Influenza in Deutschland Unter 10.000 Neuinfektionen: Shutdown stoppt Grippewelle

Die wegen Corona angeordneten Schließungen von Schulen und Kitas haben offenbar einen Nebeneffekt: Die Zahl der Grippeinfektionen bricht deutlich ein. Wahrscheinlich hat Social Distancing viele Ansteckungen verhindert.

von Clemens Haug

Update vom 30. März 2020

Halbierung der Grippe-Neuansteckungen

Die Zahlen des Robert Koch-Insituts sind eindeutig: Seit dem 14. März registriert Deutschlands nationale Infektionsbehörde einen drastischen Rückgang bei der Zahl der Grippeansteckungen. In der Woche vom 14. bis zum 20. März ging die Zahl der bestätigten Neuinfektionen mit Influenza gegenüber der Vorwoche um die Hälfte zurück, von 18.818 auf 9.878 Fälle bundesweit.

Der wegen der Corona-Pandemie ausgelöste Shutdown in Deutschland zeigt also deutliche Wirkung. Social Distancing verhindert nicht nur die Ausbreitung von Sars-CoV-2, sondern auch die Übertragung anderer Atemwegs-Infekte. "Die wegen der COVID-19-Pandemie geschlossenen Kitas und Schulen scheinen zu einer deutlichen Reduzierung der ARE-Aktivität in den Altersgruppen der Kinder beizutragen", heißt es im Influenza-Wochenbericht.

Mehr positive Tests auf Corona

In den 204 untersuchten Laborproben aus dem Sentinelsystem fanden sich 40, die positiv auf Influenzaviren getestet wurden, das entspricht einem Anteil von 20 Prozent. Bei drei von 194 untersuchten Proben wurde Sars-CoV-2 nachgewiesen. Das entspricht zwar nur einem Anteil von 1,6 Prozent. Zuvor waren es allerdings jeweils immer nur eine positive Probe. Insgesamt wurden damit seit dem 17. Februar sechs Proben positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Beim Sentinelsystem melden etwa 700 teilnehmende Arztpraxen wöchentlich an das RKI die Zahl der Patienten mit Atemwegserkrankungen und grippeähnlichen Infekten. Zudem werden Stichproben mit den jeweiligen Krankheitserregern eingesandt.

Corona ist statistisch deutlich tödlicher als die Grippe

Im Verlauf der aktuellen Grippewelle wurden insgesamt 177.009 Influenzafälle durch Laborergebnisse bestätigt. 16 Prozent der Erkrankten mussten in Krankenhäusern behandelt werden. In dieser Saison starben bislang 323 Menschen an den Folgen der Grippe. Zum Vergleich: An der Corona-Lungenkrankheit sind Stand 30. März bislang 541 Deutsche verstorben, das zeigen die Daten der Johns-Hopkins-Universität. Gemessen an den 62.435 betätigten Coronafällen in Deutschland ist die Covid-19 bislang also deutlich tödlicher als die Grippe.

Die Zahlen für Mitteldeutschland liegen noch einige Wochen zurück, hier stammen die jüngsten Daten aus der Woche vom 29. Februar bis zum 6. März. Insgesamt ist hier aber auch schon der leichte, sich in den nachfolgenden Wochen verstärkende Rückgang der Grippewelle erkennbar.

Update vom 24. März 2020

Die Zahl der Grippeinfektionen in Deutschland geht leicht zurück, bleibt aber auf hohem Niveau. Das Robert-Koch-Institut meldet für die zweite Märzwoche etwas mehr als 17.000 neue Ansteckungen mit Influenzaviren. Das sind rund 7.500 Fälle weniger, als in der Woche zuvor. Dennoch sieht Deutschlands nationale Seuchenschutzbehörde noch kein Ende der aktuellen Grippesaison. Seit Herbst sind über 165.000 Menschen an der Grippe erkrankt. 23.646 mussten deswegen in Kliniken behandelt werden, das entspricht etwa 14 Prozent der Betroffenen. Rund 265 Menschen starben an den Folgen der Inluenza.

In den Stichproben aus dem Sentinelsystem tauchen inzwischen die ersten Coronafälle auf. Für das System melden etwa 700 teilnehmende Arztpraxen wöchentlich an das RKI die Zahl der Patienten mit Atemwegserkrankungen und grippeähnlichen Infekten. Zudem werden Stichproben mit den jeweiligen Krankheitserregern eingesandt.

