Eine Tigermücke sitzt auf Haut.
Winzig klein: Asiatische Tigermücken sind auf den ersten Blick sehr unscheinbar. Bildrechte: IMAGO / Zoonar

Tigermücke EMA-Ausschuss empfiehlt Chikungunya-Impfstoff zur Zulassung

05. Juni 2024, 10:31 Uhr

Das Chikungunya-Virus wird in tropischen Ländern von Gelbfieber- und Tigermücken übertragen und führt zu starken Gliederschmerzen. Die EMA empfiehlt nun einen ersten Impfstoff dagegen zur Zulassung.

Autorenfoto von Clemens Haug
Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR

Der Arzneimittelausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat die Zulassung des ersten Impfstoffs gegen das von Mücken übertragene Chikungunya-Fieber empfohlen. Das Vakzin Ixchiq des österreichisch-französischen Biotech-Unternehmens Valneva basiert auf abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Viren. Auf diese Weise löst die Impfung eine sehr milde Version der Infektion aus, gegen die das Immunsystem dann Antikörper und passende T-Zellen bildet.

Tropenkrankheit Chikungunya: Starke Gliederschmerzen

Das Chikungunya-Fieber wird vor allem in afrikanischen und südostasiatischen Ländern von asiatischen Tigermücken (Aedes albopictus) und Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) übertragen. In jüngster Zeit kam es auch in karibischen Ländern zu Übertragungen. Reiserückkehrer haben die Infektion vereinzelt auch schon nach Europa eingeschleppt. Bislang gibt es hier aber keine regelmäßigen Übertragungen. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die beiden tropischen Mückenspezies aufgrund der Klimaerwärmung auch in Europa dauerhaft überleben können.

Die Infektion geht mit hohem Fieber sowie starken Glieder- und Gelenksschmerzen einher. In der Regel klingt sie nach einigen Tagen von selbst wieder ab. In einzelnen Fällen können die Schmerzen aber lange Zeit anhalten und sogar chronisch werden. Daher der Name der Infektion: Chikungunya bedeutet wörtlich übersetzt "der gekrümmt Gehende".

Mögliche Nebenwirkungen der Chikungunya-Impfung

Der nun vor der Zulassung stehende Impfstoff Ixchiq soll durch eine Einzeldosis verabreicht werden. Getestet wurde seine Verträglichkeit an insgesamt 3093 Versuchspersonen. Die Kontrollgruppe bestand aus 1035 Personen, die ein Placebo erhalten hatten. 32 Prozent der geimpften Versuchspersonen bekamen Kopfschmerzen, 28,7 Prozent berichteten von Abgeschlagenheit und Müdigkeit, 24 Prozent bekamen Gliederschmerzen.

In insgesamt 46 Fällen (1,5 Prozent) wurden schwere Nebenwirkungen festgestellt. Zwei davon ließen sich laut Studienautoren klar auf die Impfung zurückführen: Eine 58-jährige Frau litt unter schweren Gliederschmerzen und ein 66-jähriger Mann bekam starkes Fieber und weitere Symptome. Beide wurden in Kliniken behandelt. Laut Studie erholten sich allerdings beide Testpersonen vollständig davon.

Wirksamkeit der Chikungunya-Impfung

Wie gut der Impfstoff vor einer Infektion nach einem Mückenstich schützt, konnte in der Studie nicht ermittelt werden. Der Impfeffekt wurde stattdessen bei 266 Studienteilnehmenden durch Labortests untersucht. Dabei entwickelten 98,9 Prozent (263 Personen) innerhalb von 28 Tagen neutralisierende Antikörper gegen das Virus. Die Menge der Antikörper ging im Verlauf des folgenden halben Jahrs zwar zurück. Trotzdem hatten die Versuchspersonen auch 180 Tagen nach der Impfung noch genügend Antikörper, um das Virus beim Test im Labor zu neutralisieren.

Nach der Zulassung dürfte die Impfung zunächst für Personen interessant sein, die in Gebiete reisen wollen, in denen das Chikungunya Fieber übertragen wird.

Links/Studien

  • European Medicines Agency (EMA): First vaccine to protect adults from Chikungunya
  • Schneider et.al.: Safety and immunogenicity of a single-shot live-attenuated chikungunya vaccine: a double-blind, multicentre, randomised, placebo-controlled, phase 3 trial, The Lancet

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Um 2 | 22. Mai 2024 | 14:00 Uhr

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