Klimakiller Fracking-Gas Durch Methan-Reduktion die Erderwärmung begrenzen

Methan aus gefracktem Gas wird immer mehr zum Problem für die Atmosphäre und unser Weltklima. Anders als beim CO2 könnte eine Reduktion des Treibhausgases die Erderwärmung aber schneller begrenzen, so eine US-Studie.

Methan-Emissionen aus Fracking-Gas-Tanks
Methan wird aus einem Tank abgelassen, um das Druckniveau zu halten. Erst die Infrarotkamera (rechts) macht das Entweichen des Treibhausgases in die Atmosphäre sichtbar. Bildrechte: Howarth, Biogeosciences, 2019

Eine Reduzierung des Treibhausgases Methan ist nach Ansicht des US-Umweltforschers Robert Howarth eine viel schneller wirkende Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel als die Begrenzung des CO2-Ausstoßes.

"Die Reduzierung von Methan kann eine sofortige Möglichkeit sein, die globale Erwärmung zu verlangsamen und das Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen, den Planeten deutlich unter einem durchschnittlichen Anstieg von 2 Grad Celsius zu halten", sagt der Professor für Ökologie und Umweltbiologie am Atkinson-Zentrum für eine nachhaltige Zukunft der Cornell University in Itacah, New York, mit Blick auf die Ziele des Pariser Klima-Abkommens.

"Kritische Treibhausgase"

Zwar seien sowohl Methan als auch Kohlendioxid "kritische Treibhausgase", räumt Howarth ein. Allerdings würden sich beide in der Atmosphäre ganz unterschiedlich verhalten. Während das Klima nur sehr langsam auf abnehmende CO2-Mengen reagiere und heute ausgestoßenes Kohlendioxid noch in den kommenden Jahrhunderten zu spüren sei, reagiere die Atmosphäre sehr schnell auf sich ändernde Methan-Emissionen.

Und die, so das Ergebnis einer von Howarth in der Zeitschrift Biogeosciences veröffentlichten Studie, hätten in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. So sei etwa die atmosphärische Methan-Konzentration von 570 Milliarden Tonnen 2008 auf 595 Milliarden Tonnen im Jahr 2014 angestiegen.

Fracking Grund für Methan-Anstieg

Fracking von Schiefergas
Fracking von Schiefergas in den USA. Bildrechte: Anita Starzycka via Pixabay

Anders als frühere Studien, die "fälschlicherweise" biologische Quellen wie Kühe oder Feuchtgebiete für vermehrt aufsteigendes Methangas verantwortlich gemacht hatten, sieht Howarth einen ganz anderen Grund für das Problem. Für den Umweltbiologen steht fest, dass der massive Anstieg der weltweiten Methan-Emissionen auf die Gewinnung von Schieferöl und Schiefergas durch sogenanntes Fracking zurückzuführen ist. So seien etwa zwei Drittel der gesamten neuen Gasförderung in den letzten zehn Jahren Schiefergas-Förderungen in den Vereinigten Staaten und in Kanada gewesen.

Fracking Beim Hydraulic Fracturing, kurz Fracking genannt, wird unter hohem Druck chemisch behandeltes Wasser durch eine Bohrung in tief liegende Gesteinsschichten gepumpt. Dabei werden Risse in dem Gestein erweitert und stabilisiert. So können die in dem Gestein eingeschlossenen Gase oder Flüssigkeiten leichter abfließen und über den Bohrkanal gewonnen werden.

"Chemische Fingerabdrücke" als Beweis

Blowdown von Methan-Gas aus einer Pipeline
Ablassen von Methan aus einer Pipeline für Wartungszwecke: Nur wegen des dabei entstehenden Wasserdampfes wird das Gas sichtbar. Bildrechte: Howarth, Biogeosciences, 2019

Darauf, dass gefracktes Schiefergas die "wahrscheinliche Quelle" der zunehmenden Methan-Konzentration in der Erdatmosphäre ist, deuten jedenfalls "chemische Fingerabdrücke" hin, die Howarth und sein Team sicherstellen konnten. So weise etwa das aus Schiefergas freigesetzte Methan ein geringeres Verhältnis von Kohlenstoff 13- zu Kohlenstoff12-Isotopen auf als Methan aus konventionellem Erdgas oder Kohle. Auch mit Methan aus biologischen Quellen lasse sich die Kohlenstoff 13-Signatur von Methan aus gefracktem Gas nicht verwechseln, so die Studie.

Methan trägt zur Erderwärmung bei

Für Howarth jedenfalls besteht kein Zweifel: Der jüngste Methan-Anstieg in der Atmosphäre ist massiv, er ist global bedeutsam und er hat zur Zunahme der globalen Erwärmung beigetragen. Und - so ein weiteres Fazit des Forschers: "Schiefergas ist ein Hauptakteur."

Doch für den Umweltbiologen liegt in dieser Erkenntnis auch eine Chance. Wenn man nämlich aufhöre, weiter Methan in die Atmosphäre zu "gießen", werde es sich auflösen und - anders als Kohlendioxid - "ziemlich schnell" verschwinden: "Das ist die niedrig hängende Frucht, um die globale Erwärmung zu verlangsamen."

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 30. Juni 2019 | 19:00 Uhr

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