Seit dem 17. Februar werden diese Proben auch auf das neuartige Coronavirus Sars-Cov-2 untersucht. Dabei sind in den ersten beiden Märzwochen jeweils einmal Proben positiv auf Corona getestet worden. Laut dem Influenza-Wochenbericht stammte die jüngste positiv getestete Probe aus dem Grenzgebiet zur französischen Risikoregion Grand-Est. Sie war zugleich ebenfalls positiv auf Influenza.

In Mitteldeutschland ging die Zahl der Grippefälle in der letzten Februarwoche leicht zurück. Dabei meldeten vor allem die Landkreise in Sachsen-Anhalt leicht gestiegene Infektionszahlen, während in Sachsen weniger Menschen an Grippe erkrankten. Zu beachten ist dabei, dass das RKI die Zahlen für die Landkreise aktuell erst mit etwa dreieinhalb Wochen Abstand veröffentlicht, die Daten daher nicht auf dem aktuellen Stand sind.

Update vom 17. März 2020

Neben der raschen Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus bereitet auch die Influenza dem Gesundheitssystem derzeit jede Menge Arbeit. Der aktuelle Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts zeigt: Die Zahl der Neuinfektionen mit Grippe steigt wieder an.

Zwischen dem 29. Februar und dem 6. März (10. Meldewoche) haben Labore in Deutschland insgesam 22.920 Neuinfektionen bestätigt. Im Vergleich zur Vorwoche ein Anstieg von 7,9 Prozent. Auch die Zahl der Arztbesuche mit Verdacht auf Grippe stieg an auf insgesamt 330.000.

Seit Herbst erkrankten laut dem Wochenbericht etwa über 145.000 Menschen in Deutschland an der Grippe, 247 starben an den Folgen der Erkrankung. Etwa 16 Prozent aller Fälle wurden in Kliniken behandelt.

Die aktuellsten Daten für Mitteldeutschland stammen aus der Woche 15. bis 21. Februar. Schwerpunkt der Grippe ist nach wie vor Sachsen. Inzwischen gibt es aber auch vergleichsweise mehr Fälle in Sachsen-Anhalt.

Das Robert-Koch-Institut konnte die Daten aufgrund der aktuellen Corona-Lage nicht kommentieren. Klar ist aber: Die Grippewelle ist noch nicht vorbei. Auch deswegen muss die Ausbreitung des Sars-CoV-2 Virus unbedingt verlangsamt werden.

Update vom 9. März 2020

Im Verlauf der Grippesaison 2019/2020 sind bisher 202 Menschen an der Krankheit gestorben. Das geht aus den aktuellen Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) hervor. Die große Mehrheit der gestorbenen Patienten (87 Prozent) war in der Altersgruppe ab 60 Jahren. 119.280 bestätigte Fälle sind seit Oktober gemeldet worden, 17 Prozent der Betroffenen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Daten stammen allerdings nur von ausgewählten Arztpraxen. Daher könnten die realen Fallzahlen höher liegen. Sie werden erst nach dem Ende der Grippesaison auf Deutschland hochgerechnet.

Die aktuellsten Zahlen für Mitteldeutschland liegen für den Zeitraum 8. bis 14. Februar vor. In dieser Woche traten die meisten gemeldeten Neuinfektionen in Leipzig (3.311 Fälle) und in Dresden auf (1.799 Fälle), den bevölkerungsreichsten Gebieten der Region.

Update vom 27. Februar 2020:

Die diesjährige Grippewelle hat ihren Höhepunkt überschritten. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI), der nationalen Seuchenschutzbehörde Deutschlands. Laut dem Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKIs wurden zwischen dem 15. und dem 21. Februar bei 17.898 Menschen Influenza-Viren im Labor nachgewiesen. Das waren rund 2.000 Neuinfektionen weniger als in der Woche zuvor. Insgesamt haben sich damit seit Herbst 98.442 Menschen mit der Grippe infiziert.

Bei den gemeldeten Fällen handelt es sich wahrscheinlich aber nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Erkrankungen. Die Autoren des Wochenberichts schätzen, dass sich in der diesjährigen Saison insgesamt 2,1 Millionen Menschen mit Grippe angesteckt haben.

Dem Bericht zufolge starben dieses Jahr 161 Menschen an den Folgen der Influenza, die meisten von ihnen ältere Menschen - 85 Prozent der Verstorbenen waren 60 Jahre oder älter.

Für Mitteldeutschland liegen noch keine ganz aktuellen Zahlen vor. Die auf der interaktiven Karte gezeigten Fallzahlen stammen aus der 6. Meldewoche, also aus dem Zeitraum vom ersten bis zum siebten Februar. Schwerpunkt der Influenza war zu diesem Zeitpunkt vor allem Sachsen.

ens/gp/dpa

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2020, 18:48 Uhr