Studie aus Berlin & Brandenburg Bakterien, Chemikalien, Antibiotika: Warum Seen in der Stadt krank machen können

Durch die zunehmende Verstädterung werden die Seen und Flüsse dort immer mehr verschmutzt – auch mit gefährlichen Bakterien, wie eine deutsche Studie ergab. Ähnliche Probleme zeigen sich bereits in Mitteldeutschland.

Menschen baden im Wasser am Schlachtensee
Der Schlachtensee gehört zu den beliebtesten Berliner Badegewässern. Früher gab es auch hier Probleme mit der Wasserqualität, derzeit ist diese aber durch die Speisung u.a. aus dem Großen Wannsee sehr gut. Bildrechte: IMAGO / Emmanuele Contini

Gerade herrscht wieder in weiten Teilen Deutschlands große Hitze. Also nichts wie hin an den Badesee und erstmal ins kühle Nass springen – doch das könnte in Zukunft eine gesundheitsgefährdende Angelegenheit werden, vor allem in den großen Städten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) aus Berlin und Brandenburg. Demnach finden sich besonders in den Gewässern der Hauptstadt deutlich mehr "menschliche Bakterien" als in den Seen des Umlands in Brandenburg, darunter auch Krankheitserreger.

Magdeburger Seen mussten schon gesperrt werden

Die Forschenden stellten fest, dass durch die zunehmende Urbanisierung immer mehr menschliche Bakterien in die Gewässer von größeren Städten gelangen – die sogenannte Humanisierung. Dazu kommt der Effekt der Eutrophierung, also die von Menschen verursachte Zunahme von Nährstoffen, chemischen Schadstoffen oder Antibiotika in Seen und Flüssen. Die Ergebnisse ließen sich durchaus auf andere Regionen übertragen, erklärt die Studienautorin Dr. Daniela Numberger im Gespräch mit MDR WISSEN: "Ein Grund dafür ist, dass beim Baden menschliche Bakterien in die Gewässer gespült werden."

Tatsächlich gab es etwa bei Magdeburger Seen in den vergangenen Jahren große Probleme durch Verschmutzung. So wurden am beliebten Barleber See wegen Algenbefalls aufgrund von Eutrophierung schon mehrmals längere Badeverbote ausgesprochen. Durch das Einbringen von Chemikalien wie Polyaluminiumchlorid und Aluminiumsulfat konnte die Wasserqualität wieder verbessert werden. Aktuell ist allerdings der Neustädter See in Magdeburg gesperrt, weil dort eine zu hohe Konzentration von Enterokokken-Bakterien gemessen wurde.

Der Große Stechlinsee in Brandenburg, wo das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) seinen Sitz hat.
Der Große Stechlinsee in Brandenburg, wo das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) einen seiner Sitze hat. Hier ist die Wasserqualität sehr hoch. Bildrechte: Solvin Zankl, IGB

Klimawandel verschärft das Problem

Die meisten anderen Badegewässer in Mitteldeutschland überzeugen dagegen mit einer sehr guten Wasserqualität, wie ein Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA im vergangenen Jahr bescheinigte. Dabei hilft bei den Tagebauseen etwa im Leipziger Neuseenland, dass sie oftmals sehr tief sind. Andere wie die Goitzsche oder der Geiseltalsee haben durch ihre große Fläche auch eine hohe Wassermenge. "Je größer ein Gewässer, umso verdünnter ist prinzipiell die Menge an menschlichen Bakterien darin", erläutert Daniela Numberger. Allerdings spielen auch weitere Faktoren wie zu- und abfließende Flüsse oder die Nähe zu Klärwerken eine Rolle. Und auch bei den Seen auf dem Land können sich große Mengen von Krankheitserregern finden – wenn um sie herum intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Dann können etwa auch Nitrate und tierische Antibiotika ins Wasser gelangen. Wirklich sicher seien laut der Studienautorin nur Gewässer in Naturschutzgebieten, in denen aber häufig nicht gebadet werden darf.

Verschärft wird das Problem noch durch den Klimawandel. "Bakterien können sich durch die zunehmende Erwärmung der Gewässer viel besser vermehren und überleben", erklärt Daniela Numberger. Darunter auch gefährliche Krankheitserreger: Bei einer anderen Studie hätten sie und ihre Kollegen im Weißen See in Berlin sehr üble Darmpathogene gefunden, so die Expertin. "Diese können Sporen bilden und sehr lange überleben." Insgesamt seien Bakterien und Viren sehr anpassungsfähig, was man auch gerade an der Corona-Pandemie sehe.

cdi/pm