Makake
Die Forscher experimentierten in China mit Embryos von Makaken (Symbolbild) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Versuche in China Forscher erschaffen Mensch-Affe-Mischwesen

Die Aufregung um die japanischen Forscher, die Mensch-Tier-Mischwesen bis zur Geburt wachsen lassen wollen, ist noch frisch. Jetzt haben Wissenschaftler aus Spanien und den USA in China Mensch-Affe-Hybriden erschaffen.

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Die Forscher experimentierten in China mit Embryos von Makaken (Symbolbild) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Japaner lassen Mensch-Tier-Hybride bis zur Geburt heranreifen. Diese Meldung aus der letzten Juli-Woche sorgte für eine große Diskussion um medizinische und ethische Fragen. Jetzt vermelden verschiedene Zeitungen, darunter "El País" und "Daily Star", dass ein Team von Wissenschaftlern aus Spanien und den USA solche Versuche mit menschlichen Zellen und Primaten unternehmen.

Der Leiter dieser Experimente soll der Wissenschaftler Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute in San Diego sein. Er hatte bereits 2017 über ähnliche Versuche mit induziert pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) von Menschen in Schweinen berichtet. Allerdings führten die damaligen Versuche nicht zum Erfolg. Nur wenige der menschlichen Zellen ließen sich im Schweineembryo nachweisen, berichtet "El País". Belmonte hatte bereits vor diesen Versuchen Experimente an nicht menschlichen Primaten gefordert. Begründung: Sie seien näher mit Menschen verwandt und China würde massiv in diesen Bereich der Tierversuche investieren.

Jetzt hat der Forscher die Versuche offenbar selbst durchgeführt. Die Hybride aus Makaken-Embryos und menschlichen Zellen sollen geburtsreif gewesen sein, die Experimente wurden jedoch vorher beendet, berichtet "Daily Star". Neben Forschern aus dem Salk Institute sollen dem Forscherteam auch Wissenschaftler der Murcia Universidad Católica aus Südspanien angehört haben.

Vorsicht vor vorschneller Bewertung

Auch Hiromitsu Nakauchi, der jetzt in Japan die neuen Versuche plant, hat Experimente mit Primaten unternommen. Seine Ergebnisse sind zwar auf einem sogenannten Preprint-Server (bioRxiv) veröffentlicht, wurden aber noch nicht von anderen Experten begutachtet.

"Vorsicht gegenüber jeder vorschnellen ethischen Bewertung", warnt deshalb Prof. Dr. Hille Haker, der an der Loyola University Chicago den Lehrstuhl für Christliche Ethik inne hat. Erst müssten beide Forschungen verglichen werden und das gehe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Haker fordert deshalb einen schnelle Veröffentlichung der Studienergebnisse, "um endlich eine Diskussion in Gang zu bringen, die ansonsten in den Hinterzimmern der Ethik-Kommissionen und Ethik-Zentren verschwindet."

Hier verboten, dort erlaubt

Der deutsche Ethikprofessor Peter Dabrock von der Uni Erlangen-Nürnberg sieht deutliche Unterschiede zwischen den Forschungen in Japan und jetzt in China. Während die Japaner Schritt für Schritt vorgehen und Überwachung zulassen, wirft das Vorgehen von Belmonte "mal wieder die Frage auf, wie man angesichts einer globalen Wissenschaftsgemeinde damit umgehen soll, wenn Forscher sich an einem Projekt beteiligen, das im eigenen Land verboten ist."

"Affe-Mensch-Mischwesen nach den Verfahren, die hier diskutiert werden, halte ich für unethisch", so die Reaktion von Prof. Dr. Rüdiger Behr vom Deutschen Primatenzentrum Göttingen. Grundsätzlich hält er jedoch Forschung an Mensch-Tier-Mischwesen "neben anderen ebenfalls weiter zu verfolgenden experimentellen Ansätzen" für sinnvoll. Denn allein in Deutschland, so Behr weiter, "sterben statistisch jeden Tag drei Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, aber keines bekommen, da keine Organe verfügbar sind".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. August 2019, 16:29 Uhr

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