Ein Graffiti in Vilnius, das den russischen Präsidenten Putin und den US-Präsidenten Trump beim Rauchen eines Joints zeigt.
Bildrechte: MDR/Cezary Bazydlo

Evolutionäre Anthropologie Raucher? Vielleicht sind Ihre Neandertaler-Gene schuld

Ein Graffiti in Vilnius, das den russischen Präsidenten Putin und den US-Präsidenten Trump beim Rauchen eines Joints zeigt.
Bildrechte: MDR/Cezary Bazydlo

Seit 25 Jahren forschen die Genetiker und Anthropologen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an den Beziehungen zwischen Neandertalern und modernen Menschen. Es ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit und immer wieder Stoff für neue Entdeckungen. So knackten die Leipziger 2014 weltweit als erste das Genom eines Neandertalers. Damit wiesen sie nach, dass z.B. unsere Diabetes mit Neandertaler-Genen zusammenhängt. Jetzt haben die Forscher herausgefunden, dass unser Neandertaler-Erbe sich auch auf andere Eigenschaften auswirkt, darunter Hautton, Haarfarbe, Schlaf, Stimmung und sogar, ob eine Person raucht oder nicht, wie es in einer Mitteilung des Instituts heißt.

Daten von 112.000 Menschen

Bohren am Knochenfragment
Für ihre Analyse benötigen die Forscher nur winzige Knochenfragmente der Neandertaler. Bildrechte: Frank Vinken

Neandertaler-DNA ist selten beim Menschen, aber nachweisbar. Um an aussagekräftige Daten zu gelangen, mussten die Wissenschaftler möglichst viele Daten von Menschen vergleichen. Diese bekamen sie aus der britischen Studie "UK Biobank“.
Seit 2007 werden eine halbe Million Briten dafür erfasst – von genetischen Informationen, über Aussehen, Ernährungsgewohnheiten, Krankheiten bis zu Umwelteinflüssen. Die Leipziger Forscher konnten auf die Daten von 112.000 Teilnehmern zurückgreifen.

"Wir können jetzt zeigen, dass besonders der Hautton, die Leichtigkeit, mit der man bräunt, sowie die Haarfarbe von Neandertaler-DNA beeinflusst werden“, so Dr. Janet Kelso, die mit ihrem Team die Untersuchungen durchgeführt hat. Aber auch Stimmungen, Schlafmuster oder unser Rauchverhalten können Folge der Neandertaler-Gene sein. Zum Beispiel sind Menschen mit bestimmten Neandertalervarianten durchschnittlich häufiger Raucher, während andere Neandertaler-DNA öfter in “Nachtmenschen“ zu finden ist, schreiben die Forscher.

Haut- und Haarfarbe, Biorhythmen und Stimmung werden alle von der Sonneneinstrahlung beeinflusst.

Studie MPI Leipzig

Die in Europa und Sibirien ansässigen Neandertaler waren diesen Umwelteinflüssen schon sehr viel länger ausgesetzt, als die Menschen, die gerade erst eingewandert waren. Und diese Anpassung, die zu verschiedenen Neandertaler-Phänotypen führte, zeigte sich auch in den Genen, die bei den Menschen erhalten geblieben sind.

Wieviel Neandertaler steckt in uns?

Bisher gingen wir davon aus, dass der moderne Mensch rund zwei Prozent DNA-Anteile des Neandertalers besitzt. Neueste Forschungen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zeigen, dass der Wert bis zu 2,6 Prozent betragen kann. Hintergrund für den neuen Wert ist die Entschlüsselung des Genoms eines in Europa, genauer gesagt Kroatien, gefunden Neandertalers. Das erlaubte es den Forschern, mehr Genvarianten zu finden, die durch Vermischung zwischen Menschen und Neandertalern in unser Erbgut gelangten.

Eingang zur Vindija-Höhle in Kroatien.
In dieser Höhle im Norden Kroatiens wurden die Neandertalerknochen gefunden, deren DNA die Leipziger Forscher jetzt entschlüsselt haben. Bildrechte: MPI f. evolutionäre Anthropologie/ J. Krause

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 06.10.2017 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 16:43 Uhr