Jugend forscht Gipfeltreffen der mitteldeutschen Wissenschaftler von morgen

Die kommenden Tage sind für mitteldeutsche Nachwuchstüftler besonders wichtig.
Für 135 Jugendliche aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geht es um den Sieg bei den Landeswettbewerben zu "Jugend forscht" und der Qualifikation zum Bundesfinale im Mai. Den Siegern winken dann Geld- und Sachpreise im Wert von bis zu 3.000 Euro. Daneben erwarten sie Hospitationen, Studienreisen und Forschungsaufenthalte an Universitäten oder sogar die Qualifikation zu internationalen Wettbewerben.

Jugend forscht, drei Menschen mit einem Modell
Bildrechte: Stiftung Jugend forscht e. V.

In diesem Jahr ist jedoch Einiges anders bei "Jugend forscht": Wegen der Corona-Pandemie können die Preisträger nicht vor Ort prämiert werden. Eigentlich betreut jedes Forscherteam einen eigenen Stand, bei dem sich die Jury reihum von der Qualität des Projekts überzeugen lassen kann. All das findet 2021 online statt. Die jungen Tüftler haben eine virtuelle Präsentation vorbereitet und stellen sich über Livestream den Fragen der Jury. Neben der Preisverleihung soll aber auch in diesem Jahr ausreichend Zeit bleiben, um mit den anderen Nachwuchsforschern ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen – wenn auch nur virtuell.

Starkes Teilnehmerfeld

Die Sieger der Regionalwettbewerbe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen derweil schon fest und haben sich bereits für den jeweiligen Landeswettbewerb qualifiziert. Dieser wird in sieben Fachgebieten ausgetragen. Trotz der Corona-Pandemie, während viele Schüler die meiste Zeit im Homeschooling verbringen mussten, ist die Anzahl der nominierten Projekte in Mitteldeutschland auch in diesem Jahr beachtlich hoch:

In Sachsen gibt es 22 Teilnehmende, Sachsen-Anhalt schickt 59 Nachwuchsforscher ins Rennen, Thüringen 49. Die Anforderungen waren nicht niedrig: Jedes Team musste eine im Vorfeld eine richtige 15-seitige schriftliche Forschungsarbeit einreichen – meist mit Unterstützung von Lehrern, Universitäten oder Partner-Unternehmen. Die Auswahl an Fachgebieten war groß und breitgefächert.

Fachgebiet Arbeitswelt

Einen maßgeblichen Anteil unseres gesamten Lebens verbringen wir im Job. Umso schöner, wenn man kleine Tools hat, die Arbeitenden in ihrem Joballtag helfen. Diese Kategorie befasst sich damit, wie sich Arbeitsmittel, Arbeitsplätze oder Abläufe so verbessern lassen, dass sie den Menschen in ihrem Joballtag helfen können. Das kann schon beim Arbeitsweg anfangen: Wie viele elektrische Ladesäulen bräuchte es zum Beispiel in einer Stadt wie Chemnitz, wenn man alle Verbrennungsmotoren durch Elektroautos ersetzt? Ein Projekt aus Sachsen hat es untersucht. Oder in der Landwirtschaft: Wie lassen sich in Zeiten der Massentierhaltung die Schweine-Ställe leicht nach den Maßgaben des Tierschutzes überprüfen? Eine App von zwei jungen Thüringerinnen soll es möglich machen. Das könnte für Landwirte sehr nützlich sein.

Fachgebiet Biologie

In dieser Kategorie dreht sich alles um die Tier- und Pflanzenwelt. Die mitteldeutschen Nachwuchswissenschaftler beobachten zum Beispiel, wie sich die Flora und Fauna an ihrem Wohnort vor dem Hintergrund der Erderwärmung verändert, oder wie sich die Insektenvielfalt auf heimischen Gartenwiesen verbessern lässt. Ein Projekt könnte auch Abhilfe in der Schule schaffen: So hat eine Schülerin untersucht, wo sich antibiotikaresistente Bakterien an ihrer Schule befinden. Das dürfte interessante Aufschlüsse geben, an welchen Stellen man in der Schule häufiger mal durchputzen könnte.

Fachgebiet Chemie

Die Chemie befasst sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen. Fast alle Gegenstände, die uns umgeben, sind an chemische Vorgänge geknüpft: ob Metalle, Farben oder ganze Bauwerke. Auch Kunststoffe spielen hier eine große Rolle, die ja ein wachsendes Umweltproblem in den Ozeanen darstellen. Gut, wenn man Mikroplastik aufspüren kann. Mit einem dafür speziell entwickelten Mikroskop sind hier zwei Jenaer Abiturienten im Rennen. Oder auch gut: Wenn man gleich nach biologisch abbaubaren Alternativen zu Kunststoffen sucht, wie es ein anderes Tüftlerteam erforscht hat.

Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften

Mit dem Fernglas in den Sternenhimmel schauen oder fossile Bodenschätze untersuchen: die Ideen der Nachwuchsforscher in dieser Kategorie kennen auch hier keine Grenzen. Wie zum Beispiel eine Schülerin aus Thüringen, die sich gleich die Galaxie vorgenommen hat: Sie hat einen Rover für fremde Planeten entwickelt, mit dem man sich auf extraterrestrischen Oberflächen fortbewegen kann. Interessant sind aber auch die "irdischen" Projekt-Einreichungen für den Planeten Erde: So hat ein Nachwuchsforscher aus Sachsen die Vorteile der mobilen Messung der Feinstaubbelastung analysiert. Das könnte die Messdaten in den Städten weiter verbessern.

