Leipziger Ägyptologin erklärt Löwenkult Erstmals Mumien von Löwenbabys in Ägypten entdeckt

In der altägyptischen Totenstadt Sakkara bei Kairo haben Forscher eine Grabkammer mit zahlreichen Tiermumien und wertvollen Statuen entdeckt. Erstmals überhaupt wurden dabei Mumien von Löwenbabys gefunden. Ein möglicher Hinweis auf einen Löwenkult, der sogar mit zwei Gottheiten verbunden ist, so die Leipziger Ägyptologin Dr. Franziska Naether. Denn im alten Ägypten hatten Götter eine tierische Gestalt. Diese Tiere galten als heilig und wurden mumifiziert.

Archäologen haben in der altägyptischen Totenstadt Sakkara südlich von Kairo eine riesige Grabkammer mit wertvollen Statuen und zahlreichen mumifizierten Tieren entdeckt. Wie Ägyptens Minister für Altertümer, Chaled El-Enani, mitteilte, deuten erste Untersuchungen daraufhin, dass unter den Tiermumien auch fünf Löwenbabys sind.

Erste mumifizierte Löwenbabys

Khaled al-Anany spricht auf einer Pressekonferenz
Antikenminister al-Anany: "Ein ganzes Museum für sich". Bildrechte: imago images/Xinhua

Nach Angaben des Generalsekretärs des ägyptischen Hohen Antikenrates, Mustafa Wasiri, wäre es das erste Mal, dass mumifizierte Löwenbabys in Ägypten nachgewiesen wurden. Zwei der Mumien seien schon untersucht worden. Die Ergebnisse ließen darauf schließen, dass die Tiere etwa acht Monate alt waren. Die mutmaßlichen Löwenmumien sowie die anderen Fundobjekte stammen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus.

Fund ist ein "Museum für sich"

Katzenstatuen aus der Nekropole Sakkara Ägypten
Unter den Fundstücken befanden sich zahlreiche Katzenstatuen. Bildrechte: imago images / Xinhua

Antikenminister El-Enani bezeichnete den Fund als ein ganzes "Museum für sich". Außer den fünf Löwenbaby-Mumien wurden seinen Angaben zufolge in der Grabkammer auch mumifizierte Katzen, Kobras, Krokodile sowie die Mumie eines überdimensionalen Skarabäus-Käfers gefunden. Auch dutzende hölzerne und bronzene Statuen altägyptischer Gottheiten wie etwa Osiris oder Anubis seien geborgen worden. Andere Statuen zeigten neben Katzen, einen Ibis und einen Falken sowie Mangusten. Die Grabkammer wurde in der bekannten Nekropole Sakkara am Nil gefunden, wo Hunderttausende Tiere geopfert und in Gräbern deponiert wurden.

Beleg für Löwenkult

Innenansicht eines Grabes
Innenansicht der Nekropole von Sakkara. Bildrechte: imago images / Xinhua

Der mutmaßliche erste Fund mumifizierter Löwenbabys ist noch in einem anderen Zusammenhang von großer Bedeutung. Es wäre ein weiterer Beleg dafür, dass die großen Raubkatzen in der Spätzeit eine wichtige Rolle im Kult der alten Ägypter spielten. Bereits im Jahr 2001 hatten Ägyptologen das komplette Skelett eines älteren Löwen entdeckt. Der Fund galt als erster Nachweis für die kultische Bedeutung der Großkatzen.

Götter in tierischer Gestalt

Falken-Mumien im Ägyptischen Museum Leipzig
Falken-Mumien im Ägyptischen Museum Leipzig. Bildrechte: MDR/Daniel Niemetz

Tatsächlich hatten die altägyptischen Götter eine "tierische Gestalt", wie die Leipziger Ägyptologin Dr. Franziska Naether MDR WISSEN bestätigt. "Und man hat oft Tiere gehalten, die diesen Göttern entsprachen. Und das waren dann heilige Tiere und die hat man dann auch mumifiziert." Das sei soweit gegangen, dass sogar Stiere oder Krokodile mumifiziert wurden, so Naether: "Die sind dann in dem Moment das heilige Abbild der Gottheit. Und die Kraft der Gottheit wohnt in diesen Tieren."

Die altägyptischen Götter hatten eine tierische Gestalt, zum Beispiel als Ibis-Vogel oder auch als Löwe oder als Katze.

Dr. Franziska Naether, Ägyptologin

Kult um Löwengott Miysis?

Eine Katzenstatue ist gemeinsam mit anderen archäologischen Funden in der Nekropole Sakkara ausgestellt.
Katzenstatue aus Sakkara: Sie stellt die Katzengottheit Bastet dar. Bildrechte: dpa

Die nun in Sakkara entdeckten Löwenbabys sind nach Ansicht von Naether "ein ganz besonderer Fall": Man kenne die Löwengottheit Sachmet, mit der auch ein Löwenkult verbunden sei. "Zwar haben wir bei den neuen Funden keinen Hinweis, dass es mit diesem Kult von der Gottheit Sachmet zusammenhängt. Aber es gibt noch einen anderen Löwengott – Miysis. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang", erklärt Naether. Der Grund: "An dem Ort, an dem die Löwenbabys gefunden wurden, gibt es Hinweise auf einen vermutlichen Kult des Miysis." Der Kult dieses Gottes erstrecke sich auf das Nildelta, vor allem die Stadt Leontopolis, die schon das griechische Wort für "Löwe" im Namen trage, erklärt die Leipziger Ägyptologin.

Warum man Löwenbabys bevorzugte

Dass nun in Sakkara nur Löwenbabys und keine ausgewachsenen mumifizierten Löwen gefunden wurden, liegt nach Ansicht von Naether vermutlich daran, "dass man versucht hat, die Tiere klein nach Ägypten zu importieren, wenn sie noch unproblematisch sind und nicht aggressiv werden. Und vielleicht sind diese Löwenbabys vorzeitig verstorben. Und dann hat man sie mumifiziert."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 05. Februar 2016 | 15:00 Uhr

1 Kommentar

part am 27.11.2019

Kulturvölker wussten eben was in an Katzen zu schätzen wussten, Subkulturen rennen lieber mit der Hundetüte um den Block aber leider zu oft ohne in der Dunkelheit.