Covid-19 Corona: Erstmals schwerer Verlauf nach Reinfektion nachgewiesen

In den USA ist ein Mann zum zweiten Mal an Covid-19 erkrankt - und musste dann sogar beatmet werden. Sehr schwere Verläufe bei Corona-Reinfektionen sind also offenbar möglich. Das könnte auch die Schutzmaßnahmen beeinflussen.

Blick in ein Stationszimmer mit Beatmungsgeraet für schwersterkrankte Covid-19 Patienten
Bildrechte: imago images/Ralph Lueger

Über den Fall des 25-Jährigen aus dem Bundesstaat Nevada wurde in einer Studie berichtet, die im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" erschien. Demnach habe sich der Mann im April zum ersten Mal mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, danach folgten zwei negative Tests, bevor im Juni eine weitere Prüfung positiv war - diesmal mit einer anderen Variante von SARS-Cov-2. "Die zweite Infektion zeigte dabei schwerere Symptome als die erste", schreiben die Autoren in der Studie.

Immunität muss nicht zwingend lang anhaltend sein

Bisher sind weltweit nur wenige Fälle von Reinfektionen mit SARS-Cov-2 bekannt geworden, darunter in Belgien, den Niederlanden, den USA und Hongkong. Dort wurden aber meist ähnliche oder schwächere Verläufe bei der zweiten Infektion beobachtet. Nur bei einem Fall in Ecuador zeigten sich bei der Zweitinfektion etwas stärkere Symptome. Das war auch die Hoffnung von Experten wie dem halleschen Virologen Prof. Alexander Kekulé, der sich in seinem Corona-Kompass #99 zu den neuen Coronaviren äußerte: "Wenn sie eine Weile zirkulieren, dann müssen sie sich nach und nach dem Menschen und seinem Immunsystem anpassen."

Nun also die Studie aus den USA, die diesen Hoffnungen einen Dämpfer versetzt. Der Virologe Prof. Jörg Hofmann von der Berliner Charité hält "die publizierten Daten (vorausgesetzt sie sind korrekt) für valide und ausreichend". Mehrfache Infektionen bei respiratorischen Erregern seien zudem nicht ganz unerwartet, betont der diagnostische Leiter des Instituts für Virologie gegenüber MDR Wissen. Denn die gebildete Immunität müsse nicht zwingend lang anhaltend sein und vermittle bei einer Zusammentreffen mit dem Virus keinen hundertprozentigen Schutz.

Antikörper möglicher Grund für schwereren Verlauf

Als Grund für eine stärker verlaufende Reinfektion kommen möglicherweise die nach der ersten Infektion gebildeten Antikörper in Frage, wie Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie und Leiter der Abteilung Molekulare Virologie am Uniklinikum Heidelberg, dem ZDF erklärte: "Antikörper aus der ersten Immunantwort könnten dem Virus bei der Zweitinfektion Zutritt zu anderen Zellen erlauben - statt es unschädlich zu machen - oder diese Zellen so aktivieren, dass es zu einer verstärkten Entzündungsreaktion kommt".

Letztlich haben die Ergebnisse der Studie auch Auswirkungen auf die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Der Hauptautor der Studie, Mark Pandori, empfiehlt auch bei von einer Covid-19-Infektion genesenen Personen weiter auf die bekannten Maßnahmen zu achten - wie Social Distancing, Mund-Nasen-Schutz und regelmäßiges Händewaschen. "Es gibt weiterhin viele unbekannte Fakten zu Infektionen mit SARS-Cov-2 und der Immunantwort", sagte der Mediziner der Deutschen Welle. "Aber unsere Ergebnisse deuten daraufhin, dass eine erste Infektion nicht unbedingt gegen eine zweite schützen muss."

cdi

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