Fachgebiet Mathematik/Informatik

Alles was mit Zahlen, Gleichungen und Algorithmen zutun hat, ist in dieser Kategorie beheimatet. Doch was auf dem ersten Blick trocken klingt, hat vielfältige Anwendungsgebiete. Wie können Autos auf einer Strecke am besten autonom fahren? Wie lassen sich Schiffe, die über den Ozean schippern, auf Satellitenbildern erkennen? All das sind Themen, mit denen sich die jungen Forscher aus Mitteldeutschland beschäftigen. Auch Lustiges ist dabei: Ein Schüler aus Sachsen hat eine Künstliche Intelligenz für das alte Handyspiel "Snake" programmiert – auf Basis von neuronalen Netzen. Klingt so oldschool, dass es schon wieder cool ist.

Fachgebiet Technik

Von der Planung bis zur Entwicklung eines Prototypen: In diesem Fachgebiet wird konstruiert, was das Zeug hält. Das kann mit Dioden und Elektroden, mit Holz und Metall oder mit und ohne Computer sein. Das können zum Beispiel Roboter sein, die auch Treppen steigen können oder die einem Tausendfüßer verblüffend ähneln. Vielleicht bald eine Unterstützung für Paketboten? Aber es geht noch praktischer: Ein Schüler aus Altenburg entwickelte einen "Tea Timer", der den Teebeutel nach eingestellter Zeit automatisch aus der Tasse nimmt. So hat der Tee immer die korrekte Ziehzeit. Na dann Prost!

Fachgebiet Physik

Eine wichtige Grundlage der Technik ist auch die Physik: Sie beschäftigt sich mit den grundlegenden Erscheinungen und Gesetzen in unserer Umwelt. Die Nachwuchswissenschaftler aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden in dieser Kategorie ein breites Spektrum ab: Sie beschäftigen sich mit der Entwicklung von Infrarotkameras, smarten Klimaanlagen oder intelligenten Prothesen aus Glasfaserkabeln. Die Themenvielfalt kennt hier keine Grenzen. Oder haben Sie sich schon mal gefragt, ob man Luft zum Leuchten bringen kann?

Live dabei!

Mit MDR WISSEN kann man live bei der Juryentscheidung dabei sein. Wir zeigen hier die Streams für die Übertragungen der mitteldeutschen Landeswettbewerbe.

Den Auftakt macht Thüringen: Die Preisverleihung wird am Freitag, den 26. März ab 16:00 Uhr live aus Jena übertragen. Bereits zuvor können sich Interessierte in einer virtuellen Ausstellung über die Nachwuchsprojekte informieren. In der Ankündigung heißt es: "Die Jungforscher präsentieren ihre Projekte dabei in einem virtuellen Forum und stehen nicht nur der Jury, sondern auch Besuchern gern Rede und Antwort."

Am Samstag, den 27. März geht es dann weiter mit dem Landeswettbewerb Sachsen. Journalistin Daniela Schmidt, vielen Usern von MDR WISSEN durch ihren Podcast "Meine Challenge" bekannt, begrüßt ab 9:00 Uhr das Publikum und stellt die Projekte der drei Regionalsieger vor.

Anschließend dreht sich alles um die Robotik: Wie wäre es, wenn Roboter alle lästigen Aufgaben für uns übernehmen könnten? Was im Alltag vielleicht noch nach Zukunftsmusik klingt, ist in der Industrie heute schon möglich. Roboter-Experte Martin Wanitschke vom Dresdner Start-up "Wandelbots" erklärt in einem Vortrag, wie das geht.

Nachmittags gegen 15:00 Uhr werden dann die "Jugend forscht"-Sieger aus Sachsen gekürt. Dazwischen ist Platz für den "Community Champion" – ein Sonderpreis, bei dem acht vorausgewählte Projekte von allen User*innen mitbewertet werden können.

Anderthalb Wochen danach, am Mittwoch, den 7. April 2021, geht es schließlich nach Sachsen-Anhalt. Auch hier ist wieder MDR WISSEN-Moderatorin Daniela Schmidt mit am Start. Ab 17:00 Uhr werden die landesweiten Preisträger ausgezeichnet und zu den Gewinnern nach Hause geschaltet. Das genaue Programm wird noch ausgearbeitet und bald bekanntgegeben.

jk

3 Kommentare

DanielSBK vor 36 Wochen

Als Lizenzierter Funkamateur der Klasse A und Elektroniker kann ich nur sagen, dass da nicht mehr viel in Sachen "Ingenierurs"-Kunst aus unserem Land zu erwarten ist oder besser der Biss dazu ist nicht vorhanden... über das Smartphone wischen und Minecraft spielen können alle 20 Stunden am Tag. Aber ernsthafte Technikaffinität ist nicht mehr vorhanden in unserer Spaßgesellschaft... und das kommt auch von der Lehrerschaft, die (teilweise) im Jahr 1995 hängen geblieben ist. Da brauchts auch kein 5G und Glasfaseranschluss. Willigmann, Tullner und Haseloff haben hier auf ganzer Linie versagt und tragen daran auch eine Mitschuld!

Andreas Urstadt vor 36 Wochen

es sollte hinzugefügt werden, dass in dem Stadium die Teilnehmer Mentoren bekommen haben (Ingenieure, Chemiker, Biologen usw.), Lehrer halten nicht mehr ohne weiteres mit

die Mentoren erwähnen sich selbstlos nicht dabei, es läuft nicht ohne Wasserträger, so fair muss man sein, denn die Leistungen demotivieren andere Schüler, die nicht wissen, dass Mentoren eingesetzt werden

Graf von Henneberg vor 36 Wochen

Wie wahr, verehrter Herr "DanielSBK", wie wahr.