind. Die Sprachassistenten Siri und Alexa gehören genauso dazu, wie das Navi in unserem Auto.      

Wir müssen offenbar an unserem Bild von Künstlicher Intelligenz nachziehen. Das, was wir uns derzeit unter KI vorstellen, ist zwar menschlich verständlich, braucht aber dringend ein Update. Denn, wenn die KI ein Roboter ist, der für ein paar Euro im Haushalt kommt und die Spülmaschine ausräumt, nebenher den Kindern bei den Hausaufgaben hilft und noch das Auto wartet, so KI-Forscher und Wirtschaftsinformatiker Timm, dann kann das gefährlich werden.

Da würde man damit Dinge verbinden, die wir auf gar keinen Fall so in der Zukunft sehen werden. Ich würde sogar so weit gehen, dass wir das Problem nicht nur zwingend aus Filmen heraus haben, es ist auch ein Öffentlichkeitsproblem, was wir in der aktuellen Zeit haben.

Prof. Ingo Timm

Welche Art von KI kommt denn nun in naher Zukunft?

Für Gefühle gibt es keinen Algorithmus. Künstliche Intelligenz dringt überall in unser Leben ein. Nur eben anders, als wir es uns vorstellen. Künstliche Intelligenz finden wir beispielsweise in der Medizin. Dort stellt sie Diagnosen für ganz spezielle Krankheiten, sie löst komplexe Matheaufgaben oder ermöglicht Mobilität. Roboter werden auch in Zukunft kaum einen menschlichen Partner ersetzen können. Denn allein dem Roboter das Laufen beizubringen ist schwieriger, als noch Regisseure von Science-Fiction-Filmen und auch die Experten vor 30 Jahren ahnen konnten.

Wenn wir über KI reden, dann ist es noch nicht das autonome Fahrzeig, so Timm. Denn darin werden wir in den nächsten drei bis fünf Jahren noch nicht sitzen.

Für uns wird viel eher ein Problem sein, dass wir eine Software haben, die uns einen Vorschlag macht und dieser Vorschlag möglicherweise auf KI-Algorithmen basiert und wir verstehen müssen, dass möglicherweise nicht jedes Ergebnis, das ein Softwaresystem ausgibt, unbedingt das beste Ergebnis sein muss, dass es aber häufig sehr gut ist und wir lernen müssen, wie weit wir einem solchen System vertrauen wollen.

Prof. Ingo Timm

Warum wir ein neues Verständnis für KI brauchen

Google Home und Amazon Echo
Bildrechte: dpa

Künstliche Intelligenz koordiniert mittlerweile auch die Logistik, steuert Maschinen, bestimmt das Risiko für eine Kreditaufnahme. Und sie entsperrt unsere Smartphones, schlägt uns vor, welcher Musiktitel uns als nächstes gefallen könnte. Viel wichtiger als mit einem Roboter zu kuscheln, ist daher unser Verständnis für die Künstliche Intelligenz.

Nach welchen Algorithmen funktioniert sie? Welche Daten und Erfahrungswerte liegen zugrunde und beeinflussen damit die rein datenbasierte Entscheidung einer Künstlichen Intelligenz? Das Denken nimmt sie uns daher nicht ab, ganz im Gegenteil. Bis es eine Künstliche Intelligenz mit Verstand UND Herz geben wird, kann es dauern. So lange bleiben der Terminator, der Roboter R2-D2 und das Rennauto K.I.T.T. weiter Science Fiction. 

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 26. Juni 2019 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 15:10 Uhr

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