Tropenmedizin Bestes Malaria-Medikament wirkt nicht mehr

200 Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria, 400.000 sterben. Es gibt Mittel dagegen, nur: Eines der bisher wichtigsten Malaria-Medikamente wirkt nicht mehr richtig. Warum das so ist, haben deutsche Tropenmediziner nun herausgefunden.

Fiebermücke, Makroaufnahme: Mücke mit langem Körper und nach hinten geklappten Flügeln sitzt auf der Haut 3 min
Bildrechte: imago/blickwinkel

Der einjährige Beifuß ist eine relativ unscheinbare Pflanze mit kleinen gelben Blüten. Ohne dieses Pflänzchen aber würden jährlich um die zwanzig Prozent mehr Menschen an Malaria sterben. Der einjährige Beifuß ist es nämlich, der das wirksamste Mittel gegen die Infektionskrankheit stellt. Es ist so bedeutsam, dass die chinesische Entdeckerin 2015 einen Nobelpreis dafür bekam. Nur, seit einigen Jahren hört man immer wieder aus Südostasien: Das Mittel wirkt nicht mehr richtig!

"Das ist schon ein richtiges Problem. Das führt tatsächlich zu klinischem Versagen, dass Leute behandelt werden und die dann trotzdem die Malaria nicht loswerden", sagt Tobias Spielmann vom Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Er hat zusammen mit einem Team an Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen herausgefunden, wie der Erreger resistent werden konnte.

Rote Blutzelle als Mäntelchen

Dafür muss man erstmal begreifen, was der Malaria-Parasit macht: Er lebt in unserem Blut. "Und da entwickelt er sich in menschlichen roten Blutzellen. Die sind ideal für den Erreger. Der legt sich die rote Blutzelle quasi wie ein Mäntelchen um sich, dann erkennt das Immunsystem ihn nicht." Außerdem hat er seine Nahrung direkt vor der Nase: Er futtert das Hämoglobin in unseren Blutzellen, das den Sauerstoff bindet und ihnen die rote Farbe verleiht. Während der Malaria-Parasit futtert, entstehen Abbauprodukte. Und jetzt kommt Artemisinin ins Spiel, so heißt das Malaria-Medikament.

Tobias Spielmann
Bildrechte: Tobias Spielmann

Artemisinin ist wie ein trojanisches Pferd. Wenn man das so einnimmt, macht es dem Erreger noch nichts. Wenn es aber in Berührung kommt mit diesen Abbauprodukten, dann wird es quasi scharf gemacht und tötet den Erreger ab.

Tobias Spielmann Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin

Nur funktioniert das nicht mehr. Aber warum? Spielmann und sein Team haben herausgefunden: Im Malaria-Erreger ist ein Eiweiß mutiert. Das setzt den Parasiten auf Diät, es sorgt nämlich dafür, dass der weniger Hämoglobin futtert. Weniger Hämoglobin bedeutet weniger Abbauprodukte. Die wenigen Abbauprodukte reichen nicht mehr, um das Gegenmittel Artemisinin ausreichend zu aktivieren. Malaria lebt, der Patient bleibt krank. Ergo: Der Erreger kann also nur überleben, indem er sich selber einschränkt.

"Das ist eine feine Balance zwischen der Nahrungsaufnahme, also dem Hämoglobin, das er als Nahrung braucht und der Aktivierung von Artemisinin." Die gute Nachricht: Viel resistenter kann Malaria nicht werden, denn dann verhungert der Parasit. Und schon jetzt kann die Malaria-Therapie von der neuen Forschung profitieren, nämlich dadurch, dass Partnermedikamente gezielter eingesetzt werden – die dann den Erreger von einer anderen Seite angreifen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. Januar 2020 | 17:20 Uhr

0 Kommentare